Kultur

Das App im Einsatz auf dem Münchner Odeonsplatz: Die Theatinerkirche war die Hofkirche der Wittelsbacher und neben St. Michael und dem Frauendom ihre wichtigste Grablege. (Foto: BSB)

30.09.2011

Virtueller Draht zum "Märchenkönig"

Die Bayerische Staatsbibliothek bietet nun eine kostenlose Ludwig II-App für Smartphones an

Dass Dinge, die mit Ludwig II. zu tun haben, gern einmal ins Märchenhafte lappen, ist nichts Neues. Dass aber sein längst verschwundener Wintergarten droben auf der Münchner Residenz, seinerzeit schon voller Zauber, jetzt wie von Zauberhand auf Telefondisplays erneut entsteht, das ist dann schon neu: Die Bayerische Staatsbibliothek (BSB) hat eine Ludwig II-App für Smartphones eingerichtet, mit der die große Welt des Wittelsbachers in kommod konsumierbaren Informations-Happen in den kleinsten Taschen Platz findet.
Dass dieses kostenlose Werkzeug für technisch dafür ausgerüstete Mobiltelefone aber nicht allein das nette Spielzeug ist, als das es zweifellos auch daher kommt, sondern Ausdruck einer hauseigenen Behörden-Philosophie, erklärt der stellvertretende Generaldirektor des Hauses an der Ludwigstraße, Klaus Ceynowa: Es missverstünde einer die Bibliothek, begreife er sie allein als Aufbewahrungsort von Büchern und Hort der Vergangenheit, sagt er. Man sieht sich vielmehr als kultureller Dienstleister, der auch „eine Linie in die Zukunft“ legen müsse. Schon längst sei das Leben der Kunden dank mobiler und überall nutzbarer Internetzugänge dermaßen ubiquitär geworden – und diesen Spuren müsse man eben überall hin folgen.
Deshalb also die Ludwig-App als süße Frucht vom Stamme der digitalen Bibliotheksarbeit. Hat man ein Smartphone zur Hand, erhält man von der App für 140 eingespeiste Ludwigs-Orte Textinformationen, Videos, 3D-Animationen, historische Fotos, Hörbilder mit Zeitzeugenzitaten und Kurzinterviews mit Gelehrten. Hier und da tut sich dann auf dem Display sogar Ungeheuerliches in „Augmented Reality“-Simulationen.

Wartezeit verkürzen

Spätestens bei deren Demonstration wird der Vize-Generaldirektor selbst hin- und weggerissen von den Möglichkeiten der neuesten multimedialen Wirklichkeitssimulation: Des Königs Wintergarten, bald nach seinem Tod vorsichtshalber abgerissen, weil aus ihm Wasser zu tröpfeln begann, entsteht riesellos, tadellos, virtuell neu auf dem kleinen Telefonbildschirm, sobald die Kamera auf die entsprechende Stelle an der Residenz gehalten wird. Zu sehen sind außerdem 360-Grad-Ansichten von Thron- und Sängersaal des Schlosses Neuschwanstein. Eintrittskarten dort, in Linderhof und Herrenchiemsee können digitale Modelle der Schlösser hervorrufen. Das verkürzt die Zeit in der Warteschlange: Die Staatsbibliothek hat bei der App intensiv mit der Bayerischen Schlösser-, Garten- und Seenverwaltung zusammengearbeitet.
Derlei Angebote wie jetzt die Ludwig-App basieren auf der Erfahrung Ceynowas und seiner Mitarbeiter mit Digitalisierungsprojekten. Vieles begann 1997, als die BSB neben Göttingen das bundesweit zweite Digitalisierungszentrum von Büchern wurde. Dazu kam später eine Kooperation mit Google. 550 000 digitalisierte Werke stehen inzwischen zur Verfügung. Damit sind die Münchner wichtigster Zulieferer für die europaweite Online-Bibliothek Europeana mit inzwischen 4,8 Millionen digitalisierten Bänden. Die Apps dienen auch dazu, in dieser Fülle als Institution mit all der eigenen Arbeit nicht unterzugehen und sichtbar zu bleiben. Übrigens: Die BSB-App Famous Books, schon länger auf dem virtuellen Markt und mit 200 000 Downloads recht populär, hat es gerade unter die besten 1000 Apps hierzulande geschafft.
(Christian Muggenthaler)

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