Kultur

13.05.2011

Wagners Ring - verpackt in einen Abend

Wenn das der Urgroßvater wüsste: Katharina Wagner inszeniert 2013 in Buenos Aires eine Turbo-Oper

Kulturelle Großereignisse werfen ihren Schatten voraus: 2013, genauer am 22. Mai, aber letztlich die ganze Theatersaison lang wird der 200. Geburtstag Richard Wagners zu feiern sein. Speziell die Opernwelt geht mit diesem Datum, vor allem aber mit den ja nicht leichtgewichtigen Werken des Bayreuther Meisters gleichsam schwanger. Alle Opernhäuser, die auf sich halten, basteln bereits an einer eigenen Fassung des Hauptwerkes, des vierteiligen Ring des Nibelungen: über 16 Stunden herausfordernde Musik – so die Staatsoper Hamburg, die Oper Frankfurt, die Staatsoper Berlin in Kooperation mit der Mailänder Scala undundund. Im Zentrum und von aller Kulturwelt aufmerksam beäugt: die Bayreuther Festspiele, geleitet von den Wagner-Urenkelinnen Eva und Katharina. Ausgerechnet Bayreuth selbst fehlt derzeit noch ein Ring-Regisseur – und das so kurz vor Bauprobenbeginn. Da überrascht es denn doch sehr, wenn Katharina eben bekannt gibt, dass sie selbst einen Ring inszenieren wird. Nur eben nicht in Bayreuth, sondern in Argentinien, im renommierten Teatro Colón von Buenos Aires. Und dann auch nicht einen ganzen Ring, sondern eine auf sieben Stunden eingedampfte Fassung an einem Tag.


Caramba! Das hat
ein Gschmäckle


„Caramba!“ entfährt es da dem Gaucho – oder dem Musikfreund. Landessprachlicher: Hat das nicht – tja, ein Gschmäckle? Nach all den Schauspiel-Verhackstückungen nun auch gleichsam ein Monument des Musiktheaters als Steinbruch? Und das ausgerechnet von einem Clan-Mitglied, das sich doch eher um das Renommee des eigenen Hauses bemühen sollte? Ist die dann 34-jährige da gut beraten? Oder lebt sie einfach ihre verständliche Lust aus, die oft reaktionäre Wagner-Gemeinde keck vor den Kopf zu stoßen?
Etliche Fakten wirken seriös: Cord Garben, renommierter Liedbegleiter und Produzent des New Yorker Ring auf CD, hat beim Schneiden festgestellt, dass die epischen Wiederholungen der jeweiligen Vorgeschichte auch musikalisch einen Schnitt-Sprung erlauben. Für Ring-Kenner: Da erzählt Göttervater Wotan im 2. Aufzug der Walküre erneut alle Probleme; hier werden die entsprechenden Szenen aus dem vorangegangenen, aber eben komplett gestrichenen Rheingold eingefügt. Und so weiter.
Thilo Steffens wird dafür praktikable Bühnen-Module bauen, Monika Gora die Kostüme beisteuern. Der Dirigent steht noch nicht fest. Doch das Teatro Colón will mit dem von Mittag bis Mitternacht terminierten Ring-Digest nach vier eigenen Aufführungen die Produktion opernweltweit anbieten.
Wagners Kurz-Ring gleichsam für die zu kurz Gekommenen. Da Bayreuth selbst ja noch keinen Ring fixiert hat, wäre das ja – Nein! Bayreuth selbst wird ja im Festspielsommer einen Ring für Kinder anbieten, knapp über eine Stunde. Das wäre dann die hauseigene Lösung.
Und als letzte Rettung bliebe dann immer noch die unsterbliche Anna Russell mit ihrer Lachkrampf-Analyse des Ring in 20 Minuten. Nein: Das wäre doch zuviel Götterdämmerung in Bayreuth … (Wolf-Dieter Peter)

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