Kultur

Was bleibt in Zeiten des "www"? Karikatur des gebürtigen Münchners Johann Mayr (Jahrgang 1956).

09.11.2012

Wir rechnen's mal durch

Passend zur Jahreszeit: Karikaturen zu Sterben, Tod und Trauer im Bamberger Klinikum

Einen hintersinnigeren Termin für sein Ableben hätte sich Walther Keim, der Doyen der deutschen Karikaturensammler und -aussteller, kaum ausdenken können: Er starb am 1. April dieses Jahres. Mit seinem Professorenkollegen Gerhard Seitz, Pathologe am Klinikum Bamberg, hat er mehrere thematische Ausstellungen realisiert, zu denen regelmäßig die Creme der internationalen Karikaturistenszene hochkarätige Beiträge lieferte. Dass es in der neuesten Edition der schon Tradition gewordenen Bamberger Karikaturenausstellungen besonders lustig oder gar witzig zugehen würde, war angesichts des vorgegebenen Themas kaum zu erwarten: Sterben, Tod und Trauer – wem es da nicht bang um’s Herz wird.


Doch ausgerechnet diese Wanderausstellung, realisiert bezeichnenderweise mit dem örtlichen Hospizverein, spitzt manche Wechselfälle des zu Ende gehenden Lebens auf erhellende, aktualisierende, bisweilen sogar beklemmende Weise zu. Natürlich ist das eine Gratwanderung, doch es zeigt sich, dass auch körperliche Gebrechen oder gar die Konfrontation mit Gevatter Tod durchaus Anlässe für Heiterkeit bieten können.
Da ist es noch harmlos, wenn ein alter Mann seinem ebenso alten Gegenüber klug zu bedenken gibt, vergesslich sei, „wer die Hose nach dem Pinkeln nicht zumacht“, der andere aber kühl retourniert: „und dement, wer sie vorher nicht aufmacht“. Etwas makabrer ist da schon das Fortbildungsangebot eines sterbenskranken Familienvaters, der dem ambulanten Hospizdienst mitteilt, er bilde jetzt seine Angehörigen zu Hinterbliebenen aus. Das wohl trefflichste Missverständnis hat es sogar auf den Frontispiz des Ausstellungskatalogs gebracht, nämlich den Hurraschrei der Sichel schwingenden Bauersfrau („Sie hat mir der Himmel geschickt“), als sie den Sensenmann auftauchen sieht – eine sehr finale Hilfestellung.

Think-positiv-Gefasel

Natürlich werden auch aktuelle Debatten oder Problemlagen der Gesundheitsindustrie bzw. ihrer letalen Folgen auf die Schippe genommen, zum Beispiel das Think-positive-Gefasel,

 dem das Wort krank längst abhanden gekommen ist. Da klagt zum Beispiel eine Frau am Grab, ihr Mann sei gerade gestorben, „als ihm die Gesundheitskasse die neue Gesundheitskarte schickte“, worauf ihre Begleiterin ebenso unberührt wie konsequent zurückfragt: „Und an welcher Gesundheit ist er gestorben?“
Sarkastisch wird die aktuelle Krankheitsvermeidungspolitik beleuchtet, wenn ein Arzt auf die Frage des Patienten, ob er noch eine Chance habe, die entwaffnende Antwort gibt: „Wir rechnen’s mal durch.“ (Martin Köhl)

Abbildungen:

Tod als Mäher von Barbara Henniger.

Rosa Hand von Thomas Plassmann. 

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