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Muslime lassen sich in der Regel nicht im Sarg beisetzen, sondern in Tücher eingewickelt. Das ist in Bayern - anders als in vielen anderen Bundesländern - aber noch nicht erlaubt. (Foto: dpa)

17.06.2015

Abschaffung der Sargpflicht rückt näher

CSU kündigt Bereitschaft an, die bisherige Rechtslage zu korrigieren

Nach einer eindeutigen Expertenanhörung rückt auch in Bayern eine Abschaffung der Sargpflicht bei Beerdigungen näher - wenn dafür religiöse Gründe geltend gemacht werden. Neben der Opposition deutete am Mittwoch auch die CSU die Bereitschaft an, die bisherige Rechtslage zu korrigieren. Damit würde man den Muslimen im Freistaat entgegenkommen. Muslime lassen sich in der Regel nicht im Sarg beisetzen, sondern in Tücher eingewickelt. Das ist in Bayern - anders als in vielen anderen Bundesländern - aber noch nicht erlaubt.

"Ich kann mir vorstellen, dass man auf die Sargpflicht aus religiösen Gründen verzichten kann", sagte der Vorsitzende des Innenausschusses, Florian Herrmann (CSU). Auch die Opposition sprach sich dafür aus. Sie rechne damit, dass dies schnell gehe, sagte Ulrike Gote (Grüne).

In der Anhörung des Innenausschusses sprachen sich nicht nur Vertreter der Muslime für die Abschaffung der Sargpflicht aus, sondern auch die katholische und die evangelische Kirche sowie Vertreter der Kommunalverbände. "Wir wünschen uns auf jeden Fall eine sarglose Bestattung", sagte der Vize-Vorsitzende der islamischen Religionsgemeinschaft DITIB in Bayern, Aykan Inan. Bettina Nickel vom Katholischen Büro Bayern sagte, dagegen spreche aus ihrer Sicht nichts. Die christliche Religion werde dadurch nicht beeinträchtigt.

Auch das Landesamt für Gesundheit und Lebensmittelsicherheit (LGL) hat keine Bedenken gegen sarglose Beerdigungen - betonte aber, dass für den Transport eines Leichnams ein Sarg weiterhin erforderlich sei, und zwar aus hygienischen und arbeitsmedizinischen Gründen. Das stellte DITIB-Vertreter Inan auch überhaupt nicht infrage. Billiger sind sarglose Beerdigungen nach Expertenangaben im Übrigen nicht.  

Bedenken gegen eine Abschaffung der Sargpflicht meldete allein der Vorsitzende des Bestatterverbandes Bayern, Ralf Michal, an. Er verwies auf einen "längeren organischen Zerfallsprozess des Leichnams". "Ohne Sarg ist eine Zersetzung nur unzureichend gewährleistet." Zudem sei wohl kein Bestatter bereit, einen Verstorbenen am offenen Grab wieder aus dem Sarg zu nehmen.

In der Praxis würde dies möglicherweise zur Folge haben, dass die Ruhefristen auf Friedhöfen verlängert werden müssen - wobei Muslime ohnehin ein "ewiges Ruherecht" fordern. Darüber müssten aber die Friedhofsträger entscheiden dürfen, hieß es übereinstimmend.

Auf mehreren bayerischen Friedhöfen gibt es schon seit langem muslimische Grabfelder. Dort werden die Gräber in der Regel nach Südosten ausgerichtet, gen Mekka. Das bayernweit erste muslimische Feld entstand vor 50 Jahren auf dem Münchner Waldfriedhof. (dpa)

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