Landtag

Über das NS-Dokumentationszentrum wird zu wenig informiert, beklagen bayerische Abgeordnete. (Foto: DAPD)

01.02.2013

Diffuses Ausstellungsdrehbuch

Wissenschaftsausschuss: Kultus- und Finanzministerium informieren über das geplante NS-Dokumentationszentrum

Das Kultus- und das Finanzministerium haben mit ihren Berichten zum Stand der Planungen für die NS-Dokumentationszentren in München und auf dem Obersalzberg bei Berchtesgaden im Hochschulausschuss keine Lorbeeren eingeheimst. Fraktionsübergreifend wurde beklagt, dass sich die Häuser vor allem bezüglich der konzeptionellen Planungen sehr bedeckt gehalten hätten. Im Fall des Neubaus am Münchner Karolinenplatz beschlossen die Abgeordneten daher, sich im Rahmen einer Ortsbesichtigung nähere Informationen zu holen.

Buchladen und Cafeteria für Besucher

Nach Auskunft des Kultusministeriums wird für den Neubau am Karolinenplatz derzeit ein „Ausstellungsdrehbuch“ erarbeitet. Dieses habe insgesamt rund 120 Unterpunkte. Zu Einzelheiten äußerte sich der zuständige Beamte des Kultusministeriums mit Blick auf die laufenden Beratungen in den verantwortlichen Gremien jedoch nicht. Mit Blick auf die Bauplanungen berichtete er von zwei deutlichen Veränderungen. So werde ins Erdgeschoss noch ein bislang nicht vorgesehener Buchladen mit Sitzgelegenheiten integriert. Außerdem soll eine Cafeteria entstehen. Zu Mehrkosten sollen die Planungen aber nicht führen. Mit der Eröffnung des Dokumentationszentrums sei nach gegenwärtigem Stand für den Herbst 2014 zu rechnen.
Auf dem Obersalzberg soll nach den Plänen des dort zuständigen Finanzministeriums der Ausstellungsbereich von derzeit knapp 1000 auf rund 1500 Quadratmeter vergrößert werden. Man trage damit dem stark gestiegenen Besucherinteresse von über 100 000 Personen im Jahr Rechnung. Die Kosten für die Um- und Erweiterungsbauten würden mit 14,3 Millionen Euro veranschlagt, für die Neukonzeption der Ausstellung würden 1,8 Millionen Euro benötigt. Wann mit den Arbeiten begonnen werden könne, sei noch offen, da der Bund seine Entscheidung über eine Mitfinanzierung – möglich seien maximal 50 Prozent – noch nicht getroffen habe.
Die SPD-Abgeordnete Isabell Zacharias vermisste in den Ausführungen konkrete Aussagen über die konzeptionellen Planungen. Der Landtag habe den Anspruch, sich an diesen zu beteiligen. Dazu seien aber genauere Informationen erforderlich, sagte Zacharias. Für den Obersalzberg forderte sie ein mehrsprachiges Ausstellungskonzept und die Berücksichtigung einer modernen Museumspädagogik. Von einem „dünnen Sachstandsbericht“ sprach Ulrike Gote (Grüne). Sie werde nicht hinnehmen, dass alle Planungen am Landtag vorbeiliefen „und uns erst am Ende ein fertiges Konzept präsentiert wird“.
Karl Freller (CSU) sah das Projekt in München auf einem inzwischen guten Weg. „Es wird auch Zeit, dass dieses für München so wichtige Projekt endlich kommt“, betonte er. Die Konzeption für den Obersalzberg könne er sich dagegen „schon noch optimiert vorstellen“. Mit Blick auf die hohen Kosten für die beiden Vorzeigeprojekte warnte Freller aber auch davor, die zahlreichen kleineren NS-Gedenkstätten in ganz Bayern zu vernachlässigen. Dort seien noch viele authentische Orte im Original erhalten, die ohne staatliche Unterstützung zu verfallen drohten. (Jürgen Umlauft)

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