Landtag

Thomas Mütze, das Anti-Rumpelstilzchen. (Foto DDP)

18.06.2010

Ein Chef mit Harmonie-Gen

Thomas Mütze beerbt Sepp Daxenberger

Was es über Sepp Daxenberger zu erzählen gibt, füllt schon seit 20 Jahren ellenlange Porträts in großen Magazinen. Was es über Thomas Mütze zu erzählen gibt, passt bislang auf ein dünn beschriebenes Din-A 4-Blatt. Die Grünen-Fraktion hat es an die Journalisten verteilt, damit sie überhaupt wissen wer, vor ihnen steht: Thomas Mütze, 43, gelernter Hauptschullehrer aus Aschaffenburg. Im Landtag seit 2003, haushaltspolitischer Sprecher der Fraktion. Mütze war einmal Sänger der Band „Mütze und Freunde“, heißt es auf dem Zettel, und er ist Fan von Eintracht Frankfurt. Am Mittwoch haben ihn die Grünen im Landtag zum Nachfolger Daxenbergers gewählt, zum neuen Fraktionschef neben Margarete Bause. Mütze bekam 14 von 16 Stimmen, als einziger Kandidat. Andere prominente Fraktionsmitglieder wie Christian Magerl und Sepp Dürr hatten es abgelehnt, sich um den Fraktionsvorsitz zu bewerben. Wenige Minuten nach seiner Wahl steht Mütze vor dem Sitzungssaal und reibt sich aufgeregt die Hände. Margarete Bause steht daneben und lobt Mützes Arbeit als Haushaltspolitker. Sepp Daxenberger konnte seinen Nachfolger nicht mitwählen. Er hat sich krank gemeldet. Bause sagt, die Wahl Mützes sei ein Zeichen, er stehe für nachhaltige Haushaltspolitik, für intelligentes Sparen. Mütze sagt: „Es darf kein Denkverbot geben, wenn es ums Sparen geht.“ Als einer von zwei grünen Vertretern im Haushaltsausschuss hat sich Mütze den Ruf eines unaufgeregten Sachpolitikers erarbeitet. Auch im Plenum des Landtags ist ihm das Poltern bisher fremd. Als der Landtag im März den Nachtragshaushalt debattierte, zählte Mütze minutenlang auf, für welche Projekte CSU und FDP die zusätzlichen Finanzmittel ausgeben wollen, wie die Vorschläge der Grünen ausgesehen und was sie gekostet hätten. Ob solche leisen Töne ausreichen, um als Chef jener Fraktion, die sich selbst so gerne als „Premiumopposition“ bezeichnet, neben SPD und FW einen bleibenden Eindruck zu hinterlassen, ist mit Blick auf Mützes Wahl die große Frage. Er werde sich auch mit seiner ruhigen Art durchsetzen, meint Mütze. „Ich muss mich nicht verbiegen.“ Mütze soll als Fraktionschef auch stabilisierend nach innen wirken. Die grünen Abgeordneten schätzen Sepp Daxenberger als ruhigen Vermittler in der Fraktion. Von Mütze wird nun Ähnliches erwartet. Margarete Bause sagt: „Er ist jemand, mit dem man gut zusammenarbeiten kann.“ Mütze sei „sehr teamorientiert“. Wie sich Bause und Mütze ihre Aufgaben als Fraktionsvorsitzende künftig aufteilen, habe man noch nicht entschieden. Gerade stehen die Grünen in den Meinungsumfragen so stark da wie lange nicht, während Union und FDP mit ihrem umstrittenen Sparpaket kämpfen. In so einer Situation würde man von einem jungen frisch gewählten Grünen-Fraktionschef eine paar kernige Worte erwarten, einen ordentlichen Angriff gegen die Regierung und die CSU. Aber vor den Kameras neben dem Sitzungssaal steht Thomas Mütze, der ruhige Sachpolitiker aus dem Haushaltsausschuss. Er sagt: „Ich bin auf die Sparvorschläge des Ministerpräsidenten gespannt.“

(Bernhard Hübner)

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