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Fehlbetäubung: Das bedeutet, in neun Prozent aller Fälle erleiden die Tiere große Schmerzen: Schweine werden zum Beispiel bei vollem Bewusstsein in kochendes Wasser geworfen. (Foto: dpa)

08.01.2016

Fehlbetäubungen lassen sich "nie gänzlich ausschließen"

Schriftliche Anfrage der SPD: In Deutschland werden jährlich rund 70 Millionen Geflügel, sechs Millionen Schweine, 350 000 Rinder und 100 000 Schafe beim Schlachten fehlbetäubt

Nach Angaben der Bundesregierung werden in Deutschland jährlich rund 70 Millionen Geflügel, sechs Millionen Schweine, 350 000 Rinder und 100 000 Schafe beim Schlachten fehlbetäubt. Das bedeutet, in neun Prozent aller Fälle erleiden die Tiere große Schmerzen: Schweine werden bei vollem Bewusstsein in kochendes Wasser geworfen, Kühen wird ein zweites Mal mit dem Bolzenschussgerät der Stirnknochen durchschossen oder Geflügel wird zu langsam mit Gas betäubt, weshalb es vor dem Tod Erstickungsängste erleidet. Susann Biedefeld (SPD) wollte aus diesem Grund von der Staatsregierung wissen, wie viele Schweine in den letzten fünf Jahren in bayerischen Schlachthöfen geschlachtet wurden, und wie sich die Quote der Fehlbetäubungen im Freistaat entwickelt hat.

Das Umweltministerium schreibt in seiner Antwort, in den Jahren 2010 bis 2014 seien jährlich rund 5,25 Millionen Schweine gewerblich geschlachtet worden – knapp die Hälfte davon in Niederbayern. Bevor Schweine ins kochende Wasserbad geraten, müsse eine korrekte Betäubung und Entblutung vorgenommen werden. „Nur bei gravierenden Verstößen gegen tierschutzrechtliche Vorgaben und gute fachliche Praxis ist es möglich, dass Schweine bei Bewusstsein in die Brühanlage kommen“, so ein Sprecher von Ministerin Ulrike Scharf s(CSU).

Genaue Zahlen zur Fehlbetäubung kann das Umweltressort nicht nennen. Als Ursachen für solche Vorfälle werden Fehler bei der Durchführung oder Fehlfunktionen der Geräte genannt. „Derartige Fehler lassen sich nie gänzlich ausschließen.“ Die Betäubung dürfe allerdings nur von Personen durchgeführt werden, die über einen Sachkundenachweis verfügen und ihre Befähigung für diese Tätigkeiten nachgewiesen hätten. „Die Kontrollen erfolgen im laufenden Schlachtbetrieb mindestens durch das direkt tätige Personal sowie an einer Stichprobe von Tieren durch eine speziell beauftragte Person“, ergänzt ein Ministeriumssprecher. Bei wiederholten Verstößen würden von den Behörden „unverzüglich Maßnahmen zur ordnungsgemäßen Betäubung angeordnet“. Wie häufig dies der Fall war, weiß das Ministerium nicht.

Die häufigsten Betäubungsmethoden sind laut Scharf-Ressort die Kohlendioxid-Betäubung und die Elektrobetäubung durch Kopf- oder Ganzkörperdurchströmung. Erlaubt sind allerdings bei Schweinen unter bestimmten Voraussetzungen ebenso der Bolzenschuss, der Schuss mit einer Feuerwaffe oder einfach ein stumpfer Schlag auf den Kopf. (David Lohmann)

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