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"Die hauptamtlichen und ehrenamtlichen Mitarbeiter in den Asylbewerberheimen arbeiten bis an die Belastungsgrenzen und können die zusätzlich gestellten Anforderungen nicht mehr erfüllen", mahnt Klaus Adelt (SPD). (Foto: dpa)

23.03.2016

Immer mehr Suizidversuche in Flüchtlingsheimen

Schriftliche Anfrage der SPD: 2015 haben 46 Flüchtlinge versucht, sich das Leben nehmen zu nehmen

Viele Flüchtlinge hätten Dinge gesehen, die wir uns in unseren schlimmsten Albträumen nicht vorstellen könnten, schreibt Klaus Adelt (SPD) in seiner Anfrage. „Wir dürfen diese Menschen mit ihren Erlebnissen nicht alleine lassen“, fordert er. Doch das Gegenteil scheint der Fall zu sein: Auf seine Frage, wie viele Suizide und Suizidversuche es von Flüchtlingen in den bayerischen Asylbewerberheimen in den letzten drei Jahren gab, erhielt der Abgeordnete erschreckende Antworten.

Laut Integrationsministerium ist die Zahl der Suizide und Suizidversuche angestiegen. 2013 haben sich „nur“ 30 Personen umzubringen versucht – eine Person ist dabei tatsächlich ums Leben gekommen. 2014 gab es bereits 52 Suizidversuche, von denen drei Versuche vollendet wurden. Im vergangenen Jahr waren es schließlich 46 Fälle mit einem Toten. Allerdings liegen die Daten der Regierungsbezirke Oberfranken, Mittelfranken und der Oberpfalz noch nicht vor. Die meisten Suizidenten kamen 2013 aus Afghanistan (12), Iran, Russland und Serbien (jeweils 2). 2014 waren in erster Linie Afghanen (14), Syrier (6) und Somalier (4) darunter. Für 2015 stehen noch keine Daten zu Verfügung.

Selbstmordmotive: Abschiebebescheide, Kriegstraumata, wirtschaftliche Notlagen

Auffällig: Die meisten Selbstmordversuche fanden in Münchner Aufnahmeeinrichtungen und bei der dezentralen Unterbringung im Bereich Aschaffenburg (jeweils 9) statt. Anschließend folgen Gemeinschaftsunterkünfte im Bereich Schweinfurt (8), Gemeinschaftsunterkünfte im Bereich München und in der dezentralen Unterbringung im Bereich Schweinfurt (jeweils 3). Selbstmordmotive sind laut Ressort von Emilia Müller (CSU): Abschiebebescheide, Kriegstraumata, wirtschaftliche Notlagen, Furcht vor Strafe, Familientrennung, psychische Probleme, häusliche Gewalt, Alkoholmissbrauch, Tod eines nahen Angehörigen, Krankheit, Schwermut, Nervenleiden, Familienzwistigkeiten, Liebeskummer sowie ein positiver HIV-Befund. Alle Überlebenden hätten in der Folge aber ärztliche Unterstützung bekommen. Allerdings räumt das Ministerium ein, dass ein Asylbewerber bei einem Arzt für Psychiatrie und Neurologie in Behandlung war und dennoch Suizid begangen hat.

„Es ist unsere Pflicht, den Flüchtlingen nicht nur ein Dach über dem Kopf und etwas zu essen bereitzustellen“, mahnt SPD-Mann Adelt. Darüber hinaus müsse auch für eine ausreichende psychologische Betreuung gesorgt werden. „Die hauptamtlichen und ehrenamtlichen Mitarbeiter in den Asylbewerberheimen arbeiten bis an die Belastungsgrenzen und können die zusätzlich gestellten Anforderungen nicht mehr erfüllen.“ (David Lohmann)

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