Landtag

Würde von einem neuen Konzertsaal profitieren: das Symphonieorchester des Bayerischen Rundfunks. (Foto: BR)

30.03.2012

Kakophonie in Sachen Konzertsaal

Kultur- und Haushaltsausschuss: Minister Heubisch legt mündlichen Bericht vor – grünes Licht für Machbarkeitsstudie

Polemik hat die Tonlage in der jüngsten Sitzung des Kulturausschusses bestimmt: Kunstminister Wolfgang Heubischs (FDP) Bericht zum möglichen Bau eines neuen Konzertsaals in München nutzten einige Abgeordnete, um persönliche Positionen zu formulieren. Dahinter teilweise vorgezogenes Wahlkampfgetöse zu vermuten, ist naheliegend.
Davon unbeeindruckt erklärte Heubisch, ein fünfter Konzertsaal in München sei für ihn ein Muss. „Das Symphonieorchester des Bayerischen Rundfunks zählt zu den zehn besten der Welt“, sagte er. Untragbar sei, dass diese Formation über keinen eigenen Saal für Proben und Konzerte verfüge. Dies ist einer von mehreren Gründen, die aus seiner Sicht für weitere Räumlichkeiten sprechen. Ob diese auf dem Areal des Deutschen Museums entstehen sollen respektive dazu der denkmalgeschützte Kongresssaal abgerissen werden darf, das will er via Machbarkeitsstudie prüfen lassen. Vor dieser sei es sinnlos, über Kosten des Bauvorhabens zu spekulieren.

Freie Wähler: "Denkmal im eigenen Stimmkreis"

Letzteres sorgte für Empörung: „Wenn Sie den Konzertsaal verhindern wollen, dann müssen Sie so weitermachen“, drohte Sepp Dürr (Grüne). Er forderte einen „gründlichen Kassensturz“ zu Bau- und Folgekosten – vor einer Machbarkeitsstudie. Dabei zählt Dürr zu den Befürwortern eines weiteren Konzertsaals. „Wir brauchen ihn wegen des BR-Symphonieorchesters“, sagte er. Michael Piazolo (Freie Wähler) mutmaßte, dass sich Heubisch mit dem Projekt im „eigenen Stimmkreis ein Denkmal“ setzen wolle.
Isabell Zacharias (SPD), stellvertretende Vorsitzende des Gremiums, bezeichnete sich als „keine grundsätzliche Gegnerin eines neuen Konzertsaals“. Sie frage sich jedoch, wie dieser finanziert werden soll. „Es werden Abermillionen beispielsweise für das Museum der Bayerischen Geschichte ausgegeben. Gleichzeitig will man einen ausgeglichenen Haushalt“, sagte sie. Ihr Parteifreund Christoph Rabenstein lehnt Heubischs Pläne ab. Andere Projekte sind aus seiner Sicht dringlicher: „Bei den Festspielen in Bayreuth müssen wir aufpassen, dass den Prominenten kein Stein auf den Kopf fällt“, umschrieb er den sanierungsbedürftigen Zustand des Festspielhauses.
Dass die Opposition verbal gegen den Minister schoss, überrascht nicht. Dass auch mehrere skeptische Beiträge aus den Reihen der CSU kamen, ist denkwürdig – immerhin steht Ministerpräsident Horst Seehofer (CSU) hinter dem Projekt neuer Konzertsaal. „Mich haben sie noch lange nicht auf Ihrer Seite“, erklärte etwa Walter Nadler (CSU). Während in München „die Post abgeht, tränen uns da draußen die Augen“, sagte der Abgeordnete aus Bayreuth. Seine Parteikollegin Petra Dettenhöfer erklärte: „Auch bei mir ist die Begeisterung nicht übermäßig groß.“ Sie vermisst Antworten auf die Fragen: Wer wird den Konzertsaal betreiben? Wie beteiligt sich die Stadt München? Bleibt die finanzielle Last allein beim Freistaat Bayern? Schließlich gab Oliver Jörg (CSU), Vorsitzender des Hochschulausschusses, ein anschauliches Beispiel: „Auch Privatleute wissen, wenn sie auf ihrem Bauplatz stehen, was finanziell grob auf sie zukommt.“

München konkurriert mit Berlin in Sachen Konzert

Uneingeschränkte Unterstützung für Heubisch kam nicht nur von seiner Parteikollegin Julika Sandt („Wir dürfen keine Neiddebatte zwischen München und Franken aufkommen lassen.“), sondern auch von Bernd Kränzle (CSU): „Es ist völlig fehl am Platz, den Minister so anzugreifen. Was er macht, ist richtig und gut“, meinte er. Berlin und München konkurrierten miteinander, um die „Internationalität in Sachen Oper und Konzert“. Um dauerhaft mit der Bundeshauptstadt mithalten zu können, sei ein neuer Konzertsaal in München unabdingbar. In diesem Zusammenhang brachte Heubisch ein Argument, das nicht von der Hand zu weisen ist: An der Spree würden Riesensummen in die dortige Museumsinsel investiert, „und das, obwohl man weiß, wie kaputt Berlin drumherum aussieht“. Von einem solchen Missverhältnis könne zwischen München und Bayern nicht die Rede sein.
Eine entscheidende Richtung wurde indes im Haushaltsausschuss vorgegeben: Mit den Stimmen von CSU, FDP und Freien Wählern ist der Sperrvermerk für die von Heubisch geforderte Machbarkeitsstudie aufgehoben worden. Das bedeutet, dass der Landtag weiterhin auf einen Kostenvoranschlag für den geplanten Konzertsaal warten muss. (Alexandra Kournioti)

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