Landtag

Die Museumsakademie unterstützt Kunsthäuser unter anderem dabei, ihre Ausstellungen kinderfreundlicher zu gestalten. (Foto: DPA)

31.01.2014

Kunst-Oasen statt Service-Wüsten

Kunstausschuss: Die Museumsakademie will die Qualität kleinerer Museen im Freistaat verbessern – für ein flächendeckendes Engagement fehlt allerdings das Geld

Nach jeder Landtagswahl tagt der Ausschuss für Wissenschaft und Kunst einmal im Staatsministerium für Bildung, Kultus, Wissenschaft und Kunst. Im Gegensatz zur letzten Legislaturperiode stellen jetzt allerdings die Freien Wähler den Ausschussvorsitzenden. Michael Piazolo ließ es sich daher zu Beginn der Sitzung nicht nehmen, den Hausherrn Ludwig Spaenle (CSU) augenzwinkernd zu fragen, ob sein Ministerium angesichts der Lichtverhältnisse im Saal bei der Arbeit immer im Dunkeln bleiben würde. „Von wegen“, konterte dieser. „Wir sind an der Spitze des digitalen Fortschritts“. Und lässt mit einer Handbewegung den Raum aufleuchten.

Fortschrittlich ist ebenfalls, da waren sich beide Herren einig, die neue bayerische Museumsakademie. Sie wurde im Jahr 2011 gegründet und soll unter Leitung des Museumspädagogischen Zentrums (MPZ) Museen, Schulen und Unis zusammenbringen. „Museen haben oft keine eigenen Museumspädagogen“, erklärt MPZ-Leiter Josef Kirmeier. „Deswegen wollen wir gerade kleineren Kunsthäusern in der Fläche Hilfe zur Selbsthilfe anbieten.“ Durch Vorträge, Workshops, Akademien und Fortbildungen soll das Personal lernen, mehr auf die Interessen der Besucher einzugehen. „Wenn keine Schulen ins Museum kommen, liegt das oft nur am fehlenden Programm“, erklärt Kirmeier. Zukünftig soll daher ein Gütesiegel für qualifizierte Betreuung mehr Besucher in die Ausstellungen locken.

Für ehrenamtlich geleitete Mussen versucht die Akademie zudem, engagierte Lehrer zu gewinnen. Diese können unter ihrem Dach eine Zusatzqualifaktion durchlaufen und anschließend als Museumspädagoge vor Ort tätig werden. Zusätzlich soll in Kooperation mit den Unis Studenten beigebracht werden, wie sie zum Beispiel die Kommunikation mit den Besuchern durch digitale Medien in den Kunsthäusern erhöhen können. „Außerdem begreifen sich Museen immer mehr als Marke, weshalb Branding, Marketing und Management immer wichtiger werden“, ergänzt Rainer Wenrich von der Museumsakademie-Geschäftsstelle. Darüber hinaus werde eine Vernetzung mit den Nachbarländern angestrebt, um die bayerische Museumslandschaft vorzustellen und den Anschluss nicht zu verlieren.

Damit die Museumsakademie möglichst viele Menschen erreicht, finden die Veranstaltungen mit bisher insgesamt rund 1500 Besuchern immer abwechselnd in München und den Bezirken statt. Doch das Geld für Reisen und neue Pilotprojekte ist knapp: „Wir haben nur 150 000 Euro für letztes und dieses Jahr und sind daher finanziell und personell begrenzt“, erläutert Kirmeier. Isabell Zacharias (SPD) würde das gerne ändern und bezeichnet den Betrag aus diesem Grund als „ausbaufähig“. Erst kürzlich hätte sich ihre Tochter zwar den Blauen Reiter im Münchner Lenbachhaus angeschaut. „Schüler müssen solche Bilder aber auch vor- und nachbereiten und mit anderen Fächern kombinieren“, verdeutlicht sie. Zur Stärkung der kulturellen Bildung wünscht sich die Abgeordnete zusätzlich pro Schule einen bezahlten Museumsbeauftragten.

Zumindest bei der Finanzierung der Museumsakademie erhält Zacharias Unterstützung von der CSU. „Die Opposition braucht keine Anträge zu stellen“, scherzt Ausschuss-Vize Oliver Jörg. Seine Fraktion hätte der Akademie vor zweieinhalb Jahren schließlich Starthilfe gegeben und werde sie auch beim nächsten Doppelhaushalt nicht vergessen. „Es wird mindestens wieder den gleichen Betrag geben – hoffentlich sogar mehr“, versichert Jörg. „Damit ist die Unterstützung für die Museumsakademie fraktionsübergreifend angenommen“, resümiert Ausschusschef Piazolo und verspricht: „Die Freien Wähler werden, was die Finanzierung angeht, beim Nachtragshaushalt ebenfalls nicht durch Schüchternheit auffallen.“ (David Lohmann)

 

INFO: Bayerische Museumsakademie

Die bayerische Museumsakademie wurde vor zweieinhalb Jahren als Initiative des Museumspädagogischen Zentrums, des Lehrstuhls für bayerische Geschichte an der Ludwig-Maximilians-Universität München und der Landesstelle für die nichtstaatlichen Museen in Bayern gegründet. Sie arbeitet mit Partnern wie der Stiftung Pinakothek der Moderne, dem südtiroler Museumsbund oder den Universitäten München, Augsburg und Würzburg zusammen.

Zu den Angeboten zählen in erster Linie die zertifizierten Zusatzqualifikationen für Lehrkräfte aller Schularten im Bereich der Museumspädagogik. Bei den insgesamt sieben Veranstaltungen in Schwaben und Oberfranken wurden bisher rund 200 Lehrer ausgebildet. In diesem Schuljahr werden Kurse in Niederbayern und der Oberpfalz angeboten. Der nächste findet am 6. Februar in Regensburg statt. Zudem wird am 12. Februar in der Münchner Pinakothek der Moderne ein Workshop zum Thema Design und am 14. März eine Fachtagung zum Thema „Sehen, Begreifen und Kommunizieren im Museum“ in Augsburg angeboten. Nicht zuletzt soll in diesem Jahr noch die zertifizierte Weiterqualifikation im Bereich des Ausstellungs- und Museumswesens für Postgraduierte starten.

Ziel ist es, Museen als Bildungseinrichtungen zu fokussieren. Schulen sollen Besuche als guten Ersatz für Unterricht und nicht mehr als Ausfallzeit sehen. Außerdem wollen die Initiatoren durch Programme für bildungsbenachteiligte Kinder und Jugendliche die kulturelle Teilhabe erhöhen. (LOH)

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