Landtag

Fotografin Herlinde Koelbl (2.v.r.) zeigt Gabriele Appel (Jerusalem Foundation), Sandra Simovich, Dan Shaham-Ben Hayun (beide Generalkonsulat Israel), Katharina Lindenthal (Google), Karl Freller (CSU), Landtagspräsidentin Barbara Stamm und BR-Intendant Ulrich Wilhelm (v.l.) ihre Ausstellung.(Foto: loh)

02.06.2017

Schüler als Friedensbotschafter

"Faces of Jerusalem": Mit einer neuen Ausstellung im Landtag wollen Bayern und Israel ihre Freundschaft festigen und Lösungen im Nahostkonflikt aufzeigen

Seit Jahrzehnten bekämpfen sich Israelis und Palästinenser. Doch immer mehr Menschen wollen die Spirale aus Gewalt und Gegengewalt durchbrechen. So wurde zum Beispiel von Jugendlichen eine arabisch-jüdische Klettergruppe gegründet. Bei ihnen spielt es keine Rolle mehr, wer beim Aufstieg wen sichert. „Es geht darum, Vertrauen zu entwickeln“, erklärt die renommierte Münchner Fotografin Herlinde Koelbl bei der Eröffnung der Ausstellung Faces of Jerusalem im Maximilianeum. Sie porträtierte im Auftrag der Jerusalem Foundation das positive Miteinander von Juden und Arabern. In einem anderen Stadtteil wurde zum Beispiel eine interreligiöse Nachbarschaftswache gegründet. Bei den Treffen, die abwechselnd in einem arabischen und einem jüdischen Haus stattfinden, werden Spannungen auf privater Ebene gelöst. „Das sind kleine Initiativen, die die Welt verändern können“, erklärte Koelbl.

Gabriele Appel von der Jerusalem Foundation will durch die Ausstellung die Probleme aus der Ferne sichtbar machen und Lösungen aufzeigen. „Es geht dabei vor allem um die nächste Generation“, erklärt die Direktorin. Aktuell sammelt die Stiftung Geld für einen Erweiterungsbau des „Hand in Hand“-Gymnasium – der einzigen Schule weltweit, in der jedes Kind bis zum Abitur in Arabisch und Hebräisch unterrichtet wird. Außerdem werden beispielsweise Koexistenzcamps organisiert, wo Jugendliche in Freilichtmuseen unterrichtet werden. „Gemeinsam aufwachsen, gemeinsam lernen – so entstehen Friedensbotschafter“, ist Appel überzeugt.

"Dann wohnt der Wolf beim Lamm"

Doch an diesem Abend sollte es nicht nur um die kleinen Veränderungen in Jerusalem, sondern auch um die Freundschaft zwischen Bayern und Israel gehen. „Und diese wollen wir nicht nur feiern, sondern auch festigen“, erklärte Landtagspräsidentin Barbara Stamm (CSU). Neben der Ausstellungseröffnung stand daher der streng abgesicherte bayerisch-israelische Freundschaftsabend auf dem Programm. „Angesichts der schrecklichen Ereignissen grenzt es an ein Wunder, dass jüdisches Leben in unsere Mitte zurückgekehrt ist“, fuhr Stamm fort. Dieses wolle der Landtag durch Austauschprogramme, Studientage, Akademiegespräche, Ausschussreisen, Erinnerungsarbeit und dem kontinuierlichen Dialog mit Israel weiter ausbauen. „Gerade in Zeiten, in denen erneut Vorurteile gegen Bevölkerunggruppen laut werden, ist es wichtig, Verständigung zu fördern“, unterstrich Stamm. Die beiden Nationen könnten gar nicht genug voneinander lernen. Sie wisse, dass der Nahostkonflikt große Belastungen mit sich bringe. „Isreal braucht daher Freunde“, sagte sie. „Und Bayern ist ein solcher Freund.“

„Unsere Beziehungen sind stark“, betonte der Generalkonsul des Staates Israel, Dan Shaham-Ben Hayun. „Nicht nur, weil sie auf gegenseitigen Interessen, sondern auch, weil sie auf den gleichen Werten beruhen“, ergänzte er. Seit der Gründung des Generalkonsulats 2011 seien viele Freundschaften geknüpft worden. Das israelische Generalkonsulat hat seinen Sitz seit 2015 am Karolinenplatz – unweit der Hochschule für Musik, deren Gebäude in der Nazizeit als „Führerbau“ dienten. „Dann wohnt der Wolf beim Lamm, der Panther liegt beim Böcklein“, zitiert Shaham-Ben Hayun den 740 vor Christus geborenen Schriftprophet Jesaja. Der Vers ziert auch die Wand des neuen Generalkonsulats. Eine Wand, 50 Meter von dem Ort entfernt, der den Holocaust und Zerstörung nach Europa brachte. Gerade hier gelte es, so, Shaham-Ben Hayun, „eine biblische Version von Versöhnung und Öffnung zu realisieren“. (David Lohmann)

„Faces of Jerusalem“: Noch bis zum 23. Juni 2017 im Kreuzgang des Maximilianeums. Öffnungszeiten: Mo bis Do 9 bis 16 Uhr, Fr 9 bis 13 Uhr. Eintritt frei.

INFO: Innovative Projekte bayerisch-israelischer Zusammenarbeit
GIGA: Das Programm „German-Israeli Growth Accelerator“ soll Ideen fördern, die Gründung deutsch-israelischer Start-ups erleichtern und die Vernetzung vorantreiben. Zehn deutsche und zehn israelische Gründer werden die Projekte Anfang Juni vor Investoren in Tel Aviv vorstellen. Im Mittelpunkt der Initiative der Hochschule München, der FOM Hochschule, des Generalkonsulats des Staates Israel und von Google steht die Frage: Was können beide Nationen voneinander lernen und wie daraus erfolgreiche Start-ups etablieren, erklärt Katharina Lindenthal von Google München.

Mindspace: Das Unternehmen bietet einen Coworking-Space. Das heißt, 60 bis 70 große und kleine, nationale und internationale Firmen mieten sich Büros an. „Und dann wird die ganze Zeit genetzwerkt“, erklärt Senior Community Manager Mark Kranz. Synergien zwischen bayerischen und israelischen Firmen entstünden so automatisch. Laut Kranz suchen viele israelische Unternehmer den Einstieg in den US-Markt. Mindspace habe sich aber aufgrund des großen Potenzials bewusst für den deutschen Markt entschieden.

Twin Wineries: Dabei handelt es sich um eine Partnerschaftsinitiative von israelischen und deutschen Winzern. Mittlerweile sind bisher 20 sogenannte Twins entstanden. Jetzt wird fränkischer Wein in Israel und koscherer Wein in Franken verkauft. Bei Besuchen tauschen sich die Winzer zum Beispiel über die Bewässerungssysteme aus. „Wir können viel voneinander lernen“, versichert Weinbotschafterin Romana Echensperger. (loh)

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