Landtag

Laut Studie steht der Freistaat top da, doch bei den Indikatoren für die künftige Entwicklung kommt er über das Mittelmaß nicht hinaus. (Foto: dpa)

17.04.2015

Wie zukunftsfähig ist Bayern?

Aktuelle Stunde: Streit über die Ergebnisse der McKinsey-Studie

Die kurz vor Ostern von der Unternehmensberatung McKinsey veröffentlichte Studie Bayern 2025 – Alte Stärke, neuer Mut hat zu einer heftigen Debatte um die Zukunftsfähigkeit bayerischer Wirtschafts- und Standortpolitik geführt. In einer von ihrer Fraktion beantragten Aktuellen Stunde erklärte Grünen-Fraktionschefin Margarete Bause, die Untersuchung attestiere der Staatsregierung eine „Mischung aus Selbstgefälligkeit, Mutlosigkeit und Ideenlosigkeit“. Wenn es sich die CSU-geführte Regierung weiter im Hier und Jetzt bequem mache, „wird sie unsanft aus ihrem Zufriedenheitsnickerchen erwachen“. CSU-Wirtschaftssprecher Erwin Huber betonte dagegen, CSU und Staatsregierung hätten in der Vergangenheit stets „die richtigen Weichen für die Zukunft Bayerns gestellt“. Dies werde auch so bleiben.

Laut McKinsey steht Bayern mit seinen Wirtschaftsdaten derzeit zwar top da, doch bei den für die künftige Entwicklung bedeutenden Indikatoren wie Einkommensverteilung, Start-up-Quote, Bildungsmobilität, Internetzugang und Ressourcenproduktivität komme der Freistaat „im nationalen Vergleich nicht über das Mittelmaß hinaus“. Auch international bleibe Bayern „insgesamt zurück“. Sollte die Politik nicht auf diese Entwicklung reagieren, seien 40 Prozent der Arbeitsplätze im Freistaat bedroht. „Das bayerische Erfolgsmodell ist in Gefahr, der Handlungsdruck ist groß“, teilte McKinsey in einer zusammenfassenden Stellungnahme mit. Die Berater schließen ihrer Analyse 15 Handlungsfelder an, auf denen die Politik mit entsprechenden Entscheidungen den Negativtrend noch stoppen könnte.

Nach der Interpretation Bauses belegt die Studie, dass der Staatsregierung in wichtigen Bereichen der Politik der Mut für notwendige Veränderungen fehle. Ihrer Partei bescheinigte sie dagegen, am Puls der Zeit zu sein. Die McKinsey-Empfehlungen für einen gerechteren Bildungszugang, zum Nutzen der Chancen aus der Zuwanderung, zur dezentralen Energieversorgung oder einer ressourcenschonenden Landwirtschaft gehörten nämlich „zum Kernbestand grüner Programmatik“. „Schwarze Zahlen schreiben wir in Zukunft nur dann, wenn wir grüne Ideen umsetzen“, erklärte Bause. Ein Ministerpräsident dagegen, dessen Zukunftprojekte das Betreuungsgeld und die Ausländermaut seien, zeige, wie wenig er von gesellschaftspolitischen Entwicklungen verstehe.

SPD-Fraktionschef Markus Rinderspacher forderte die Staatsregierung auf, aktiv zu werden und die richtigen Rahmenbedingungen für eine sichere Zukunft Bayerns zu setzen. „Es ist falsch, sich mit dem Status Quo zufriedenzugeben“, warnte Rinderspacher. Der Wohlstand sei „kein dauerhafter Selbstläufer“. CSU und Staatsregierung lebten ausweislich der McKinsey-Studie nur noch von der Substanz. Es zeige sich erneut, dass absolute Mehrheit zu „Trägheit und Tatenlosigkeit“ führe. Für die Freien Wähler forderte Fraktionschef Hubert Aiwanger „Weichenstellungen für ein zukunftsfähiges Bayern“. Dabei müssten Stadt und Land gleichermaßen weiterentwickelt werden. Ob McKinsey dafür der richtige Ratgeber sei, stehe für ihn in Frage, so Aiwanger. Das Unternehmen habe mit seiner Expertise in der Vergangenheit schon öfter danebengelegen. Besser sei es, den im Landtag versammelten Sachverstand zu nutzen.

Als „zum Teil völlig überholt“ bezeichnete Erwin Huber die Forderungen von McKinsey. Viele der genannten Empfehlungen seien bereits Politik der Staatsregierung. Er verwies auf den Breitbandausbau oder die Reformen in der Bildungspolitik. Wirtschaftsministerin Ilse Aigner betonte, Bayern und die Staatsregierung hätten die Bereitschaft zur Veränderung schon immer bewiesen. Nur so sei es möglich geworden, vom „Armenhaus in der Bundesrepublik“ zu einem „Spitzenland“ zu werden. Aktuell verwies Aigner auf die laufende Digitalisierungsstrategie, die vielschichtige Förderung von Unternehmensgründungen und die verstärkte internationale Ausrichtung des Freistaats. Einige der von McKinsey aufgeführten Vergleiche würden zudem das wahre Bild verzerren. (Jürgen Umlauft)

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Kommentare (1)

  1. Klaus am 21.04.2015
    Des is halt so in ner Parteiendiktatur!

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