Leben in Bayern

Janett Louis (von links), Sonja Martin und Norma Fleiß beim Internationalen Festival der Polizeipuppenbühnen in Nürnberg. (Foto: Daniel Karmann/dpa)

14.05.2018

Polizei lässt die Puppen tanzen

Mit den "Ampelindianern" über die Straße: Polizeipuppenbühnen sind in der Verkehrserziehung von Kleinkindern kaum wegzudenken. Doch die Puppenspieler brauchen nicht nur Schauspieltalen

Ganz klar, "normale" Polizeiarbeit sieht anders aus: Polizeihauptkommissarin Janett Louis steht hinter einer großen Kürbiswand und hält eine überdimensionale grüne Raupe in die Luft. Für ihr Publikum - etwa 50 Vorschulkinder - ist die Polizeipuppenspielerin natürlich nicht zu sehen. Stattdessen redet da Silly, die fleißige Raupe, und erklärt den Fünf- und Sechsjährigen an diesem Montagmorgen die wichtigsten Verkehrsregeln.

Louis alias Silly gehört seit 2016 zur Düsseldorfer Polizeipuppenbühne. Das Ensemble ist mit seinem aktuellen Stück "Aufregung bei den Ampelindianern" bis Freitag Teil des 10. Internationalen Festivals der Polizeipuppenbühnen in Nürnberg. Knapp eine Stunde lang lassen Louis und ihre zwei Kolleginnen in einer Kindertagesstätte für ihr junges Publikum die Puppen tanzen.

Wichtige Botschaft dabei: "Am Bordstein ist Halt, damit es nicht knallt." Eine Formel, die offensichtlich auch Spaß macht. Im Chor wiederholen die Buben und Mädchen immer wieder lautstark diese Verkehrsregel und klatschen dabei.

Ein jamaikanischer Häuptling, der den Straßenverkehr nicht kennt

"Spaß", ein wichtiges Kriterium für eine erfolgreiche Aufführung, sagt Louis wenige Minuten, bevor sie in ihre Rolle schlüpft. Und der berühmte rote Faden dürfe natürlich auch nicht fehlen. "Es darf nicht zu kompliziert sein - nur die Basics."

Während auf der Bühne die "Ampelindianer" also ein großes Fest feiern wollen, kündigt sich hoher Besuch aus der Karibik an: Komma, ein jamaikanischer Häuptling, der sich im deutschen Straßenverkehr natürlich nicht besonders gut auskennt. Was falsch und was richtig ist, erklärt aber nicht die Raupe Silly, sondern Moderatorin und Polizeioberkommissarin Sonja Martin vor der Bühne - und animiert zum Mitdenken.

Das Ziel der Verkehrs-Sicherheitsberaterin: Komma und die Kinder sollen sicher über die Straße kommen - die Aufnahme in den Club der "Ampelindianer" wäre damit sicher. "Es ist wichtig, interaktiv zu erklären, also keinen Frontalunterricht zu machen", sagt Louis. Eine wichtige Voraussetzung für den Job sei, sich in die Köpfe der Kinder hineinversetzen zu können.

Wie denkt ein Kind, wie fühlt es?

"Man muss in der Lage sein, wie ein Kind zu denken, wie ein Kind zu fühlen, dass man sie an der richtigen Stelle abholt." Sobald der Vorhang falle, seien die Kinder in einer Fantasiewelt. "Wir leben ja auch von diesen Emotionen", erklärt Louis. Rund 60 Vorstellungen spielt das Düsseldorfer Trio im Jahr und erreicht damit fast 6000 Kinder.

Neben den Düsseldorfern sind bei dem Festival der Polizeipuppenbühnen Puppenspieler aus ganz Deutschland und Luxemburg mit von der Partie. Das Festival wird alle zwei Jahre in und um Nürnberg von einem Förderverein und der Polizei veranstaltet.

Schätzungen zufolge gibt es rund 100 Polizeipuppenbühnen in Deutschland - Tendenz fallend, wie Harald Gläser von der Verkehrspolizei Nürnberg erklärt. Vor allem im Osten müssten sie häufig wegen Einsparungen um ihre Zukunft bangen. Die erste Polizeipuppenbühne sei in Hamburg entstanden. Schon 1948 brachte der hanseatische Verkehrskasper den Kindern das richtige Verhalten im Straßenverkehr bei - und das war eine Pioniertat. (Aleksandra Bakmaz, dpa)

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