Politik

"Bescheinigung über die Meldung als Asylsuchender": Es müssen auch noch viele Anträge aus dem Jahr 2015 abgearbeitet werden. (Foto: dpa)

11.01.2017

280 000 Asylsuchende im Jahr 2016

Der Flüchtlingszuzug nach Deutschland war 2016 weit kleiner als im Vorjahr. Dafür gab es mehr Asylanträge - denn die Verfahren begannen oft erst mit zeitlichem Abstand zur Einreise

Die Zahl der Asylsuchenden ist in Deutschland 2016 drastisch zurückgegangen. Wie das Bundesinnenministerium am Mittwoch in Berlin mitteilte, suchten im vergangenen Jahr noch 280 000 Menschen hierzulande Schutz - damit lag diese Zahl um gut zwei Drittel niedriger als im Rekordjahr 2015 mit 890 000 Asylsuchenden. "Es ist gelungen, das Migrationsgeschehen zu ordnen, zu steuern", sagte Innenminister Thomas de Maizière (CDU).

Die Zahl der Asylanträge stieg 2016 auf 745 545 - das waren 268 869 mehr als im Vorjahr. Ein großer Teil der Antragsteller war bereits 2015 eingereist. Viele von ihnen konnten aber wegen der Überlastung des Bundesamtes für Migration und Flüchtlinge (BAMF) nicht sofort einen Antrag stellen. "Der Berg unerledigter Anträge wird abgetragen", sagte de Maizière nun.

Das BAMF habe im Vorjahr die Zahl seiner Asylentscheidungen erheblich gesteigert, hob der Minister hervor - auf zuletzt gut 695 000, etwa 146 Prozent mehr als 2015. Zudem konnte im vierten Quartal 2016 auch die Zahl der anhängigen Verfahren deutlich von etwa 579 000 (Ende September) auf 434 000 (Ende Dezember), also um 25 Prozent, abgebaut werden, hieß es aus dem Ministerium.

Der Minister betonte, "dass die Maßnahmen, die die Bundesregierung und die Europäische Union ergriffen haben, greifen". Nach den ersten drei Monaten des vergangenen Jahres seien das EU-Türkei-Abkommen gekommen und die Balkanroute geschlossen worden.

Die größte Gruppe der Schutzsuchenden stellen Syrer

Der bisherige BAMF-Chef Frank-Jürgen Weise sagte, für Asylbewerber in Deutschland seien die Bedingungen erheblich verbessert, die Wartezeiten wesentlich verkürzt und die Übergänge in den Arbeitsmarkt wesentlich beschleunigt worden. Früher habe es drei Monate und länger gedauert, bis ein Asylbewerber seinen Antrag gestellt hatte, jetzt dauere das in der Regel nur einen halben Monat.

Auch die Bearbeitungsdauer sei verringert worden, auf zwei Monate im Schnitt. Entsprechende Kritik an den Asylverfahren sei "erledigt", so de Maizière. Alle Flüchtlinge seien inzwischen registriert, Doppelidentitäten gebe es nicht mehr, erklärte Weise. Der Schutz vor Asylbetrug sei "wesentlich verbessert" worden.

Die Schutzquote lag im Vorjahr nach Angaben de Maizières bei 62 Prozent. Die größte Gruppe unter den Schutzsuchenden stellen derzeit die Syrer (36 Prozent), in deren Heimatland ein Krieg tobt, dessen Ende noch nicht absehbar ist. Zu den Hauptherkunftsländern zählten 2016 außerdem Afghanistan (17 Prozent) und der Irak (13 Prozent).

Das Thema der Integration dieser Menschen "wird uns über viele Jahre beschäftigen - alle staatlichen Ebenen", fügte der Minister hinzu. Bei Integrationskursen gebe es aber schon einen "gewaltigen Aufwuchs".

Nach dem offiziellen Verteilschlüssel stellten mit rund 197 000 Asylbewerbern die meisten ihren Antrag in Nordrhein-Westfalen, es folgten Baden-Württemberg mit etwa 85 000, Niedersachsen mit 83 000 und Bayern mit 82 000.

De Maizière verwies darauf, dass auch die Rückkehrerzahlen aus Deutschland in die Herkunftsländer 2016 gestiegen seien, es gab etwa 55 000 Freiwillige (2014: 13 000; 2015: 25 000) und 25 000 Abschiebungen. Das sei "sehr viel - viel mehr als je zuvor", es müssten aber noch mehr werden. (dpa)

Anmerkung der Redaktion: Der Artikel wurde aktualisiert

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