Politik

Bier aus Bayern steht auch in Russland hoch im Kurs - der Import wurde jetzt aber verboten. (Foto: dpa)

14.08.2014

Auf Umwegen zu Milch und Bier

Putins Importverbote treffen auch Bayerns Wirtschaft – im Agrarbereich waren vor allem Bier, Backwaren und Hopfen gefragt

Bayerisches Bier, Wurst und Käse: Schmankerl aus dem Freistaat stehen auch in Russland hoch im Kurs. Für Bayerns Ernährungswirtschaft war Russland mal einer der vielversprechendsten Absatzmärkte. War. Denn kürzlich hat Moskau einen Importstopp für Nahrungsmittel aus Ländern verhängt, die ihrerseits im Ukraine-Konflikt Sanktionen gegen Russland angeordnet haben. Offiziell begründet werden Putins Einfuhrverbote übrigens mit Verbraucherschutz.
Wie Bayerns Landwirtschaftsministerium mitteilt, drosselt Russland seine Einfuhren bayerischer Lebensmittel aber bereits seit vergangenem Jahr. Wurden im Jahr 2012 noch bayerische Nahrungsmittel im Wert von 200 Millionen Euro nach Russland exportiert, so belief sich der bayerische Agrarexport vergangenes Jahr nur noch auf 143 Millionen Euro.

Westliche Produkte sind den meisten Russen eh zu teuer

Das Minus betraf vor allem Milch und Milchprodukte, Käse, Fleisch und Wurst. Denn schon im Februar 2013 ordnete Moskau Einfuhrverbote für bayerische Güter an; auch Niedersachsen und Nordrhein-Westfalen waren betroffen, außerdem alle neuen Bundesländer. Der Bauernverband argwöhnte, dass es Russland vor allem um Protektionismus ging – also darum, den eigenen Markt abzuschotten. Allerdings können sich viele Russen westliche Produkte ohnehin nicht leisten, sie sind deutlich teurer.


Die aktuellen Einfuhrstopps werden die Situation für Bayerns Produzenten jedenfalls verschärfen. Derzeit gehören Bier, Backwaren und Hopfen zu den wichtigsten Agrar-Exportprodukten des Freistaats. Landwirtschaftsminister Helmut Brunner hofft, „dass Bayern mit einem blauen Auge davonkommen wird“. Die Einfuhrbeschränkungen müssten nämlich nicht dazu führen, dass die Produzenten auf ihren Waren sitzen bleiben – sie könnten ihre Produkte ja auch anderweitig verkaufen. Ob es Absatzprobleme gebe, „wird hauptsächlich davon abhängen, wie schnell und effizient Handelsströme verlagert und neue Absatzmärkte erschlossen werden können“, sagt Brunner der Staatszeitung. Wie das gehen könnte, illustriert der Bayerische Bauernverband (BBV) am Beispiel Milchprodukte: Russland, sagt BBV-Sprecherin Brigitte Scholz, könne Milchprodukte auch aus China importieren, das seinen eigenen Bedarf dann wiederum mit bayerischer Milch decke.
Größere Sorgen macht sich Bertram Brossardt, Hauptgeschäftsführer der Vereinigung der Bayerischen Wirtschaft. „Das Einfuhrverbot von bestimmten West-Produkten aus dem Lebensmittelbereich ist ein Eingriff in den marktwirtschaftlichen Kreislauf und beeinträchtigt den Handel Bayerns mit Russland zusätzlich“, sagt er. Die Russland-Krise habe sich in den letzten Monaten auf die Exporte bereits negativ ausgewirkt – insbesondere für die Automobilindustrie, den Maschinenbau und die Elektroindustrie. Brossardt betont: „Wir erwarten jetzt auch negative Auswirkungen für Lebensmittelerzeuger  Bayerns.“
Einen Notfallfonds für bayerische Bauern, die auf ihren für Russland gedachten Waren sitzen bleiben, gibt es laut Landwirtschaftsministerium aber nicht. (Angelika Kahl, Waltraud Taschner)

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