Politik

Zum Glück nur eine Übung: Eine Patientin wird mit dem Spezial-Rettungswagen der Münchner Feuerwehr ins Krankenhaus Schwabing gebracht. (Foto: Feuerwehr )

14.08.2014

Bayern ist gerüstet

Noch gab es im Freistaat keinen Ebola-Verdacht – doch die Notfallpläne liegen bereit

Die Münchnerin fühlt sich schon vor dem Abflug aus Afrika unwohl. Im Flugzeug bekommt sie Schüttelfrost und muss erbrechen. Die Stewardess wischt ihr Blutspuren vom Mund und informiert den Piloten. Am Münchner Flughafen löst ein Arzt vom Medizinischen Dienst die Alarmierungskette aus – sein Verdacht: Die Frau könnte mit Ebola infiziert sein. Der Anruf geht ins Krankenhaus München-Schwabing. Es ist eines von bundesweit sieben Häusern mit einer Sonderisolierstation. Und das einzige in Bayern.
In diesem Fall ist das Katastrophenszenario glücklicherweise nur eine Übung. Im vergangenen Herbst testeten das zuständige Gesundheitsamt am Landratsamt Erding, das Klinikum München-Schwabing und die Berufsfeuerwehr München das bayerische Einsatzkonzept auf seine Praxistauglichkeit. Dass die in Westafrika grassierende Ebola-Seuche – dort ist die Zahl der Toten auf mehr als 1000 gestiegen – nach Bayern kommt, halten Experten zwar für sehr unwahrscheinlich. Doch dass einzelne Patienten in München landen könnten, ist ein denkbarer Fall. Etliche Deutsche sind in Westafrika im Einsatz. Im Auftrag des Entwicklungsministeriums befinden sich fünf Mitarbeiter/-innen in den betroffenen Ländern. Dazu kommen 14 deutsche Einsatzkräfte von humanitären Organisationen für die Deutsche Gesellschaft für Internationale Zusammenarbeit  – alle Familienangehörigen sind bereits in die Heimat zurückgekehrt. Für die Hilfsorganisation Ärzte ohne Grenzen sind rund 70 internationale Mitarbeiter in  Sierra Leone, Guinea und Liberia im Einsatz – darunter fünf Helfer aus Deutschland.  Eine Krankenschwester aus Würzburg koordiniert laut der Ärzte Zeitung die Einsätze.

Im Schwabinger Krankenhaus befindet sich Bayerns einzige Sonderisolierstation

Tobias Erb, Sachgebietsleiter Einsatzkonzepte bei der Feuerwehr München, begleitete bei der Großübung am Münchner Flughafen den Patiententransport. Er erklärt der Staatszeitung: „Wir haben für solche hochkontagiösen, also hochansteckenden und lebensbedrohlichen Krankheiten einen Spezial-Rettungswagen.“ Fordert das Krankenhaus Schwabing einen sogenannten HOKO-Transport an, führt der erste Weg der Feuerwehr zur Klinik. Dort werden Spezialausrüstung, ein Arzt und eine Intensivschwester aufgenommen, dann geht es an den Einsatzort. „Der kann an der Grenze zu Thüringen liegen, aber auch im nördlichen Österreich.“
Einige Male ist der HOKO-Konvoi bereits ausgerückt – insgesamt sechs Spezial-Feuerwehrfahrzeuge und zwei Polizeiautos. Jeden Zwischenfall müssen die Einsatzkräfte autark lösen können. „Bei einer Reifenpanne können sie schließlich nicht einfach den nächsten Parkplatz ansteuern“, erklärt Erb. Bislang aber hat sich zum Glück jeder Verdachtsfall als harmlos erwiesen.
Einen Verdachtsfall auf Ebola gab es in Bayern noch nicht. Aus den bisher betroffenen Ebola-Epidemiegebieten gibt es auch keine Passagier-Direktflüge nach München. Da der Virus nicht über die Luft übertragen wird, sondern durch Kontakt mit Körperflüssigkeiten, sei es darüber hinaus unwahrscheinlich, dass Reisende den Virus nach Europa bringen, heißt es bei den Ärzten ohne Grenzen. Auch das Risiko für Ärzte und Helfer sei bei der Beachtung notwendiger Schutzmaßnahmen gering. Völlig auszuschließen ist eine Ansteckung jedoch nicht. In Rumänien ist ein Mann mit Ebola-Verdacht unter Quarantäne gestellt worden. In Spanien starb bereits ein in Afrika mit dem Ebola-Virus infizierter Priester. In der Mehrzahl der Fälle verläuft Ebola tödlich. Bislang gibt es keine zugelassenen Impfstoffe und Therapien. Das Auswärtige Amt hat in der vergangenen Woche den Krisenstab einberufen, teilt eine Sprecherin der BSZ auf Anfrage mit.

Huml plant Task Force am Münchener Flughafen

Clemens Wendtner, Chefarzt am Klinikum Schwabing und dort auch für die Isolierstation zuständig, betonte in der FAZ: „Für Deutschland ist Ebola keine Bedrohung.“ Die Station in Schwabing wird selten gebraucht. Zuletzt wurde dort im März – abgeriegelt durch mehrere Schleusen – ein Araber behandelt, der sich mit einem Corona-Virus infiziert hatte. Vor zwei Jahren gab es einen Verdachtsfall auf Lassa-Fieber, der sich nicht bestätigte. Im Normalfall ist die Schwabinger Isolierstation eine Geisterstation. Im Ernstfall kann die Station binnen vier Stunden hochgefahren werden.
Seuchenschutz ist Ländersache. Bei einem Verdachtsfall wird umgehend das bayerische Gesundheitsministerium, die zuständige Bezirksregierung und das Landesamt für Gesundheit und Lebensmittelsicherheit informiert. Bei einem echten Ebola-Verdachtsfall im Freistaat würde das Gesundheitsministerium zudem die Medien informieren. Doch auch eine Ministeriumssprecherin betont: „Derzeit gibt es keine Hinweise auf eine direkte Gefahr durch die Ebola-Epidemie auf dem afrikanischen Kontinent.“
„Bayern hat ein funktionierendes Infektionsschutzsystem“, sagt Gesundheitsministerin Melanie Huml der Staatszeitung. Allerdings betont sie auch: „Es muss noch weiter ausgebaut und verstärkt werden.“ Der Ministerrat will nach der Sommerpause die Einrichtung einer Task-Force am Münchner Flughafen beschließen. Vorgesehen ist eine mobile infektiologische Einheit mit ständiger Dienstbereitschaft. Darüber hinaus soll die Task Force bayernweit die Gesundheitsämter bei Ausbruchsgeschehen mit Infektionserregern personell und fachlich unterstützen.
Erb von der Feuerwehr München prophezeit, dass die Notwendigkeit von Einsätzen zunehmen könnte. Schuld sei auch der Klimawandel. „Kommen heute Mücken nach Bayern, die etwa den Erreger des Lassa-Fiebers in sich tragen –  dazu reicht schon eine kleine Pfütze in importierten Autoreifen – , können diese bei höheren Temperaturen auch in unseren Gefilden überleben.“ (Angelika Kahl)

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