Politik

Alexander Dobrindt, Joachim Herrmann oder Horst Seehofer: Wer wird die Kandidatenliste anführen? (Foto: dpa)

20.04.2017

CSU sucht ihren Spitzenkandidaten

Sollte Horst Seehofer wie erwartet als Ministerpräsident und CSU-Chef weitermachen, stellt sich noch die Frage nach dem Spitzenkandidaten für die Bundestagswahl. Und da wird vor allem ein Name genannt

Schweigen, das kann der bayerische Innenminister Joachim Herrmann. Alles Fragen bringt nichts, ob ganz direkt oder verklausuliert. Will er CSU-Spitzenkandidat für die Bundestagswahl werden? Will er mit dem Amt des Bundesinnenministers seine politische Karriere krönen? Herrmann schaut den Fragesteller in solchen Momenten dann nur ganz ruhig an, manchmal grinst er ein wenig. Und schweigt.

Am kommenden Montag (24. April) aber werden die Fragen nach Herrmanns Zukunft beantwortet werden - auch wenn sich dann alle Augen vorrangig auf einen anderen richten: Bayerns Ministerpräsident und CSU-Chef Horst Seehofer will verkünden, ob er in diesem Herbst noch einmal als Parteichef und 2018 nochmals als Ministerpräsident antreten will. Ernsthafte Zweifel, dass es so kommt, hatte intern zuletzt keiner.

Damit zusammen hängt aber auch die Frage, wer Spitzenkandidat der CSU für die Bundestagswahl wird. Und da gibt es wohl drei Möglichkeiten.

1. Möglichkeit: Seehofer macht selbst den Spitzenkandidaten

Erste Möglichkeit: Seehofer macht auch den Spitzenkandidaten. Aber nur auf dem Papier - denn ein tatsächlicher Wechsel des 67-Jährigen nach Berlin ist quasi ausgeschlossen. Für diese Variante spricht aus Sicht einiger CSU-ler, dass Seehofer der mit Abstand prominenteste CSU-Mann ist, und der größte Allrounder, der größte Generalist, den die CSU zu bieten hat. Damit könne er am meisten Stimmen für die CSU holen - und gleichzeitig ein Gegengewicht zu Kanzlerin Angela Merkel bilden. Gegen diese Variante spricht, dass es schwer zu vermitteln ist, dass Seehofer kandidieren, aber nicht nach Berlin wechseln will.

2. Möglichkeit: Dobrindt bekommt den Spitzenplatz

Zweite Möglichkeit: Bundesverkehrsminister Alexander Dobrindt bekommt den Spitzenplatz. Er könnte nach der Bundestagswahl den Vorsitz der Landesgruppe übernehmen - da läge auch die Spitzenkandidatur nahe.

3. Möglichkeit: Innenminister Joachim Herrmann macht's

Dritte und in den Augen vieler CSU-Spitzenpolitiker wahrscheinlichste Möglichkeit: Herrmann macht's. Dafür spricht, dass Herrmann wie kein anderer das Thema Innere Sicherheit besetzen könnte - und das gilt in Zeiten ständiger Terrorgefahr eben als Schlüssel-Wahlkampfthema.

Seit Monaten schon wird in der CSU aufmerksam registriert, wie oft Seehofer seinen Innenminister lobt. Selbstredend würde er ihn auch für den am besten geeigneten nächsten Bundesinnenminister halten.
Seehofer schätzt Herrmann dafür, dass er normalerweise ohne Aufregung seine Arbeit macht. "Balu, der Bär" - diesen Spitznamen hat Herrmann in der CSU schon seit Jahren weg, ob seines fast gemütlich wirkenden Auftretens. Der 60-Jährige kann aber auch anders: aufbrausender und erregter. Das wird nicht nur CSU-intern kolportiert. Zu beobachten ist dies auch in Landtagsdebatten, wenn Herrmann sich provoziert fühlt. Dann wird der sonst so ruhige Minister auch mal etwas lauter.

Inhaltlich verfolgt Herrmann den bekannten, harten CSU-Kurs, etwa in der Flüchtlingspolitik: Obergrenze, Grenzkontrollen, Abschiebungen. Er macht dies allerdings nicht in Lautsprecher-Manier wie manch andere. Und er suggeriert auch nicht, dass eine schärfere Sicherheitspolitik für hundertprozentige Sicherheit sorgen könne: Man werde Anschläge auch in Zukunft nie restlos ausschließen können.

Sollte die Union im Herbst weiterregieren können und der CSU das Bundesinnenministerium zufallen, könnte es also sein, dass Herrmann der starke Mann der CSU in Berlin wird. 2011, nach dem Rücktritt von Bundesverteidigungsminister Karl-Theodor zu Guttenberg, hatte er einen Wechsel noch aus familiären Gründen abgelehnt. Jetzt wäre er vermutlich durchaus bereit, mutmaßten zuletzt viele in der CSU.

Doch dass Herrmann - früher auch einer der Kronprinzen für das Ministerpräsidenten-Amt - dann auch gleich neuer Parteichef werden könnte, wie vor einigen Monaten spekuliert worden war, das glaubt derzeit keiner mehr. Parteichef dürfte vermutlich Seehofer bleiben. (Christoph Trost, dpa)

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