Politik

03.01.2014

Den Wohnungsbau ankurbeln

Ein Kommentar von Ralph Schweinfurth

Der Wohnungsmangel in Ballungszentren ist seit Jahren Thema. Doch jetzt erst nimmt die Politik das Problem so richtig ernst. So auch Bayerns Innenminister Joachim Herrmann. Er will 2014 zum Jahr des Wohnungsbaus in Bayern machen. Das hätte man bereits vor fünf Jahren tun sollen. Denn so lange dauert es ungefähr, um inklusive Planung und Genehmigung entsprechend viele neue Wohnungen zu schaffen.
Es ist ja schön, dass der Freistaat mit insgesamt 287,5 Millionen Euro aus der staatlichen Wohnraumförderung den Bau von rund 6000 neue Wohnungen anschieben will. Allerdings dürfte diese Zahl angesichts des hohen Zuzugs in die bayerischen Ballungszentren bei Weitem nicht ausreichen. Das kann nur ein Symbol sein. Und ein Signal dafür setzen, dass auch andere Investoren Geld in den Wohnungsbau lenken.

Das bringt echt was: Werkswohnungen bauen


Zum Beispiel solche aus dem öffentlichen Bereich: So wollen die Stadtwerke München bis 2021 etwa 500 neue Werkswohnungen bauen. Das macht das Kommunalunternehmen nicht aus Altruismus, sondern aus vitalem Eigeninteresse. Schließlich tun sich die Stadtwerke jetzt schon schwer, neue Mitarbeiter zu finden. Denn mit den niedrigen Gehältern als Busfahrer oder Müllwerker können sie sich im teuren München keine Wohnung leisten.

Aber auch die Privatwirtschaft investiert in Werkswohnungen. So will Volkswagen bis 2020 am Stammsitz in Wolfsburg 500 Wohnungen bauen. Von diesem Vorbild könnten sich die Münchner Konzerne BMW, MAN und Siemens eine Scheibe abschneiden. Schließlich ließen sie Münchens Oberbürgermeister Christian Ude vor zwei Jahren, als er just an diese Unternehmen appellierte, günstige Werkswohnungen zu bauen, schnöde abblitzen. Mit dem Argument „Das ist nicht unsere Kernkompetenz“ haben deutsche Konzerne in den letzten 15 Jahren mehr als 400 000 Werkswohnungen verkauft. Und zwar deshalb, weil sie angesichts der damals günstigen Mieten keinen Gewinn brachten – heute wäre das anders.

Ebenfalls anders sähe die Lage auf dem Wohnungsmarkt auch aus, wenn sich die Bundespolitik endlich zur Wiedereinführung der degressiven Abschreibung durchringen könnte. Dann wären Investitionen in Immobilien wieder attraktiver. Davon hätten alle etwas.


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