Politik

23.07.2010

Der Bildungsglaubenskrieg

Kommentar

Die Hamburger haben entschieden: Sie wollen keine sechsjährige gemeinsame Schulzeit, wie sie die Koalition aus CDU und Grünen zu dekretieren suchte. Unabhängig vom Ergebnis sollte die Sache ganz Bildungsdeutschland zu denken geben: Hier wurde viel Energie verpulvert in der Debatte um eine Strukturreform, deren Sinn keineswegs erwiesen ist. Energie, die an anderer Stelle dringender gebraucht würde. Es ist ja nicht so, dass es am Schulsystem nichts zu verbessern gäbe.
Doch wie überall reagierten auch die Parteien in Bayern reflexhaft auf das Hamburger Ergebnis: Das bürgerliche Lager fühlt sich bestätigt, SPD und Grüne warnen, die Abstimmung zu verallgemeinern. Unter Hinweis auf die Pisa-Studie verbinden sie mit der „längeren gemeinsamen Schulzeit“ die Hoffnung, dass starke und schwache Schüler von der sechsjährigen Primarschule profitieren.
Handfeste Beweise für diesen Zusammenhang gibt es nicht. Vielmehr muss die Frage erlaubt sein, warum die Schulsysteme in Belgien und den Niederlanden trotz sechsjähriger Grundschulzeit als noch ungerechter gelten als das deutsche. Und warum unter Berliner Schülern, wo die meisten Kinder auch sechs Jahre gemeinsam die Schulbank drücken, die soziale Herkunft immer noch so stark mit der schulischen Leistung korreliert.
Es gibt Themen, über die leichter ein Konsens zu erzielen ist. Wissenschaftlich belegt ist die Bedeutung der frühkindlichen Bildung. Deren Qualität zu verbessern, ist dringend nötig. Und nach dem Schuleintritt geht es vor allem darum, jeden nach seiner Begabung zu fördern. An welcher Schulform das geschieht, ob ab Klasse vier getrennt oder bis Klasse sechs gemeinsam, ist sekundär, so lange genug qualifiziertes Personal zur Verfügung steht. Es braucht mehr Lehrer und mehr Sozialpädagogen. Eine weitere Flexibilisierung des Schulsystems, wie sie in Bayern mit der flexiblen Grundschule und der Einführung der Gelenkklassen angedacht ist, würde Bewegung ins System bringen und Druck von Eltern und Kindern nehmen. Deshalb: Schluss mit dem ideologischen Glaubenskrieg – im Interesse unserer Kinder. (Anke Sauter)

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