Politik

Bau einer Gleichstromtrasse. (Foto: dpa)

24.07.2014

"Die Gleichstromtrasse ist notwendig"

Während sich die Staatsregierung um klare Aussagen drückt, spricht sich der Regierungschef von Sachsen-Anhalt für eine Gleichstromtrasse durch Bayern aus

Nach monatelangem Hickhack wird immer wahrscheinlicher, dass die umstrittene Gleichstromtrasse quer durch Bayern kommt, aber anders verlaufen wird als geplant. "Unbestritten ist, und das wird von keinem bestritten, dass es einer Stromtrasse bedarf", sagte Sachsen-Anhalts Ministerpräsident Reiner Haseloff (CDU) am Donnerstag in München. Er hatte am Mittwoch seinen bayerischen Amtskollegen Horst Seehofer (CSU) getroffen. Dieser hat sich öffentlich bisher nicht zur Notwendigkeit der Trasse bekannt - anders als vor kurzem seine Wirtschaftsministerin Ilse Aigner (CSU).

Haseloff betonte, er spreche nicht für die bayerische Staatsregierung und wolle auch nicht aus dem internen Treffen mit Seehofer berichten. Zudem verwies er auf laufende Neuberechnungen der Bundesnetzagentur. Es gebe aber eine "klare Tendenz", dass die Trasse nicht wie zunächst geplant in Bad Lauchstädt im Süden Sachsen-Anhalts beginnen soll, sondern deutlich weiter nördlich: im Norden des Landes, im Nordwesten Brandenburgs oder in Mecklenburg-Vorpommern. Dort könne dann der in diesen Regionen produzierte Windstrom eingesammelt werden. "Wo sich der Sammelpunkt am Ende befindet, ist eigentlich egal", erklärte er.

Damit wären auch bayerische Befürchtungen entkräftet, die Leitung könnte vor allem zum Transport von Strom aus Braunkohle gedacht sein. Haseloff sagte hierzu: "Wir brauchen unseren Kohlestrom alleine."

Als möglichen Endpunkt der Trasse nannte Haseloff einen der aktuellen Atomkraftwerk-Standorte in Bayern. "Das ist eigentlich eine logische Geschichte", sagte er. Infrage käme damit vor allem Gundremmingen oder gegebenenfalls auch das Atomkraftwerk Isar bei Landshut. Nach bisheriger Planung soll die Trasse in Meitingen bei Augsburg, rund 40 Kilometer östlich von Gundremmingen, enden. Dort verläuft eine der bestehenden Höchstspannungstrassen, in die der Strom eingespeist werden könnte.

Medienberichte, wonach überlegt werde, die Trasse in Landshut und nicht wie bisher geplant in Schwaben enden zu lassen, hatte Seehofer vor einigen Wochen zurückgewiesen. Davon sei ihm nichts bekannt.

Haseloff äußerte sich auch zu möglichen Änderungen am Verlauf der Leitung. Er machte deutlich, dass diese wo immer möglich an Autobahnen oder anderen solchen Trassen verlaufen solle. An "neuralgischen Punkten" könne es auch eine Erdverkabelung geben. Als Beispiel für Bayern nannte er das Gebiet um Bayreuth. "Ohne die Menschen werden wir die Energiewende nicht hinbekommen", betonte er.

Auch Bayerns Wirtschaftsministerin Aigner hatte vor kurzem noch gesagt, an der Notwendigkeit der umstrittenen Gleichstromtrasse bestehe kein Zweifel mehr. Seehofer hatte sie aber daraufhin eingebremst und versucht, die Diskussion zu beenden. Er sei sehr entschlossen, nicht mehr über Zwischenstände der laufenden Gespräche zu reden - "weil die immer eher die Lösung gefährden als ermöglichen", sagte er vor kurzem nach einer CSU-Vorstandssitzung.

Die Staatskanzlei und das Wirtschaftsministerium wollten sich am Donnerstag nicht äußern und verwiesen auf die laufenden Gespräche. Aigner will im Herbst ein neues Energiekonzept für Bayern vorlegen. (dpa)

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Kommentare (1)

  1. Recherche am 28.07.2014
    Nachdem was die bayrischen Politiker uns ständig erzählen ist ihnen anscheinend die nachfolgende Info nicht bekannt. Es ist aber überall in den Flyern der Netzbetreiber zu lesen.
    Bei den HGÜ´s handelt es sich um den Ausbau des europäischen Stromnetzes, die Netze dienen dem europäischen Stromhandel. Der europäische Strommarkt ist schon seit Langem liberalisiert, d. h. in den Leitungen wird der am günstigsten angebotene Strom fließen, das kann auch Atomstrom sein. So ist in Kaliningrad ein neues AKW geplant, eigentlich sollte der erste Block 2016 und der 2.Block 2018 in Betrieb gehen. Der russische Stromhändler rechnet fest damit, wenn er den Strom sehr günstig anbietet, ihn dann in die teureren Leitungen einspeisen zu können. Eingespeist wird nach den sogenannten Merit Order Effekt.
    Bei den HGÜ´s gibt es nur einen Anfang und einen Endpunkt, zwischendrin kann kein Strom eingespeist werden, sonst verlieren die Leitungen ihren Zweck verlustarm zu transportieren. Nun soll die Leitung bis zur Ostsee gehen um dort nur das bisschen Windstrom einzuspeisen? Es kamen ja die Meldungen: Weg vom Off Shore, wegen den hohen zusätzlichen Kosten, hin zum On Shore. Wenn nun kein weiterer Strom eingespeist wird, sind ja diese überdimensionierten Leitungen fast leer und deshalb soll der deutsche Stromkunde so hohe Netzkosten aufgehalst bekommen? Außerdem werden Strom aus Windkraftwerken und Photovoltaikkraftwerken auf der Netzebene Mittelspannung bei 1-50kV eingespeist, was soll das dann mit den 380kV Gleichstromleitungen. Hier hat das Volk Erklärungsbedarf, was darin fließen soll.
    Windstrom steht unregelmäßig zur Verfügung, da es kein Regelwerk gibt, d. h. von der Bundesnetzagentur keines eingeplant wurde, dient er nur als Zugabe zur Grundlast die durch die konventionellen Kraftwerke gedeckt wird. Wenn nun aber, so wie berichtet wird künftig auf den Ausbau der On Shor Windenergie gesetzt wird und nicht auf die Off shor, dann hätte ich dazu einen Vorschlag: Eigentlich bleibt gar nichts anderes übrig, als dass auch in Oberbayern Windräder aufgestellt werden. Die Windstudie von „100% erneuerbar Siftung“ sagt: dass es in den Alpen Gebiete gibt, wo teilweise Wind fast wie an der Nordsee weht, aus den Tabellen ist ersichtlich, dass dieses Gebiet für Erzeugung von Windstrom besser geeignet ist, als Nordbayern, noch dazu bläst der Wind entgegengesetzt zu dem Wind an der Küste, dadurch ergibt sich ein netzstabilisierender Effekt. Zu dieser Windenergie kann die Bayerische Regierung das schon oft angesprochene Gaswerk bauen und dann das Gesamtprodukt Wind und Gas, an der Börse vermarkten. Oder noch besser ein virtuelles Kraftwerk bilden, mit allen Erneuerbaren in Bayern und zusätzlich dem Gaskraftwerk, als Regler. Nach dem Merit Order Effekt haben Gaskraftwerke keine Chance an der Strombörse oft geordert zu werden, da sie vom Preis des Braunkohlestroms verdrängt werden, weil ihr Strom viel zu teuer ist. Aber mit dem billigen Strom aus den unregelmäßig vorhandenen Erneuerbaren Energien und dem teuren Strom aus dem schnell regelnden Gaswerk ergibt sich ein Mix, ein sogenanntes virtuelles Kraftwerk, das dürfte an der Strom-Börse eine Chance haben, gehandelt zu werden. Dieser Strommix kann ja so gesteuert werden, das er regelmäßig fließt und somit Grundlastdeckend ist und dadurch dann keine Leitungen mehr verstopft werden, weil die Lastspitzen gebildet durch unregelmäßige Einspeisung nun nicht mehr vorhanden sind. Schon dieTransportverluste die gespart werden, wenn vor Ort produziert wird, zahlen sich bei der Sache aus. Unsere Energieministerin Frau Aigner ist doch eine Elektrotechnikerin, die bekommt die Rechnung schon hin, wie wir das künftig machen.
    Bestehen sie in Berlin weiterhin auf die HGÜ´s für den europäischen Stromhandel, dazu kann ich nur sagen, wenn Europa schon seit Jahren drängt, dass solche Leitungen gebaut werden, dann gehören sie auch europaweit aufgeteilt. z. B. eine HGÜ von der Ostsee über Polen durchgehend bis Griechenland ergibt eine Gerade, wie schon gesagt, die Leitung hat nur einen Anfangspunkt, da ist dann auch eine günstige Verbindung für die baltischen Staaten und Finnland hier ebenfalls einzuspeisen, auch Deutschland kann in die Leitung einspeisen. Eben europäisch die Sache handhaben. Die Verantwortung was in den Leitungen fließt liegt dann beim europäischen Parlament und unser Wirtschaftsminister muss das Volk nicht belügen wenn es Atomstrom ist, der da u. a. fließt, er kann dann offen und ehrlich begründen warum etwas ist wie es ist. Warum sollen nur in Deutschland diese Trassen gebaut werden???? Solange durch die Politiker nicht die Wahrheit gesprochen wird, wird das Chaos immer schlimmer und was dann kommt, wie sich das dann politisch auswirkt macht sich da die Politik Gedanken darüber? Können die Politiker das dann verantworten?
    Welcher Widerspruch Grafenrheinfeld soll 2015 geschlossen werden und die Leitungen die angeblich wegen der Schließung Grafenrheinfeld gebaut werden, stehen erst 2022 zur Verfügung!!!
    Es ist wirklich seltsam, dass sich die deutsche Regierung die dümmsten Bürger der Welt wünscht aber mit einem IQ am besten von 228.
    Schaut man auf die Nachbarländer niemand macht so eine Planung und macht aus der eigenen Bevölkerung Versuchskaninchen.
    Tennet der niederländische Netzbetreiber baut keine HGÜ´s in den Niederlanden, aber damit der Strombedarf in den Niederlanden gesichert ist, denn die Niederlande decken mit ihrer Stromerzeugung nicht ihren Stromverbrauch, sie sind ein sogenanntes Nehmerland auf dem europäischen Strommarkt. Also dafür, dass der Strombedarf im eigenen Land gedeckt ist, bauen sie im Nachbarland die Monstertrassen.
    Es wäre genau so möglich eine Leitung von der Nordsee weiter der Küste entlang bis nach Gibraltar zu bauen, das wäre dann eine echte europäische Leitung, es müsste zusätzlich kein Wald gerodet werden, da an der Küste kein Wald steht.
    Der große CO2 Speicher (Waldanteil), der in Deutschland durch diese Trassen verschwindet bliebe als Lunge Europas weiterhin erhalten. Da die europäische Politik ständig ihre Klimaziele, die sie sich gesetzt hat hinausposaunt um sie dann doch nicht einzuhalten, wäre das doch ein guter Vorschlag, denn es sind Leitungen die die EU-Politik fordert und fördern will, sämtliche EU Staaten wollen von den Leitungen profitieren, somit sollen sie auch auf die gesamte EU verteilt werden.

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