Politik

25.01.2013

Die Lazarus-Partei

Ein Kommentar von Michael Stiller

Oh Wunder, da ist sie wieder, die Lazarus-Partei: Wie der arme Mann aus dem Evangelium, der vier Tage tot in einer Höhle lag, bis er, vom Herrn erweckt, lebendig hervortrat. Um menschlichen Kleinkram wie Wahlen kümmert sich der Herr nicht, das Lazarus-Wunder der Politik vollbringt der Wähler. Er hat in Niedersachsen die dortige FDP wiederbelebt, auf dass sie weiter mit der CDU regieren könne. Fast hätte die Rochade geklappt.
Die bayerische FDP ist derzeit sterbenskrank wie Lazarus und mit hässlichen Umfragezahlen zwischen drei und fünf gebrandmarkt. Erstaunt und neidvoll schaut sie nach Niedersachsen. Sollte es tatsächlich so sein, dass der Wahlkampf und seine Zensuren gar nicht so entscheidend sind, sondern erst der Rückenwind durch taktisch abstimmende Wähler aus dem CSU-Lager die Liberalen locker über die Fünf-Prozent-Hürde bringt?
Diese Kalkulation hält nicht einmal dem ersten Blick stand. Die Bayern-FDP hat bisher überhaupt nicht deutlich machen können, wozu sie in Bayern noch gebraucht wird. Die CSU ist derzeit bärenstark, kratzt an der absoluten Mehrheit und schnürt dem Regierungspartner die Luft ab. Die Liberalen haben in der Regierung ihre Pflicht getan, aber Pflicht allein genügt in der Politik nicht. Überwältigt von der Berufung an den Kabinettstisch 2008 hat sich die FDP von Anfang an zu sehr an den Koloss CSU geschmiegt, statt neben ihrer sachpolitischen Abteilung ihr eigenes Podest des Freisinns und der Bürgerrechte aufzubauen. So gewinnt man kein Profil.

Auf Seehofer warten mehrere Bräute


Ministerpräsident Horst Seehofer ist der Letzte, der die FDP braucht. Er kann die absolute Mehrheit holen und wenn nicht, warten auf ihn mehrere Bräute. Auch die Freien Wähler, ja sogar eine SPD auf der Flucht aus dem Jammertal der Opposition sind denkbare Partner. Belege zu liefern, dass ohne die FDP das liberale, weltoffene und rechtsstaatliche Bayern geschwächt würde, haben die Liberalen verabsäumt. All das, was die FDP in Bayern darstellt, haben andere Parteien auch.
Den Hebel in den entscheidenden Monaten vor der Landtagswahl noch umzulegen, wird der FDP schwerfallen. Da bedürfte es schon großer Wendigkeit, etwa jener, die eine historische Simplizissimus-Karikatur thematisiert. Da wurde ein Liberaler abgebildet, und darunter stand: „Hier stehe ich. Ich kann auch anders.“

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