Politik

Die Grammatik ist im Chinesischen nicht das Problem – aber die vielen, vielen Schriftzeichen. (Foto: dpa)

31.05.2013

Do you speak Chinese?

Immer mehr bayerische Schüler wollen die schwierige Sprache lernen

Deutsch, Englisch, Mathematik – diese Fächer gibt es seit jeher. Wer es etwas exotischer mag, kann auch Chinesisch lernen. Das Angebot ist bislang nicht riesig, aber es wächst. Die Lehrerausbildung versucht Schritt zu halten.


China – ein fremdes Land, eine fremde Kultur. Doch die politischen und wirtschaftlichen Beziehungen werden immer enger, was auch beim Besuch des neuen Premiers Li Keqiang diese Woche in Berlin deutlich wurde. Ob es der Reiz des Exotischen ist oder die Hoffnung auf bessere Zukunftschancen – jedenfalls lernen immer mehr Schüler in Deutschland Chinesisch. In Bayern wird diese Tendenz von der Staatsregierung unterstützt.

Chinesisch: "Eine spät beginnende Fremdsprache"


Zumindest als Wahlunterricht gibt es Chinesisch schon seit Jahrzehnten. Im Schuljahr 2011/12 lernten an Bayerns Gymnasien 904 Schüler Chinesisch, 704 davon als Wahlfach. Und auch an fünf staatlichen Realschulen gibt es Chinesisch als Wahlunterricht. Die Nachfrage steige stetig, wenn auch von einem sehr niedrigen Grundniveau aus, sagt Ludwig Unger, Sprecher im Kultusministerium. Innerhalb der vergangenen sechs Schuljahre habe sich die Anzahl der Teilnehmer am Wahlunterricht aber immerhin verdreifacht.
Aufgrund der Nachfrage werde der Ausbau intensiv gefördert. So kann Mandarin mittlerweile an acht Gymnasien als „spät beginnende Fremdsprache“ angeboten werden, das heißt: In der zehnten Klasse ersetzt der Schüler eine andere Sprache durch den Chinesischunterricht, er kann sich auch mündlich im Abitur prüfen lassen. Am Münchner St. Anna-Gymnasium wird Chinesisch als dritte Fremdsprache erprobt mit durchgängig vier Unterrichtsstunden pro Woche. Der Modellversuch soll erweisen, ob in der Mittelstufe genügend Kompetenzen vermittelt werden, um das Fach auch in der Qualifikationsphase des Gymnasiums fortsetzen zu können.
Eines der Gymnasien, die Chinesisch als spät beginnende Fremdsprache anbieten, ist das Dante-Gymnasium in München- Sendling. „Nachdem wir Chinesisch schon seit längerem als Wahlfach hatten, wollten wir unseren Schülern die Möglichkeit bieten, eine Sprache abwählen zu können, um sich dem Chinesischen intensiver widmen zu können“, erklärt Bernhard Fanderl, Schulleiter des Dante-Gymnasiums. Gemeinsam mit dem naturwissenschaftlich-technologischen Klenze-Gymnasium (ebenfalls in Sendling) bietet das sprachliche Dante-Gymnasium einen Sammelkurs an. Ein großer Vorteil: Bei einer Mindestteilnehmerzahl von zwölf Schülern erhalten die Schulen die notwendigen Lehrerwochenstunden zusätzlich, ohne ihr Budget zu belasten.
Für Chinesisch sprächen neben sprachlichen und kulturellen auch wirtschaftliche Gründe, meint Fanderl: „Die Beziehungen zu China werden immer intensiver, da wächst der Bedarf an Menschen, die zumindest Grundkenntnisse haben. Das ist eine Riesenchance für die Schüler.“ Da der Unterricht erst von Klasse zehn an möglich ist, sei Chinesisch bislang eher nicht ausschlaggebend bei der Schulwahl. Aber das Interesse bei Infoveranstaltungen wachse stetig. Man dürfe sich die Entscheidung aber nicht leicht machen, meint Fanderl, sei damit doch auch der Abschied von einer anderen Sprache verbunden. Die Motivation, das ungeliebte Latein loszuwerden und es gegen eine Sprache „ohne Grammatik“ einzutauschen, sei jedenfalls fragwürdig. Schließlich liegen die Hürden im Chinesischen in anderen Bereichen, denkt man nur an die Schriftzeichen. Laut Fanderl ist jedoch kein höherer Arbeitseinsatz notwendig als in anderen Fächern.
Doch woher kommen die Lehrer, die für den Chinesischunterricht gebraucht werden? Die Lehrerin, die sich um den Sammelkurs von Dante- und Klenze-Gymnasium kümmert, unterrichtet am Klenze-Gymnasium Deutsch und Französisch und hat Chinesisch als Erweiterungsfach studiert – so wie es zum Beispiel auch für Japanisch, Neugriechisch, Tschechisch und Türkisch möglich ist. Zudem gibt es die Möglichkeit, dass sich Sinologen oder Muttersprachler in der Lehrerakademie in Dillingen das entsprechende didaktisch-pädagogische Rüstzeug holen, um unterrichten zu können. Eine Aufnahme des Faches in den Katalog der zugelassenen Fächerkombinationen ist laut Kultusministerium nicht geplant: „Wir müssen schauen, mit welchen Kombinationen die jungen Leute Chancen auf dem Arbeitsmarkt haben“, erklärt Ludwig Unger die geringeren Möglichkeiten im Vergleich zu anderen Bundesländern. Bislang kann man Chinesisch auf Lehramt nur in Göttingen studieren und vom kommenden Wintersemester an auch in Tübingen.
Das Konfuzius-Institut der Uni Nürnberg-Erlangen jedenfalls blickt mit gewissem Neid nach Göttingen und Tübingen: „Wir erkennen eine große Nachfrage nach Chinesisch an Schulen“, sagt Iris Lutz, Leiterin des Bereichs Sprache und Projekte am Konfuzius-Institut. Eine reguläre Lehramtsausbildung für Chinesisch in Bayern sei „dringend nötig“.
Daneben gibt es natürlich die Möglichkeit der Wahlangebote. Das sei eine schöne Möglichkeit, das Schulprofil zu schärfen, sagt Max Schmidt, Vorsitzender des Bayerischen Philologenverbandes. Allerdings sei das Angebot vielerorts geschrumpft: „Durch die stärkere individuelle Förderung und das achtjährige Gymnasium wird das Stundenkontingent mehr für die Hauptfächer gebraucht.“ Gleichwohl wäre eine Ausweitung des Wahlangebots wünschenswert. (Anke Sauter)

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