Politik

20.07.2012

Eine Frage des Geldes

Ein Kommentar von Alexandra Kournioti

Sollen Hartz-IV-Empfänger zu Erziehern umgeschult werden? Wären ehemalige Schlecker-Angestellte eine Lösung für den Personalmangel in den Kindertagesstätten? Sind die jüngst in Griechenland rekrutierten Betreuerinnen überhaupt in der Lage, den Erziehungsplan deutscher Einrichtungen umzusetzen? Dass derlei Fragen ernsthaft diskutiert werden, offenbart erschreckende Rat- und Tatenlosigkeit. Vor allem aber zeigen sie die Geringschätzung einer ganzen Profession, die der Erzieher und Erzieherinnen.
Während sich etliche Verantwortliche aus Politik und Pädagogik auf Nebenschauplätzen verausgaben, verzweifeln berufstätige Eltern und überlastete Betreuer schon seit Langem. Und auch die Kleinen haben Stress in unterbesetzten Kitas. Im kommenden Jahr, wenn der Rechtsanspruch auf einen Kita-Platz für unter Dreijährige in Kraft treten soll, wird die Nachfrage nach Erziehern ihren Höhepunkt erreichen. Schon jetzt setzen private Initiativen Kopfgeld auf die begehrten Fachkräfte aus.
Solche Aktionen werden indes wenig nutzen, zu viel spricht gegen die Wahl des Erzieherberufs: Ausgerechnet diejenigen, die die Entwicklung der Jüngsten in unserer Gesellschaft begleiten und oft auch bereichern, werden in der Regel schlecht bezahlt. Viele von ihnen leiden unter mangelndem Arbeitsschutz: Beispielsweise sitzen Erzieher/innen oft mangels Erwachsenen-Mobiliar auf Kinderstühlen – Muskelschmerzen und Haltungsschäden sind die Folge. Vor allem weibliche Erzieher müssen häufig ihre Stelle aufgeben, weil sie Familie und Beruf nicht vereinbaren können. Oder weil sich ihre Teilzeitstelle finanziell nicht lohnt.
Während andere gefragte Fachkräfte von Arbeitgebern finanziell umworben werden, ist dies bei Erziehern nicht so. Doch genau das ist der wichtigste Lösungsansatz, der umgehend in die Tat umgesetzt werden muss: ein angemessenes Gehalt. Alles andere ist halbherziges Herumdoktern an einem eindeutigen Symptom.

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