Politik

13.06.2014

Erziehermangel: Eine Reform bei der Bezahlung muss her

Ein Kommentar von Angelika Kahl

Einziger Bewerber auf die Stellenanzeige eines Regensburger Kindergartens: ein Opa, der seinen Enkeln regelmäßig vorliest. Zwölf Kinder zusätzlich könnte die Einrichtung sofort aufnehmen, fände sie eine Halbtagskraft. Kein Einzelfall. In den meisten bayerischen Städten und Gemeinden gibt es heute genug Krippen-, Kindergarten- und Hortplätze – auf dem Papier. Denn weil es an Personal fehlt, hagelt es für viele Familien, die einen Betreuungsplatz für ihre Kinder brauchen, Absagen.
Und die Situation verschärft sich weiter. Auf dem privaten Arbeitsmarkt wäre die Sache jetzt klar: Die Löhne würden erhöht. Doch die meisten Kitas werden von den Kommunen betrieben. Und dort gilt der Tarifvertrag für den öffentlichen Dienst. 2211,21 Euro bekommen Erzieher/innen im ersten Jahr – nach einer fünfjährigen Ausbildung. Nach vier Jahren steigt der Verdienst auf 2613 Euro. Gerade ist nach einem bundesweiten Streik mit den kommunalen Arbeitgeberverbänden zwar eine Tariferhöhung ausgehandelt worden. Berufseinsteiger bekommen künftig 90 Euro mehr. Dass damit aber nun ein Run auf den anstrengenden Erzieherjob beginnt, ist unwahrscheinlich.

Ein neuer Trick findiger Kommunen


Eigentlich setzen Tariflöhne auch nur Untergrenzen fest. Über Tarif zu bezahlen ist nach dem Bayerischen Kinderbildungs- und betreuungsgesetz durchaus möglich – doch nur in der Theorie. Denn die Haushaltsgesetze der einzelnen Kommunen verbieten das rigoros. Kurioserweise nicht nur ihren eigenen Einrichtungen, sondern indirekt auch gemeinnützigen und vielen privaten Trägern. Denn zahlen diese mehr als die Kommune, gefährden sie ihre öffentlichen Zuschüsse. Einige findige Kommunen versuchen nun einen neuen Trick: Angestellte werden einfach grundsätzlich höher eingestuft. Frankfurt zum Beispiel hat die Kita-Betreuung im gesamten Stadtgebiet zur Brennpunktarbeit erklärt. Und kann so das Personal entsprechend höher bezahlen. Und Münchens OB Dieter Reiter lässt gerade ausloten, ob mit einer Erhöhung der München-Zulage um 300 bis 400 Euro mehr Erzieher in die Landeshauptstadt gelockt werden könnten. Die Kehrseite der Medaille: Dem Umland, das ebenfalls unter dem Erziehermangel leidet, droht dann der Komplett-Kollaps. Ein paar Euro mehr oder regionale Kniffe – echte Lösungen sind das nicht. Die müssen aber dringend her.
Die nächste Chance dazu besteht Anfang 2015, wenn im öffentlichen Dienst eine neue Tarifrunde ansteht. Die kommunalen Arbeitgebervertreter müssen endlich einsehen, dass das jetzige Tarifsystem, das noch aus den 1970er-Jahren stammt, dringend reformiert gehört. Tausende Eltern würden aufatmen.

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