Politik

06.07.2012

Habemus Inquisitorem Maximum

Der Regensburger Bischof Gerhard Ludwig Müller wird Präfekt der Glaubenskongregation in Rom

Glockengeläut! Weißer Rauch! – Eine Art Bühnenshow hätte noch gefehlt, als das Regensburger Ordinariat der Presse mit dem zwölften Glockenschlag die Frohbotschaft verkündete: Papst Benedikt hat den Bischof Gerhard Ludwig Müller mit sofortiger Wirkung zum Präfekten der römischen Glaubenskongregation berufen. Michael Fuchs, bis dato Müllers Generalvikar, spricht weihevolle Worte: „Die Diözese gratuliert ihrem Bischof von Herzen zu dieser hohen Berufung, mit der auch die Verleihung eines Titels des Erzbischofs verbunden ist.“ Sowie, in baldigster Bälde, der Kardinalstitel.
Noch treffender wäre es freilich gewesen, Michael Fuchs hätte die Beförderung seines Chefs auf lateinisch verkündet: „Habemus Inquisitorem Maximum!“ Denn die Glaubenskongregation, vormals Heiliges Officium, war ursprünglich die Behörde der Inquisition, die als Reaktion auf die Reformation den rechten Glauben durch Terror wiederherzustellen suchte.
Dem ersten Großinquisitor, Papst Paul IV. (1555-59), der die Juden in die Ghettos zwang und den Index der verbotenen Bücher einführte, wird der Satz zugeschrieben: „Und wenn mein eigener Vater ein Ketzer wäre, ich würde eigenhändig das Holz zusammentragen, um ihn zu verbrennen.“

Demgegenüber zeigte sich der vorletzte Präfekt der Glaubenskongregation, Kardinal Ratzinger, der das Amt von 1981 bis zu seiner Papst-Erwählung 2005 innehatte, sehr menschenfreundlich. Niemand wurde mehr auf den Scheiterhaufen geschickt. Lediglich einige südamerikanische Befreiungstheologen und etliche aufklärerische europäische Theologieprofessoren wurden mit Lehrverbot belegt.

Wie? Wird Müller  heiliggesprochen?


Nun also Gerhard Ludwig Müller. Ein 64-jähriger Pfälzer und vielgerühmter Dogmatiker als Hüter des rechten Glaubens von weltweit 1,2 Milliarden Katholiken. Als Oberhirte der Diözese Regensburg (1,2 Millionen Katholiken) hat er sich zehn Jahre lang einen Namen gemacht. Als erstes zerschlug er die auf dem Konzil vor einem halben Jahrhundert erkämpfte Mitbestimmung der Laien.
Der von Müller 2005 geschasste Diözesanratsvorsitzende Fritz Wallner urteilt: „Man kann nur hoffen, dass es in der Weltkirche künftig nicht so zugeht wie zuletzt im Bistum, wo der Bischof Angst und Schrecken verbreitet hat.“ Ein Termin für Müllers Amtseinführung stehe noch nicht fest, so Michael Fuchs vor der Presse. Um feierlich hinzuzufügen: „Außer der Heiligsprechung am 21. Oktober.“ Wie? Wird Müller in einem Vierteljahr, noch zu Lebzeiten, heiliggesprochen? Aber Fuchs hat nur eine etwas zu lange Kunstpause eingelegt: „Außer der Heiligsprechung am 21. Oktober – von Anna Schäffer.“ Müllers Erhebung zu den Altären steht also nicht direkt an, obwohl er erst vor einem Jahr extemporierte: „Man kann nach Rom befördert werden – das entscheidet der Papst, oder in den Himmel – das wird woanders entschieden.“
Typisch Müller: Für den normalsterblichen Katholiken gilt die Alternative: Himmel oder Hölle (das Fegefeuer wurde neulich von Ratzinger abgeschafft). Auf Müller dagegen wartet nur der Himmel. Und, als Vorstufe, der Vatikan. (Florian Sendtner)

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Kommentare (1)

  1. Assessor am 25.07.2012
    Ein Beitrag sehr unangemessen dazu, dass erneut einem hiesigen Theologen die "Reinheit der Lehre" anvertraut wird, wohl das wichtigste Amt nach dem des Papstes. Ärgerlich in diesem Zusammenhang der Verweis auf die Untaten, die vor langer Zeit einmal in einem ähnlichen Amt begangen wurden und der "humorige" Gag, dass sich "dem gegenüber" Kardinal Ratzinger sehr menschenfreundlich gezeigt habe. Hoffentlich bleibt den Lesern der Staatszeitung ein Kommentar zur nächsten Bundeskanzlerwahl erspart, dass Adolf Hitler in einem ähnlichen Amt Juden vergast habe, dass solches aber vom Bundeskanzler nicht zu erwarten sei. Mögen muss der Autor den künftigen Kardinal Gerhard Ludwig Müller nicht.

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