Politik

Der Chef der Bundesagentur für Arbeit, Frank-Jürgen Weise, hält eine bessere finanzielle und personelle Ausstattung der Jobcenter für erforderlich, um die wachsende Zahl ratsuchender Flüchtlinge angemessen betreuen zu können. (Foto: dpa)

18.08.2015

Jobcenter sind nicht auf den Flüchtlingsansturm vorbereitet

Selbst Bundesagentur-Chef Weise hält mehr Geld für nötig

Der Chef der Bundesagentur für Arbeit, Frank-Jürgen Weise, hält eine bessere finanzielle und personelle Ausstattung der Jobcenter für erforderlich, um die wachsende Zahl ratsuchender Flüchtlinge angemessen betreuen zu können. Er hoffe, dass die Bundesregierung imHaushalt 2016 dafür zusätzliche Mittel bereitstelle, sagte Weise der Deutschen Presse-Agentur.  


Trotzdem sehe er die Gefahr, "dass die Mittel nicht ausreichen könnten, wenn die Zahl der Menschen, die in die Jobcenter als Flüchtling und Asylbewerber kommen, weiter steigt", sagte Weise. Es gelte, Flüchtlinge früher und besser in den Arbeitsmarkt zu integrieren, nur so ließen sich die Kosten minimieren.

Überbordende Bürokratie


Zudem werde die Arbeit in den von Kommunen und Bundesagentur geführten Jobcentern durch überbordende Bürokratie belastet. "Wer in der heutigen Zeit mehr Mittel fordert, muss als erstes fragen, ob es nicht möglich ist, die Leistung effizienter zu erbringen. Die (für die Arbeitsagenturen zuständige) Arbeitslosenversicherung hat mehr Geld, weil sie selbstverwaltet ist, weil sie unternehmerisch geführt ist." Leider gebe es bei den von der Bundesagentur angestoßenen Entbürokratisierungen in der Grundsicherung keine Fortschritte.


Der BA-Chef sprach sich dafür aus, das Sprachkursangebot für Asylbewerber auszubauen. Zuwanderer, die die deutsche Sprache nicht beherrschten, könnten von den Jobcentern und Arbeitsagenturen weder gefördert noch auf freie Stellen vermittelt werden. Für dieses und nächstes Jahr sei das Finanzierungsproblem bei Basis-Sprachförderkurse durch das Bundesamt für Migration und Flüchtlinge (Bamf) noch "halbwegs gelöst". "Für 2017 muss die Anschlussfinanzierung beraten werden, damit sichergestellt ist, dass diese Sprachausbildung stattfinden kann", sagte Weise.  

Englisch- und Französisch-Sprachkurse für Agenturmitarbeiter


Die Bundesagentur selbst hat nach seinen Angaben bereits begonnen, sich auf die wachsende Zahl von Asylbewerbern in den Arbeitsagenturen vorzubereiten. Für Agenturmitarbeiter, die mit Asylbewerbern zu tun haben, böte die Bundesagentur inzwischen Englisch- und Französisch-Sprachkurse an. Auch sollen BA-Berater und Jobvermittler mit dem Umgang mit Menschen fremder Kultur vertraut gemacht werden: "Es geht um die Frage, wie kann ich jemanden aus einem anderen Kulturkreis verstehen und ihm gut begegnen", sagte Weise.


Um die Betreuung von Flüchtlingen zu intensivieren, würden zudem neue Stellen geschaffen. Damit sollen erfahrene BA-Mitarbeiter mehr Freiraum erhalten, etwa um in Erstaufnahmeeinrichtungen zu gehen und dort potenzielle Talente und Kenntnisse vonAsylbewerbern zu ermitteln. "So versuchen wir, mit einfachen und praktikablen Verfahren sofort zu klären, wer hat die Voraussetzung, relativ schnell in Arbeit zu kommen."  


Arbeitsagenturen sollen auch bei der Übersetzung von Dokumenten helfen und Dolmetscher engagieren können. Für dieses Maßnahmepaket stünden 50 Millionen Euro aus dem Kriseninterventionsfonds der Bundesagentur zur Verfügung. Die für Notfälle reservierten Gelder hatte der BA-Verwaltungsrat unlängst freigegeben.
(Klaus Tscharnke, dpa)

Einen Online-Kommentar verfassen - so geht's

Scrollen Sie einfach ans Ende des Artikels, den Sie kommentieren wollen und geben Sie Ihre E-Mail-Adresse und einen nickname an. Die Nennung Ihres Namens ist freiwillig. Für die Nutzer sichtbar ist in jedem Fall NUR der nickname. Sie müssen sich auch nicht auf unserer Homepage anmelden. Aber unsere Netiquette akzeptieren. Und schon können Sie loslegen!

Kommentare (1)

  1. Alexander am 18.08.2015
    Ja mei, die Völkerwanderung hat bereits im letzten Jahr begonnen. Die Zeichen wurden nicht erkannt! Desgleichen wurde von der Bundesregierung keinerlei Maßnahmen getroffen (Asylverfahren, Ausländergesetz, Einordnung sicherer Herkunftsländer, Bereitstellung von geeigneten Unterbringungsmöglichkeiten für Asylbewerber z.B. Bundeswehrliegenschaften, Personal und Material). Alles in allem ein Totalversagen der Politik. Zudem die täglichen Nachrichten über einen massiven Zustrom berichten, es werden wohl 1,2 Mio werden!!! Und bisher wird rein gar nichts unternommen.

Neuen Kommentar schreiben

Die Frage der Woche

Frage der Woche KW 49 (2017)

Paragraf 219a: Soll das Werbeverbot für Abtreibungen abgeschafft werden?

Umfrage Bild
 

Lesen Sie dazu in der Bayerischen ­Staatszeitung vom 8. Dezember 2017 auch die Standpunkte unserer Diskutanten:

Simone Strohmayr, Vize-Vorsitzende der SPD-Fraktion im Landtag

(JA)

Winfried Bausback (CSU), bayerischer Justizminister

(NEIN)

arrow
Facebook
Vergabeplattform
Vergabeplattform

Staatsanzeiger eServices
die Vergabeplattform für öffentliche
Ausschreibungen und Aufträge Ausschreiber Bewerber

E-Paper
Unser Bayern

Die kunst- und kulturhistorische Beilage der Bayerischen Staatszeitung

Unser Bayern

LesenNachbestellen

Nur für Abonnenten

eaper
E-Paper
ePaper
zum ePaper
Abo Anmeldung

Benutzername

Kennwort

Bei Problemen: Tel. 089 – 290142-59 und -69 oder vertrieb@bsz.de.