Politik

17.08.2012

Neue Wege in der Organspende

Ein Kommentar von Angelika Kahl

Bislang wurde in der Diskussion um die Organspende vor allem eine Frage gestellt: Wie lässt sich die Spendebereitschaft der Menschen erhöhen? Natürlich ist das wichtig angesichts der Tatsache, dass im Schnitt alle acht Stunden ein Mensch stirbt, dem eine Organtransplantation das Leben hätte retten können. Aber Fragen nach dem System und dessen Transparenz wären ebenso wichtig gewesen, wenn auch unbequemer.
Selbst nach dem Bekanntwerden der Transplantationsskandale in Göttingen und Regensburg ging es den Verantwortlichen weniger um eine offene Diskussion über die Schwächen eines Systems, das vor allem auf Selbstkontrolle innerhalb der Kliniken beruht. Dass ein Arzt Krankenakten fälschen konnte, um die Chancen eigener Patienten auf ein Spenderorgan zu erhöhen, zeigt ja, dass Manipulation nicht nur möglich ist, sondern auch geschieht. Doch es war vor allem der hektische Versuch einer raschen Schadensbegrenzung, mit dem man sich hervortat. Bundesgesundheitsminister Daniel Bahr (FDP) etwa appellierte an die Menschen, „keine voreiligen Schlüsse zu ziehen“.

Vertrauen stärken  aber wie?


Um das Vertrauen der Menschen in das System Organspende wieder zu stärken, braucht es aber mehr als derlei Appelle.Die Einführung des Sechs-Augen-Prinzips – darauf haben sich diese Woche die sechs Transplantationszentren in Bayern bei einem Treffen mit Wissenschaftsminister Wolfgang Heubisch (FDP) selbst verpflichtet – reicht nicht. Ohnehin sei es in den Kliniken bereits seit Jahren „gelebte Realität“, dass drei Ärzte verschiedener Fachrichtungen Patientendaten prüfen, hieß es. Also auch in Regensburg?
Dass man nun echte Konsequenzen aus dem Skandal ziehen muss, haben jetzt auch Heubisch und die Mediziner erkannt. Gemeinsam wollen Wissenschafts- und Gesundheitsministerium mit der Ärztekammer und den Transplantationszentren einen Expertenpool aufbauen, der Stichproben-Kontrollen in den Kliniken durchführen soll. Wenn dann tatsächlich, wie angekündigt, auch externe und internationale Fachkräfte diesem Pool angehören, besteht eine echte Chance auf effektive Kontrolle. Eine Arbeitsgruppe will nun Experten suchen und Finanzierungsvorschläge erarbeiten. Berlin bekundete angeblich bereits Interesse an dem bayerischen Modell. Es sollte so schnell wie möglich umgesetzt werden.

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