Politik

Bis 1945 waren in Flossenbürg und seinen knapp 90 Außenstellen mehr als 100 000 Menschen aus ganz Europa inhaftiert, mindestens 30 000 davon starben. (Foto: dpa)

22.04.2015

Rund 40 Überlebende des KZ Flossenbürg kehren zurück

Frühere Gefangene gedenken am Sonntag am Ort der Peinigungen der Befreiung des Lagers vor 70 Jahren

Rund 40 frühere Gefangene des Konzentrationslagers Flossenbürg kommen in dieser Woche an den Ort der Peinigungen zurück. In der Oberpfälzer KZ-Gedenkstätte wird am Sonntag (26. April) der Befreiung des Lagers vor 70 Jahren gedacht. Die Ex-Gefangenen reisen aus insgesamt 16 Staaten an, begleitet von ihren Kindern und Enkeln, wie die Sprecherin der Gedenkstätte berichtete. Zudem haben sich mehr als 300 weitere Angehörige von Flossenbürger KZ-Häftlingen angekündigt sowie ein Soldat der US-Armee, die das KZ am 23. April 1945 befreit hatte.
Einige Überlebende beteiligen sich an Zeitzeugengesprächen mit Schülerinnen und Schüler, um von ihrer Verfolgung und Haft zu erzählen. Auch bei dem Internationalen Jugendtreffen der KZ-Gedenkstätte Flossenbürg werden Überlebende von ihrem Leidensweg berichten. Teilnehmen werden etwa 60 Jugendliche aus sieben Nationen.
Bei dem offiziellen Festakt am Sonntag werden die Staatsministerin für Kultur und Medien, Monika Grütters (CDU), sowie Bayerns  Ministerpräsident Horst Seehofer (CSU) erwartet. Zudem werden der Minister für Kultur der Tschechischen Republik, Daniel Herman, und der Vertreter der ehemaligen Häftlinge des KZ Flossenbürg, Jack Terry, Reden halten. Der Gedenkakt wird live vom Bayerischen Rundfunk übertragen.

Das KZ hatte fast 90 Außenlager

Im Konzentrationslager Flossenbürg wurden ab 1938 zahlreiche Gefangene inhaftiert, die in den nahen Granit-Steinbrüchen arbeiten mussten. Das KZ hatte etwa 90 Außenlager zwischen Würzburg, Dresden und Prag. Bis 1945 wurden dort mehr als 100 000 Menschen aus ganz Europa gefangen gehalten, überwiegend Männer. Mindestens 30 000 Häftlinge überlebten die Nazi-Diktatur nicht.
In Flossenbürg wurde kurz vor dem Ende des Zweiten Weltkrieges auch der protestantische Theologe und Widerstandskämpfer Dietrich Bonhoeffer hingerichtet.
Zum Jahrestag der Befreiung wird auch die Neugestaltung des Außengeländes der Gedenkstätte präsentiert und das Bildungszentrum eröffnet. Damit entsteht ein überregionales Zentrum mit dem Schwerpunkt Nationalsozialismus und Erinnerungskultur in der böhmisch-bayerischen Grenzregion. Das Museumscafé wird von der Behindertenwerkstatt des Heilpädagogischen Zentrums Irchenrieth betrieben. Nach einem einmonatigen internen Probebetrieb wird das neue Bildungszentrum mit dem Museumscafé ab Pfingsten 2015 für die Öffentlichkeit geöffnet.
Zwei Wochen vor dem Festakt hatten rechtsextreme Sprayer im oberpfälzischen Markt Floß (Landkreis Neustadt an der Waldnaab) ihr Unwesen getrieben. Sie beschmierten mehrere Wegweiser und Ortsschilder mit rechtsextremen Symbolen und sprühten zudem auf einer Länge von etwa 80 Metern antisemitische Parolen auf einen Sichtschutzzaun. Die Gemeinde Floß liegt etwa sieben Kilometer entfernt von der KZ-Gedenkstätte Flossenbürg.
Die Hinweisschilder zur Gedenkstätte waren nicht beschädigt worden. Konkrete Hinweise auf die Täter gibt es nach Polizeiangaben aber noch nicht.

INFO: Das Konzentrationslager Flossenbürg und seine Außenstellen
Im KZ Flossenbürg in der Oberpfalz und seinen fast 90 Außenlagern waren zwischen 1938 und 1945 mehr als 100 000 Häftlinge interniert, darunter etwa 16 000 Frauen. Rund 30 000 Menschen kamen ums Leben. Die Außenlager erstreckten sich über ein Gebiet von Prag bis Würzburg und von Dresden bis Eichstätt. Zwei Drittel der Häftlinge stammten aus Osteuropa.
Allein im Außenlager Happurg/Hersbruck bei Nürnberg waren mehr als 9000 Häftlinge untergebracht. 4000 von ihnen starben. Ziel war es hier, im Berg Houbirg eine unterirdische Produktionsstätte für die BMW-Flugzeugmotorenfabrik in Allach bei München errichten, um sie vor Luftangriffen der Alliierten zu schützen. Die Fabrik sollte rund 120 000 Quadratmeter groß sein, ging aber nicht mehr in Betrieb. 
Auch der evangelische Theologe und Widerstandskämpfer Dietrich Bonhoeffer wurde in Flossenbürg von den Nazis ermordet. Am Morgen des 23. April 1945 erreichten US-Soldaten das KZ Flossenbürg und befreiten die etwa 1500 verbliebenen Häftlinge.
Erst 50 Jahre nach der Befreiung wurde Flossenbürg eine Stätte des Gedenkens und der Auseinandersetzung mit der Vergangenheit. 1995 richtete die bayerische Staatsregierung erstmals einen offiziellen Gedenkakt zur Erinnerung an die Befreiung des Lagers aus. (dpa)

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