Politik

02.04.2015

Schlussstrich eines CSU-Rebells

Ein Kommentar von Waltraud Taschner

Im Grunde war es nur eine Frage der Zeit, bis es krachte zwischen Horst Seehofer und Peter Gauweiler: Dass sich der meinungsstarke Gauweiler bändigen lässt und seine Ansichten vom Hü-Hott des Parteivorsitzenden abhängig macht, glaubte ernsthaft keiner, der das Alphatier Gauweiler kennt. Nach Seehofers kürzlichem „Ihr-oder-ich“-Rüffel im Parteivorstand überrascht an Gauweilers Rücktritt höchstens der Zeitpunkt. Mit seiner Karriere als CSU-Vize wäre es spätestens beim Parteitag im November vorbei gewesen.
Doch Gauweiler verspürte offenkundig wenig Lust, ein Vize-Vorsitzender auf Abruf zu sein. Und wählte den starken Abgang, der ihn selbst als Überzeugungstäter, Parteichef Seehofer aber reichlich düpiert dastehen lässt – er muss jetzt hurtig Gauweilers Nachfolge regeln, eine Personalie, die er sich vermutlich gern bis kurz vor dem Parteitag offen gehalten hätte. Zudem trifft Gauweiler mit seiner Rücktrittserklärung Seehofers wundeste Stelle: die Glaubwürdigkeit. Dass ein Parteivize plötzlich seine seit Jahren bekannten Europa-Positionen nicht mehr äußern soll, weil das den Chef nervt, dass dieser Chef verabredete CSU-Positionen zur EU-Finanzpolitik selbst gern mal über Bord wirft: Derlei wird Seehofer, erpicht darauf, sein Drehhofer-Image abzustreifen, nicht gern hören.

Im Bierzelt jubelten sie ihm zu – wer übernimmt jetzt seinen Part?


Misslich für Seehofer und seine CSU ist im Übrigen, dass Gauweilers Komplett-Rückzug aus der aktiven Politik eine Lücke ins Thementableau der Christsozialen reißt: Gauweilers Extravaganzen zur Europapolitik mögen nicht mehrheitsfähig gewesen sein in seiner Partei. Dennoch traf er mit seiner scharfen Kritik an der Europapolitik der Bundesregierung den Nerv vieler Wähler – im Bierzeit jubelte ihm für seine populistisch zugespitzten Parolen das Volk zu. Was für Seehofer der Grund dafür war, Gauweiler kurz vor der Europawahl als Parteivize vorzuschlagen. Die endete zwar für die CSU blamabel: Seehofers Kalkül des europapolitischen Spagats geriet dann doch zu dreist. Die Euro-Skeptiker im Wahlvolk aber sind nicht ausgestorben. Wer auf pointiertes EU-Bashing steht, blickt jetzt zur AfD. So gesehen ging Seehofers Gauweiler-Strategie doppelt daneben.

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