Politik

07.02.2014

Schwitzen in der Sitzungspause

Wie der Landtag Abgeordnete und Parlamentsmitarbeiter dazu bekommen will, sportlicher zu werden

Yoga? Barbara Stamm seufzt. Das wär schön. „Meine jüngste Tochter ist ganz begeistert davon“, erzählt die Landtagspräsidentin. Weil es gegen Stress hilft und gegen Rückenschmerzen ebenso. Das lästige Zwicken im Kreuz wäre Stamm gerne los. Einmal in der Woche geht sie deshalb zur Physiotherapie. Die CSU-Frau weiß: „Das ist viel zu wenig.“
So wie der Landtagspräsidentin geht es vielen Menschen, Politikern genauso wie Normalbürgern: Man würde ja gerne weniger arbeiten und mehr Sport treiben. Wenn das Ganze nicht so zeitaufwändig, umständlich und überhaupt so lästig wäre.
Mit Ausreden wie diesen sollen zumindest die Abgeordneten des bayerischen Landtags sowie die Mitarbeiter des Landtagsamts und der Fraktionen künftig nicht mehr kommen können. Dafür hat Barbara Stamm gesorgt. Indem sie die Idee von Amtschef Peter Worm und dessen Kollegen Hermann Reichenberger, Leiter des Haushaltsreferats, aufgriff.
Die beiden hatten der Präsidentin einen Modellversuch der besonderen Art vorgeschlagen: Vier Wochen lang sollen Politiker und Parlamentsmitarbeiter im Maximilianeum ihre Fitness testen lassen können – mittels eines Koordinations- und Stabilitätstests. Der dauert nur wenige Minuten und geht so: Man steht auf einer wackligen Plattform, die man im Gleichgewicht halten beziehungsweise hin und her bewegen muss, um Schmetterlinge einzufangen, die auf einem farbigen Monitor umherflattern.

 

Markus Rinderspacher und Günther Felbinger trainieren regelmäßig

 


Der BSZ-Selbsttest ergab: ungewohnt, aber machbar. Nach dem Test gibt’s eine Auswertung samt Trainingsempfehlungen. Üben kann man dann gleich im Fitnessbereich des Landtags. Der wurde im Mai 2012 eröffnet. Leider nutzen ihn nicht so viele Leute wie erhofft. SPD-Fraktionschef Markus Rinderspacher ist einer der eifrigsten Sportler dort, auch Wissenschaftsstaatssekretär Bernd Sibler und FW-Mann Günther Felbinger werden öfter gesichtet.
Parallel zum Sportprogramm gibt’s in der Landtagsgaststätte Fitnessgerichte wie Gemüseeintopf und Kürbisravioli.

Ins Boot geholt hat sich der Landtag für das Gesundheitsprojekt den Münchner Sportorthopäden Erich Rembeck. Er schickt die nächsten vier Wochen zwei Fitnesstrainer ins Maximilianeum, die beim Fitness-Test helfen. Zusammen mit Rembeck hat der Landtag außerdem einen Fragebogen erarbeitet, der anonym ausgefüllt werden kann. Gefragt wird nach Trainingsgewohnheiten und sportlichen Wünschen an den Landtag – ob man etwa bereit wäre, einen Obolus an den Landtag zu zahlen – für ein erweitertes Sportangebot wie Personal Training – oder Yoga.
Rembeck rührte im Landtag eifrig die Werbetrommel fürs Sporteln: „Es gibt auf der ganzen Welt keine Tablette, die annähernd so viel bewirken kann wie Sport“, schwärmte der Medikus und zählte auf: „Man wird leistungsfähiger, kann sich Dinge besser merken, regeneriert schneller, hat bessere Laune und sieht besser aus.“

Bloß nicht den Kollegen auf dem Laufband treffen!


Ob’s die Anwesenden überzeugt hat? Was er als größtes Sport-Hemmnis sieht, wollte die BSZ von Rembeck wissen. Antwort: „Die Aussicht, den Arbeitskollegen neben sich auf dem Laufband zu sehen.“ Aha. Kann aber auch zu ganz neuen Allianzen führen im Landtag. Parteiübergreifendes Schwitzen bringt womöglich mehr als Dauerzoff im Plenum. Und ist gesünder als parteiübergreifendes Biertrinken. Peter Winter (CSU), Vorsitzender des Finanzausschusses, hat das schon erkannt. Er geht regelmäßig in den Landtags-Fitnessraum. „Erst gestern Abend war ich wieder dort“, erzählt er. Als Franke könne er ja abends nicht heimfahren – „und sonst wär mir nur die Landtagsgaststätte geblieben.“ (Waltraud Taschner)

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