Politik

11.08.2017

Studieren am Minimum

Ein Kommentar von David Lohmann

Bildung ist ein Menschenrecht. Bafög soll daher Jugendlichen aus finanzschwachen Familien helfen, das Studium zu finanzieren. Doch immer weniger Studenten gelingt das. Kein Wunder: Durchschnittlich erhalten bayerische Bafög-Empfänger 438 Euro im Monat – nur 16 Euro mehr als 2015. Dabei sind die Lebenshaltungskosten vor allem im Freistaat deutlich gestiegen.

Im Schnitt müssen bayerische Studenten allein 333 Euro Miete im Monat zahlen, hinzu kommen 166 Euro für Ernährung. Macht minus 61 Euro. Ausgaben für Bücher, Kleidung, Gesundheit, Internet, öffentliche Verkehrsmittel oder Freizeit sind dabei noch nicht eingerechnet. Wer in München studiert, ist schon zu Monatsbeginn längst tief in den roten Zahlen: Dort kostet nur die Studentenbude im Durchschnitt 615 Euro pro Monat.

Der Anteil der Nicht-Akademiker-Kinder unter den Studenten ist deutlich gesunken


Die Bundesregierung hat die Ausbildungsunterstützung seit 2010 stiefmütterlich behandelt. Sechs Jahre lang wurde die monatliche Maximalförderung nicht erhöht, erst 2016 stieg sie um knapp zehn Prozent auf 735 Euro – das ist kaum mehr als ein Inflationsausgleich. Und den vollen Satz gibt es auch nur, wenn die Eltern vor Steuerabzug zusammen nicht viel mehr als 20 500 Euro pro Jahr verdienen.

Die nächste Bundesregierung muss neben den Fördersätzen auch dringend die Freibeträge für die Einkommen der Eltern erhöhen. Seit 2014 ist die Zahl der Förderberechtigten in Bayern um 15 Prozent auf 72 000 gesunken – dabei ist die Zahl der Studenten zur selben Zeit deutlich gestiegen.

Statt den Rückgang der Förderberechtigten wie Bundesbildungsministerin Johanna Wanka (CDU) als „eine durchaus erfreuliche Entwicklung“ zu bezeichnen, muss auch viel mehr für die Inanspruchnahme des Bafögs geworben werden: Der Anteil von Jugendlichen aus Nicht-Akademiker-Familien an den Studenten ist bundesweit von 65 Prozent im Jahr 1994 auf zuletzt 48 Prozent gesunken. Sie haben Angst vor den Schulden.

Schon jetzt hat ein Viertel aller Studenten das Gefühl, die Eltern finanziell zu überfordern. In der Folge müssen zwei Drittel der Studenten während des Studiums jobben, 20 Prozent haben sogar zwei oder drei Jobs. Wer bis spät in die Nacht kellnert, kann aber am nächsten Morgen nicht konzentriert in der Vorlesung sitzen.

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Kommentare (1)

  1. Zitrone am 15.08.2017
    Wenn alle Steuern konsequent eingehoben (Steuerhinterzieher) und Schlupflöcher (Ex-Cum-Geschäfte) geschlossen würden, könnten alle bedürftigen Studenten ein ausreichendes BAföG beziehen. Bei der Wahl nicht vergessen, die CDU/CSU regiert schon wieder seit 2005 und die SPD/Grüne Koalition hat die Finanzmärkte entfesselt und das größte Steuersenkungsprogramm für die Wirtschaft aufgelegt. Die CSU hat maßgeblich die Hoteliers am Tegernsee mit Millionen dauerhaft entlastet.
    Denk ich an Deutschland in der Nacht...! Zum Auswandern.

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Josef Kraus, Präsident des Deutschen Lehrerverbandes 1987 bis 2017

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