Politik

Mit dem Unions-Vorschlag soll Bayern um eine Milliarde Euro entlastet werden. (Foto: dpa)

09.09.2015

Systemwechsel in Sachen Solidarität

Alle Vorschläge und Papiere haben nichts gebracht: Die Verhandlungen über die Bund-Länder-Finanzen blieben bisher ohne Ergebnis. Nun präsentiert die Union einen abgestimmten Vorschlag

In die festgefahrenen Verhandlungen über eine Reform der Bund-Länder-Finanzen kommt Bewegung: Die unionsregierten Länder haben sich bei einem Treffen in München auf einen neuen Kompromissvorschlag verständigt. "Die Union hat ein Konzept entwickelt, mit dem es gelingen kann, die Geberländer zu entlasten, den Osten weiter zu stabilisieren und den finanzschwächsten Ländern, dem Saarland oder Bremen, ein echtes Hilfsangebot zu machen", sagte Bayerns Finanzminister Markus Söder (CSU).

Söder: "Bayern wird um eine Milliarde Euro entlastet"

Die Ministerpräsidenten der Länder wollten am Mittwochabend in Berlin über die angestrebte Reform beraten. Aus SPD-Kreisen hieß es allerdings, mit einem Durchbruch sei noch nicht zu rechnen.
Konkret schlägt die Unionsseite nach Söders Worten nun einen "grundlegenden Systemwechsel" vor: Der Länderfinanzausgleich in seiner bisherigen Form solle entfallen. Stattdessen solle es nur noch den Ausgleichsmechanismus bei der Umsatzsteuer geben, also den bisherigen Umsatzsteuervorwegausgleich. Der Länderanteil am gesamten Umsatzsteueraufkommen wird dabei entsprechend der Einwohnerzahl den einzelnen Ländern zugeordnet. "Modifiziert werden soll das dann durch Zu- und Abschläge entsprechend der Finanzkraft der Länder", erklärte Söder. Und darüber hinaus solle es wie bisher Ergänzungszuweisungen des Bundes vor allem für die ostdeutschen Länder geben. "Der Osten bekommt damit die Chance, sein bisheriges Finanzniveau zu halten", sagte Söder. "Und Bayern wird um eine Milliarde Euro entlastet."

Die Zu- und Abschläge sowie die Ergänzungszuweisungen könnten nach Angaben Söders aus den fast neun Milliarden Euro finanziert werden, die der Bund den Ländern in Aussicht gestellt habe. "Es wäre schade, wenn es trotz dieser neun Milliarden Euro des Bundes nicht möglich wäre, eine Lösung zu finden, die den Finanzausgleich neu regelt", sagte Söder. "Das wäre kein gutes Zeichen für den Föderalismus."

Söder sagte, die Unionsseite hoffe angesichts ihres neuen Kompromissvorschlags auf eine Einigung mit den anderen Ländern. "Die Chancen auf ein gutes Ergebnis sind sehr hoch", sagte er. "Das ist ein gutes Angebot, das nicht einen ausbremst, sondern alle mitnimmt." Es gebe auch nur noch ein kurzes Zeitfenster für Entscheidungen.

Mit dem neuen Konzept werde kein Land schlechter gestellt

Auch ein Sprecher des hessischen Ministerpräsidenten Volker Bouffier (CDU) sagte am Mittwoch, mit dem neuen Konzept könne der Knoten durchschlagen werden. Es werde kein Land schlechter gestellt.
Aus Berlin kamen am Mittwoch allerdings umgehend Bedenken, weil die Einwohnerwertung für die Stadtstaaten etwas gesenkt werden soll - diese Regelung sichert Berlin, Hamburg und Bremen bisher etwas mehr Geld. "Jede Veränderung ist problematisch und hätte massive Konsequenzen", sagte eine Sprecherin der Finanzverwaltung.

Bund und Länder ringen seit langem um eine Neuordnung der Finanzbeziehungen. 2019 läuft das derzeitige System aus.

Bei dem Treffen der Ministerpräsidenten am Mittwochabend dürfte auch über das Maßnahmenpaket des Bundes in der Flüchtlingspolitik gesprochen werden. Hierzu gibt es aber noch ein weiteres Treffen am 24. September, dann auch mit Kanzlerin Angela Merkel (CDU). (dpa)

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