Politik

Schöner schwitzen im Landtag: Der neue Fitnessraum ist mit Ausdauer- und Kraftgeräten bestückt. Auf dem Laufband und beim Blick ins Grüne kann man hier einfach mal abschalten. (Foto: David Lohmann)

01.06.2012

Vom Plenarsaal aufs Laufband

Der jetzt fertig gestellte Erweiterungsbau des Landtags macht Schluss mit der Raumnot - und bietet sogar Fitnessraum und Sauna

Es gibt figurfreundlichere Berufe als den des Abgeordneten. Kein Wunder: Man sitzt den ganzen Tag in Besprechungen rum, trifft Leute zu üppigen Arbeitsessen und hat wegen des Zeitmangels eine gute Ausrede, auf Sport zu verzichten. In seinen 14 Jahren als bayerischer Parlamentarier, erzählt SPD-Mann Peter Hufe (57), „hab ich jedes Jahr ein Kilo zugenommen“. Die trainiert sich der Ex-Abgeordnete aus Franken jetzt gerade wieder ab.
Das Argument, der Weg ins nächste Fitnessstudio sei zu weit, können Bayerns Landtagsabgeordnete künftig nicht mehr ins Feld führen, wenn sie über Figurprobleme und/oder Rückenschmerzen klagen. Seit vergangener Woche verfügt der Landtag über einen nagelneuen, hervorragend ausgestatteten Fitnessraum mit Ausdauer- und Kraftgeräten nebst Sauna. Nutzen dürfen diesen neben den Abgeordneten auch alle Angestellten des Landtagsamtes, die Stiftung Maximilianeum sowie die Landtagspresse.
Der so genannte Gesundheitsbereich ist Teil des jetzt fertig gestellten Erweiterungsbaus, welcher die akute Platznot im Maximilianeum beseitigt. Weil bei der Landtagswahl 2008 fünf statt zuvor drei Fraktionen ins Parlament eingezogen waren, wurde es eng, der Landtag musste externe Räume anmieten – was ziemlich unpraktisch war. „Bei allen Fortschritten der modernen Kommunikationsmöglichkeiten“, glaubt Landtagspräsidentin Barbara Stamm, „persönliche Begegnungen und Gespräche sind im Arbeitsalltag unverzichtbar.“

Ex-CSU-Chef Erwin Huber freut sich aufs Rückentraining


In den sechs oberirdischen und zwei unterirdischen Stockwerken des neuen Gebäudes sind abgesehen vom Gesundheitsbereich 65 Büros, drei Besprechungsräume und ein großer Konferenzsaal untergebracht. Der unterm Dach gelegene große Saal mit traumhaftem Blick ins Grüne und in Teile der Altstadt dient der CSU-Fraktion zugleich als Sitzungsraum.
Im ganzen Haus dominiert die Farbe Rot – was bei der CSU mitunter für Irritationen sorgte. Das sei ja, soll etwa Finanzminister Markus Söder gemault haben, keine sehr CSU-affine Farbe. Barbara Stamm merkte dazu an, bereits der Baumeister Friedrich Bürklein habe die Arkaden des Maximilianeums-Altbaus in Rot gestaltet. Und außerdem sei die Farbe nun mal „ein architektonischer Hingucker“.
15,3 Millionen Euro hat der Erweiterungsbau gekostet, der in zwei Jahren hochgezogen wurde. Für ein Gebäude dieser Größe sei das „extrem schnell“, sagt Josef Reimer, Baubeauftragter des Landtagsamtes. Als eines der wenigen öffentlichen Gebäude im Freistaat erfüllt es den Passivhausstandard: Es verbraucht nur ein Fünftel der Energie, die ein vergleichbarer Bau mit konventioneller Energieversorgung benötigt. Ob’s da im Winter immer warm wird? Nun ja, sagt Reimer, das sei „schon eine Riesenherausforderung“ – die Wärmeversorgung sei nämlich „nicht so flink“ zu regulieren, wie bei herkömmlichen Heizungen üblich.
Zur Not müssen frierende Abgeordnete und Mitarbeiter halt in den Keller: zum Trainieren und Saunieren. Vom neuen Wellness-Trakt sind jedenfalls alle begeistert – und voll guter Vorsätze: „Klar geh ich da hin“, sagt Christa Steiger (SPD). Vor und nach einem Sitzungstag sei das ideal.
Ex-CSU-Chef Erwin Huber will beim Training seine Rückenprobleme in den Griff bekommen. Und sein Fraktionskollege Eberhard Sinner sieht schon die alten Zeiten wieder aufleben, als sich wichtige CSU-ler in der damaligen kleinen Landtagssauna zur wöchentlichen Lagebesprechung trafen – wer den einstigen Chefhaushälter Richard Wengenmeier für ein Anliegen gewinnen wollte, war gut beraten, ihn Dienstag früh in der Sauna aufzusuchen. Sinners Tipp: „Ein Koalitionsausschuss in der Sauna würde kürzer dauern und bessere Ergebnisse bringen.“ (Waltraud Taschner)

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