Politik

22.05.2015

Vor Gott sind nicht alle gleich

Ein Kommentar von Angelika Kahl

Die katholische Kirche hat den Anspruch, Menschen auf ihrem persönlichen Weg durch das Leben zu begleiten. Und auch gesellschaftliche Entwicklungen mitzugestalten. Doch wie soll das noch gehen? Nie war die Diskrepanz zwischen dem moralischen Leitbild der Kirche und der gesellschaftlichen Lebenswirklichkeit größer. Das hat auch das Zentralkomitee der deutschen Katholiken erkannt. Und fordert zu Recht Reformen. Zum Beispiel die Segnung homosexueller Paare.
Nur leider bleibt das vorerst Utopie. Die prompte Antwort von Kardinal Reinhard Marx, Vorsitzender der deutschen Bischofskonferenz: „nicht akzeptabel.“ Die Forderung sei „mit Lehre und Tradition der Kirche nicht vereinbar“. Selbst der  Passauer Jung-Bischof Stefan Oster erteilte dem Ansinnen via Facebook eine Absage. Klar, so modern ist die Kirche schon, dass sie ihre Schäfchen per Social Media beglückt. Seit Neuestem gibt es für die Ministranten sogar eine eigene App. In Sachen Sexualmoral aber strotzen die Ober-Katholiken vor Rückständigkeit. Eine Rückständigkeit, die selbst bei vielen Gläubigen auf Unverständnis stößt.

"Offene Gespräche": ergebnislose Debatten 

Natürlich wissen das die Bischöfe. Sie entwickeln deshalb eine gewisse Betriebsamkeit, die aber meist nur zu ergebnislosen Debatten führt. Positive Ausnahme: die Entschärfung des Kirchenarbeitsrechts, das in eingetragenen Partnerschaften nicht mehr automatisch einen Kündigungsgrund sieht. Im Herbst will man nun einmal mehr „ganz offen“ auf der zweiten Familiensynode in Rom über die heiklen Themen Familie und Sexualität sprechen. Doch Papst Franziskus, der für seinen Reformwillen innerhalb der Kirchenorganisation Sympathie erntet, mag just an Moralvorstellungen nicht rütteln. Sakramente für Wiederverheiratete, Segnung homosexueller Paare oder die Aufhebung des Verbots von Kondom und Pille – all dem erteilte er bereits eine Absage. Dabei müsste sich die Kirche eigentlich beeilen, in der Lebenswirklichkeit ihrer Gläubigen wieder Fuß zu fassen: 2014 haben sich 200 000 Menschen in Deutschland von der katholischen Kirche verabschiedet.

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Kommentare (2)

  1. Zitrone am 23.05.2015
    Kleine Korrektur der Überschrift: Vor Gott schon, aber nicht vor seinem beschränkten Bodenpersonal, das Gott spielt.
  2. Allgäuer am 27.05.2015
    Ja, vor Gott sind alle gleich, nämlich auch alle die, die durch Sexualität außerhalb der Ehe sündigen, egel ab homo- oder heterosexuell. So einfach ist das. Im übrigen hat den evangelsichen KIrchen ihre Anpassung an den pansexuelle Zeit(un)geist gar nichts genutzt. Papst Franziskus hat völlig recht, wenn er da Abstriche nicht zulässt, aber auch daran erinnert, dass die Kirche dem Sünder gegenüber Barmherzigkeit walten lassen sollte. Das ist aber etwas ganz anderes, als die Sünde zu segnen (lateinisch benedizieren, d.h. wörtlich "gut sagen").

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