Politik

Ruft der Koran zur Gewalt gegen Andersgläubige aus? Damit muslimische Kinder das nicht glauben, ist ein staatlich überwachter Islamunterricht sinnvoll. (Foto: dpa)

30.01.2015

Wissen, was der Koran sagt - und was er meint

Nur etwa zehn Prozent der muslimischen Kinder besuchen den staatlichen Islamunterricht - warum das zu wenig ist

Ist der Islam eine gewaltverherrlichende Religion? Nach dem Pariser Terroranschlag ist der Streit darüber neu entbrannt. So behauptete der Islamwissenschafler Khalil Samir, der Koran enthalte Suren, die zur Gewalt gegen Andersgläubige aufriefen. Samir ist Jesuit und lehrt an der Universität Saint-Joseph im Libanon. Der Frankfurter Islamprofessor Harry Harun Behr wiederum weist darauf hin, dass Hassprediger bestimmte Stellen aus dem Koran missbrauchten, um islamistische Gewalt zu rechtfertigen.
Umso wichtiger ist es da, besonderes Augenmerk auf die Religionserziehung muslimischer Kinder zu richten. Schön, wenn das die Schule übernimmt. Das ist in Bayern zwar seit 2009 der Fall; im Rahmen eines Modellversuches besuchen rund 11 500 Schüler/innen islamischen Glaubens den staatlichen Islamunterricht an der Schule. Allerdings sind das nur gut zehn Prozent der rund 94 000 muslimischen Schüler im Freistaat. Angeboten wird der wöchentlich zweistündige Unterricht an 177 Grund-, 78 Mittelschulen, vier Realschulen und zwei Gymnasien.

Flächendeckender Islamunterricht in Bayern? Ist nicht in Sicht


Lehrerverbände und Landtagsopposition fordern seit Langem, den staatlichen Islamunterricht auszuweiten. Grundsätzlich will das auch Kultusminister Ludwig Spaenle (CSU). Und kündigte dies im Juli 2014 auch an. Leider ist es bislang bei der Ankündigung geblieben. Die Grünen im Landtag sind deshalb sauer und sprechen von einem Täuschungsmanöver. Ein Sprecher Spaenles sagte der Staatszeitung, das Ganze laufe derzeit als Modellversuch. Als solcher könne der Islamunterricht „nicht den Anspruch haben, eine flächendeckende Versorgung zu erreichen“.
Der Bayerische Lehrer- und Lehrerinnenverband (BLLV) wünscht sich mehr Islamlehrer vor allem auch für die Realschulen und Gymnasien: „Wir müssen furchtbar aufpassen, dass muslimische Kinder nicht in Koranschulen Dinge hören, die sie fanatisieren können“, warnt BLLV-Präsident Klaus Wenzel. Dem staatlichen Islamunterricht in Bayern kann er nur Gutes abgewinnen: Zu den Unterrichtsinhalten zähle die Interpretation des Korans wie auch die Vermittlung von Glaubensinhalten anderer Religionen, sagt Wenzel.

 

In Hessen ist Islamunterricht ein reguläres Schulfach


Auch für Tagesaktuelles finde sich Zeit: So hätten die Lehrer nach dem Pariser Anschlag mit den Schülern darüber gesprochen und entsprechende Stellen aus dem Koran vorgelesen, die Mord verurteilen. „Jede Schule kann nur froh sein, wenn sie solche Experten hat“, betont Wenzel.
Aktuell gibt es in Bayern 65 Lehrerstellen für Islamunterricht. Ausgebildet werden sie an der Universität Erlangen Nürnberg. Auch das ist laut Wenzel zu wenig: Es müsse weitere universitäre Ausbildungsorte geben, fordert der BLLV-Präsident.
Der staatliche Islamunterricht in Bayern ist im Übrigen freiwillig und kein offizielles Lehrfach. Laut Kultusministerium liegt das auch daran, dass es derzeit keine islamische Religionsgemeinschaft als anerkannten Kooperationspartner gebe. Die Grüne Ulrike Gote, Vizepräsidentin des Landtags, lässt dieses Argument nicht gelten: Richtig sei, dass der Islam anders organisiert sei als etwa die katholische Kirche, sagt Gote. Dennoch habe es etwa das Land Hessen geschafft, sich mit einer muslimischen Gemeinde auf einen Ansprechpartner zu einigen. Im Anschluss sprach man der muslimischen Gemeinde öffentlich-rechtlichen Status zu. Der Islamunterricht ist in Hessen nun reguläres Schulfach. Möglich wäre das auch in Bayern, sagt die Grüne. „Wenn man es will.“ (Waltraud Taschner)

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