Unser Bayern

Zwei der markanten Markenzei- chen der Oper sind die Prachtrep- pe und die Säulen - ein beliebter „Pausenraum“, wenn das Wetter mitspielt. Zu Festspielzeiten wird dann auch noch der rote Teppich entrollt. Festlich wird es auch am 17. November: Mit einem Festkonzert (11 Uhr) erinnert man an die Wiedereröffnung der Oper vor 50. Jahren. (Foto: SZPhoto)

25.10.2013

Immerwährendes Festspiel

1943 wurde das Nationaltheater in München zerstört – die Wiedereröffnung ließ 20 Jahre auf sich warten

"Mein schönes Theater, mein schönes Theater, das überleb´ ich nicht!" Seine Majestät, der „gute König Max", eilte höchst eigenfüßig, einen dunkelblauen Tuchrock über der Generalsuniform, auf dem Haupt ein mit weißen Federn verbrämter Generalshut, aus der Residenz zum Max-Joseph Platz: Feuer! Sein Hof- und Nationaltheater, Karl von Fischers klassizistisches Meisterwerk in palladinischer Heiterkeit, erst im Oktober 1818 eröffnet, brannte lichterloh!

Es war ein eisiger Tag, dieser 14. Januar 1823, die Aufführung von Mehuls Die beiden Füchse näherte sich dem Finale, da fing ein Gaze-Vorhang Feuer. Alle Löschversuche fruchteten nicht – die Brunnenkästen im Bühnenhaus waren leer, ihr kostbares Nass war zwei Tage zuvor für den Wasserfall in der Wolfsschlucht verwandt und nicht nachgefüllt worden; die arktische Kälte ließ sogar das Wasser in den Spritzen und Schläuchen der Löschfuhrwerke einfrieren.eingold-Uraufführung eine Tieferlegung des Orchestergrabens, und als Lehre aus der Wiener Ringtheaterkatastrophe 1881 erfolgte die Modernisierung des Brandschutzes. Um 1925/30 wurden die Treppenaufgänge zu den oberen Rängen kreuzungsfrei aus- und eine Doppelstock-Drehbühne eingebaut. Eines der schönsten Opernhäuser Europas durfte sich einer der modernsten Bühnen rühmen.Fidelio. 1948 konnte das glimpflicher davongekommene Theater am Gärtnerplatz mit Eine Nacht in Venedig wiedereröffnet werden. Mittlerweile überzog Moos die Basis der Säulen am Nationaltheater, zwischen den geborstenen Stufen der Freitreppe sproß das Unkraut und in verkehrsarmen Abendstunden hörte man das Quaken der Frösche aus der Gumpe der Bühnengrube bis zur Maximilianstraße. Immerhin wurden brauchbare Räume in den Seitentrakten der Oper mit Notdächern versehen, demonstrativ wählte sie Intendant Rudolf Hartmann 1952 als Büro.Vater Unser, in dem es heißt „Nicht Dein, sondern unser Wille geschehe, zahl´ unsere Schulden, wie auch wir die Deinen bezahlen ...".Und nun machten sich ihre Nachfahren auf, ihre republikanische Obrigkeit mit einem neuen/alten Nationaltheater zwangszubeglücken.Süddeutschen Zeitung „Wunschbekundung nach einem Wiederaufbau", gerichtet an die Musikfreunde „urbi et orbi" erbrachte binnen zweier Wochen 195 097 Antworten. Darunter 106 aus Mailand: Knappertsbusch hatte Listen im Orchester verteilt, als er in der Scala Tristan dirigierte.

Die Kosten des Wiederaufbaus, den Leo von Klenze mit geringen Veränderungen getreu der Idee Karl von Fischers innerhalb von nicht einmal zwei Jahren bewerkstelligte, stemmte die Stadt München: 850 000 Gulden. Sie konnte diese enorme Belastung nur dank der „allergnädigsten Prolongation des Malzzuschlags bis zur Abdeckung der Kosten" auf sich nehmen. Der „Bierpfennig" diente seit 1820 der Errichtung der steinernen Isar-Brücke, die vom Magistrat geplante hölzerne hatte Kronprinz Ludwig als „jämmerliches Monument der Residenzstadt" verhindert. Nach 1823 haben sich die Bürger sozusagen ihr Opernhaus „ertrunken" und nahmen diese kulturelle Verpflichtung ernst: die Gemeinderechnung 1833/34 wies bereits einen Bestand von 253 482 Gulden aus. Immerhin förderte der „Bierpfennig" Sinnvolleres als 1902 die Wilhelminische Sektsteuer „zur Finanzierung der Kaiserlichen Kriegsflotte".

1869 veranlasste die Rh

Und auf diese Bühne fielen in der Nacht vom 2. auf den 3. Oktober 1943 zwölf Phosphorkanister, eine Sprengbombe zerriss die Steigleitung. Am Vormittag hoben sich aus lichter werdenden Rauchschwaden Mauerteile ab, im Zentrum die Bühnenkonstruktion, ein Gewirr aus verbogenen ineinander verkeilten Eisenträgern, verschmolzen mit Blech. Auf einer späteren „documenta" (ab 1955) wäre es ein Blickfang gewesen. An der Theaterfront standen noch, vor dem minder beschädigten Foyertrakt, die acht Säulen des Portikus, hoch ragte die Westwand des Zuschauerhauses, im Giebeldreieck den Feuersturm überdauernd das Glasmosaik von 1887. In den letzten Kriegsmonaten begann eine zaghafte Schutträumung, lange rollten die Loren nicht für Thalias Sieg.

Das Glück im Unglück: Das Prinzregententheater hatte mit geringen Blessuren den Krieg überstanden; schon im November 1945 hob sich dort der Vorhang für

Jede Hoffnung auf eine staatliche Initiative zugunsten des Nationaltheaters war freilich entschwunden. Der „Residenztheaterskandal" wegen Überschreitung der Baukosten bewog die Abgeordneten parteiübergreifend den Primat beim Aufbau von Schulen, Kliniken, Sozialwohnungen vor weiteren Kulturobjekten zu fordern. Das belebte die Medien, fröhlich eine anderweitige Verwendung des Filet-Grundstücks in der Maximilianstraße zur Diskussion zu stellen. Angedacht wurde ein Mehrzweckopernhaus auf der Brache der Türkenkaserne, dezent wurde auf die gemeindliche Pflicht zur Beseitigung gefahrdrohender Zustände von Ruinen hingewiesen.All dies rüttelte traditionsbewusste Münchner auf: Hatte die Kriegsfurie nicht schon genügend gewütet? Im Herbst 1951 gründeten Persönlichkeiten der Theatergemeinde den „Verein der Freunde des Nationaltheaters".

Wie sich die Zeiten ändern. Einst hatte das Haus Wittelsbach seine gemütlich dahindösende Residenzstadt (mit 60 024 Einwohnern 1815 und 93.435 im Jahr 1837) binnen einer Generation zu einem Kulturzentrum europäischen Ranges nobilitiert: Hoftheater, Odeon, Glyptothek und Pinakothek (die Gebildeten sprachen vom neuen Gefängnis gleich nur als „Kleptothek"), Königsbau der Residenz, Universität, Feldherrnhalle ... und die Münchner stimmten ob solcher Elitisierung keineswegs tagtäglich jubilierend ein. 18 44 kursierte ein travestiertes

„Wenn ich das Wort ‚Kultur‘ höre, ist meine erste Frage ‚Wer zahlt?‘", sagte einst Sir Rudolf Bing, der Chef der New Yorker Metropolitan Opera. Dessen eingedenk beließ es der Münchner Verein nicht bei artigen ergebnislosen Gesprächen mit Abgeordneten und Ministern, sondern kratzte schon 1952 erstes Geld mit einer Tombola zusammen, deren Gewinne die Münchner Geschäftswelt gespendet hatte. Acht weitere sollten folgen. Hübsche Münchnerinnen, ausstaffiert als Kaminkehrerinnen, Sängerinnen und Sänger der Oper und andere Prominenz verkauften die Lose für 50 Pfennige. Reinergebnis: 552 095,78 DM. Der Verein entwickelte Phantasie: Auf dem Münchner Oberwiesenfald wurde der erste Internationaler Großflugtag abgehalten, mit Brieftauben, Freiballonen; der Weihbischof segnete zwölf Segelflugzeuge, ein schweizerischer Kunstflieger, US Düsenflugzeuge „Sky Blazers" brausten mal schnell aus Tripolis herüber. Man veranstaltete Benefizkonzerte aller Art, Herzog Albrecht lud zum Fund-raising-dinner und die Gäste machten 100 000 DM locker für die Ausgestaltung des Königssaals im Foyer. Die Unterschriftensammlung der

Auf Verwaltungsebene war das Kultusministerium nicht untätig geblieben. 1952 beauftragte es den Landesbaukunstausschuss als Beratungsorgan mit vorbereitenden Planungen, ein Wettbewerb wurde 1954 ausgeschrieben. Ein erster Preis wurde nicht erteilt, der beste ging an Gerhard Graupner, der ein unverbindliches Vorprojekt erstellen sollte. Graupner erkannte, dass ein Wiederaufbau am alten Platz „unter Beachtung denkmalpflegerischer Auswertung der vorhandenen Substanz" wegen der heutigen Bau- und Brandschutznormen nur mit einer Verschiebung des Zuschauerraums um ca 13 Meter nach Osten möglich sein würde.

Nach der Vorgabe sollte ein Haus mit fünf Rängen ca 2200 Plätze anbieten, bei Vergrößerung des Sitzreihenabstands von früher 78 auf 85 Zentimeter. Den vieldeutigen Wunsch, „es solle den Geist Fischers und Klenzes in seiner Gestaltung verspüren lassen", konnte der Entwurf, ungeachtet anderer Vorzüge, nicht befriedigend erfüllen... (Klaus Adam)

Lesen Sie den vollständigen Beitrag in der Oktober-Ausgabe von Unser Bayern (BSZ-Ausgabe Nr. 43 vom 25. Oktober 2013)

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