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In der Cadolzburg eröffnet in wenigen Wochen ein Burgenerlebnismuseum. (Foto: BSV)

19.05.2017

Keimzelle einer machtvollen Karriere

Die fränkische Cadolzburg ist bauliches Zeugnis für den Aufsteig der Hohenzollern. Jetzt eröffnet dort ein Burgenmuseum

Eine Karriere zwischen Schwaben und dem deutschen Kaiserreich, die ihren eigentlichen Ausgangspunkt in Franken hatte: Wenn das nicht bemerkenswert ist! Franken bestand im Mittelalter und in der Frühneuzeit aus einer Vielzahl von Herrschaftsgebieten und -ansprüchen. Dazu zählten fürstbischöfliche Bereiche, Reichsstädte, Fürstentümer, niederadelige Landsitze und die Territorien aufstrebender Grafenfamilien.

Zu jenen, die Anspruch auf Gebiete in Franken erhoben, zählten auch die Burggrafen von Nürnberg. Mit diesem Reichsamt wurde 1191/92 erstmals ein Vertreter des Geschlechts der Zollern belehnt. Diese Grafenfamilie, die seit dem 11. Jahrhundert namentlich bekannt ist, stammte ursprünglich aus Schwaben. Als Kaiser Heinrich VI. Friedrich von Zollern zum Burggrafen von Nürnberg machte, war mit diesem Amt primär die Beaufsichtigung der dortigen Kaiserburg verbunden. Darüber hinaus hatten die Burggrafen allerdings kaum weitere Rechte, Besitztümer oder festgeschriebene Kompetenzen.

Starke bürgerliche Konkurrenz

Zudem wurde nur wenig später auch die Machtposition der Stadt Nürnberg deutlich stärker. Mit einem eigenen Reichsgutverwalter und einem kaiserlichen Schultheiß sowie dem Großen Freiheitsbrief von 1219 befand sich die wirtschaftlich dynamische Bürgerstadt deutlich im Aufwind. Diese Konkurrenz schränkte die Möglichkeiten der Burggrafen in Nürnberg deutlich ein. Andererseits waren Friedrich I. wie auch seine Nachfolger eng mit dem staufischen Kaiserhaus verbunden. Das gab den Staufern Rückhalt, während sie rasch im Umfeld Nürnbergs wichtige Erbschaften und Herrschaftsrechte an sich brachten.

Erfolgreich für den Aufbau eines eigenen territorialen Fürstentums verfolgten die Zollern dabei nicht zuletzt ihre Heiratspolitik: So gelangte unter anderem das Erbe der reich begüterten Grafen von Abenberg an die Familie. Damit verbunden waren viele Besitztümer im Raum Abenberg und auch die Vogtei über das Kloster Heilsbronn. Schon bald nach ihrem ersten Auftauchen in Franken besaßen die Zollern auch das Gebiet rund um Cadolzburg. Dieses erwies sich in Zukunft als Kern zollerischer Expansionspolitik.

Der Spielraum am eigentlichen Dienstsitz, der Burggrafenburg in Nürnberg, war einfach deutlich zu eng für die zielstrebigen Herren. Cadolzburg lag günstig, nicht weit entfernt von Nürnberg, wo oft Hof- und Reichstage abgehalten wurden, aber doch mit einem wohltuenden Abstand zur städtischen Rivalin.

Eindrucksvolle Mantelmauer

Die Burg in Cadolzburg selbst stammt in ihrem ältesten Kern just aus jener Zeit, als die zollerischen Burggrafen massiv ihre Territorialmacht ausbauen und demonstrieren wollten. Um 1250 veranlassten sie den Bau eines großen Palas-Traktes, einer eindrucksvollen Mantelmauer samt Toranlage und der Überbauung einer alten Kapelle auf dem Sandsteinplateau in Cadolzburg. Noch heute sind diese Bauten Zeugen des Selbstbewusstseins und des Ehrgeizes ihrer Herren.

Schon bald waren dort auch Prominente und gekrönte Häupter zu Gast (Konradin, Rudolf von Habsburg und andere), Urkunden wurden ausgestellt, die Machtbasis demonstriert – und erweitert. Denn die Zollern wussten die bewegten Zeiten zu ihrem Vorteil zu nutzen. Sie profitierten von den zunächst unklaren politischen Verhältnissen während des Interregnums und unterstützten dann Rudolf von Habsburg bei der Königswahl. Sofort im Anschluss bestätigte dieser 1273 eine umfassende Privilegierung des Burggrafen, die ihm samt seinen Nachfolgern bestimmte Einkünfte, Rechte und in vager Form sogar richterliche Befugnisse an königlicher Stelle zusicherte.

Das befeuerte den Ehrgeiz der Zollern. Ihre stete Königstreue, aktive Reichsdienste und geschickte Expansionsbemühungen im kleinteiligen Franken verhalfen ihnen auch im 14. Jahrhundert zu gehörigem Territorial- und Machtzuwachs. Das Land um Bayreuth, Kulmbach, das Vogtland, Hof, Ansbach, schließlich die Nutzung der einträglichen Erzvorkommen im Fichtelgebirge bereicherten die Herrschaftsbasis der verschiedenen Friedriche, Konrads und Johanns von Zollern (die übrigens erst ab dem 16. Jahrhundert einheitlich „Hohenzollern“ genannt wurden). Das Kaiserliche Landgericht Burggrafschaft Nürnbergs wurde 1349 nach Cadolzburg verlegt.

Münzprivileg für Cadolzburg

Weitere Etappen auf dem Karriereweg waren vor allem das Münzprivileg 1361 für Cadolzburg/Langenzenn und die Anerkennung fürstengleichen Rangs durch Karl IV. 1363, der auf diese Weise Heiratspläne zwischen seinen und den zollerischen Nachkommen auf eine standesgemäße Ebene hob.

Der ultimative Karriereschritt fand dann zu Beginn des 15. Jahrhunderts statt: Burggraf Friedrich VI. erwies sich als effizienter Wahlhelfer im Falle König Sigismunds von Luxemburgs, der daraufhin den Franken in die Mark Brandenburg schickte, um dort als „Verweser“ und militärischer Arm des rechtmäßigen Herrschers für Recht und Ordnung zu sorgen. Auch diese schwierige Aufgabe bewältigte der Zoller gut, was den König dazu bewog, Friedrich 1415 zum ersten Kurfürsten der Familie in der Mark Brandenburg zu machen. 1417 wurde Friedrich auf dem Konstanzer Konzil in einem pompösen öffentlichen Akt offiziell als Kurfürst bestätigt. Damit waren die Zollern in den Kreis der sieben mächtigsten Fürsten des Reiches und in die Runde der Königswähler aufgestiegen. Wenngleich es sich einerseits als äußerst kräftezehrend und kostspielig erwies, zwischen den aufgesplitterten Gebieten im Spagat zu regieren, war es andererseits doch auch ein Ausweis höchster Machtfülle.

Diese Position innerhalb der Gesellschaft und in der politischen Landschaft Deutschlands im 15. Jahrhundert sollte sich auch in den Residenzbauten spiegeln. Ansbach wurde allmählich ausgebaut, das Stadtschloss in Berlin-Cölln ab 1443 neu errichtet, und natürlich erhielt auch die Cadolzburg zeitgemäße Verteidigungsanlagen und neue Gebäude mit einem modernen, repräsentativen Anspruch.

Das heute so genannte Alte Schloss wurde errichtet und mit zahlreichen Räumen sowie einem vergrößerten Kapellentrakt ausgestattet. Über kreuzgratgewölbten Räumen des ersten Obergeschosses entstand ein prächtiger Saal mit sechs Erkern, die auf die Landschaft hinaus und über den Innenhof blicken ließen.

Prächtige Herrschaftsstube

Ein komplexes Sterngewölbe mit aussagekräftigem Programm der Schlusssteine überwölbte die Herrschaftsstube mit aufwendig verziertem Kamin. Dort hielt sich der Fürst gerne auf – allein, mit Familie, Amtsträgern und Gästen im Fall Friedrichs I. und seiner Gemahlin Elisabeth von Bayern sowie des drittgeborenen Sohnes Albrecht „Achilles“, der ab 1470 auch nochmals bis zu seinem Tod 1486 alle Herrschaftsgebiete der Zollern in einer Hand vereinte.

Der fränkische Fürstenhof umfasste damals 200 bis 300 Personen, und entsprechend viele kostbare Pferde waren unterzubringen, wenn der Hof anwesend war.

Ein regulärer Hofstaat war im Begriff sich zu formieren, aber noch gab es keine strikt fixierten Orte, Strukturen und Amtshierarchien. Der Herrscher war umfassend gefordert als oberster Heerführer und Richter, als Familienoberhaupt, Finanzkontrolleur und Chefdiplomat. Auch wenn es bei den Zollern im späten Mittelalter bereits einflussreiche Berater bei Hof gab, so stellt doch die dominante Persönlichkeit von Albrecht Achilles in vieler Hinsicht eine der markantesten Herrscherfigur seiner Zeit dar. Glücklicherweise sind seine Korrespondenz und Schriftzeugnisse so umfangreich dokumentiert, dass wir von ihm und den Verhältnissen an seinem Hof einen facettenreichen Eindruck gewinnen können.

Nach Albrechts Tod teilten sich die fränkische und die brandenburgische Linie endgültig, auch wenn gegenseitige Erbgänge den dynastischen Zusammenhalt der Hohenzollern insgesamt zwischen Schwaben, Franken, der Mark, bald Herzogtum und Königreich Preußen und schließlich sogar dem deutschen Kaiserhaus theoretisch und oft auch praktisch aufrecht erhielten.

Landtage auf der Cadolzburg

Die Cadolzburg wurde nach 1486 als Teilzeitresidenz unter den Söhnen Albrechts und als Austragungsort von Landtagen weiter genutzt, vor allem aber als Sitz vieler wichtiger Ämter des Markgraftums unter dem Gebirge. Als Oberamt war Cadolzburg eine Mittelinstanz und umfasste neben dem Kasten- und dem Richteramt Cadolzburg etliche weitere Ämter mit Verwaltungs- und Rechtszuständigkeiten. Die Cadolzburg blieb also über Jahrhunderte administrativer Mittelpunkt der Region.

Zur Renaissancezeit wurde die Burgküche erneuert und der hochmittelalterliche Trakt ausgebaut zum zeitgemäßen (erst heute so genannten) Neuen Schloss mit Volutengiebeln, Treppentürmchen, fürstlichen Gemächern und Aussichtsbalustrade zum Lustgarten hin. Bei Plünderungen im Dreißigjährigen Krieg verschwanden zahlreiche Dokumente, und so lässt sich über die Nutzung durch die Markgrafen nicht viel Präzises sagen. Die Vorburg wurde in der Frühneuzeit mit zahlreichen Funktionsbauten zu einem Wirtschaftshof umgeformt.

Für die Kernburg gab es erst ab 1731 nochmals markgräfliche Bauvorhaben. Carl Wilhelm Friedrich von Brandenburg-Ansbach (reg. 1729 bis 1757) ließ von seinem Baudirektor Leopold Retty Pläne für eine zeitgemäße, fürstliche Raumflucht im Obergeschoss des Neuen Schlosses umsetzen. Sehr intensiv scheint die Cadolzburg nach Vollendung dieses Vorhabens aber nicht mehr genutzt worden zu sein. Erhalten hat sich allemal davon nichts außer Zeichnungen und Grundrissen. Denn Verfall und Zerstörung spülten in den folgenden Jahrhunderten die Spuren dieser Zeit hinweg.

1791 ging das Markgraftum Ansbach und damit auch die Cadolzburg an Preußen, 1806 an das Königreich Bayern. Zwar waren in Cadolzburg bis ins frühe 20. Jahrhundert eine hohe Gerichtsinstanz und das Finanzamt untergebracht, aber ein Großteil der Gebäude konnte nicht adäquat unterhalten werden.

Einige Sanierungsmaßnahmen verdankten sich der hohenzollerischen Vergangenheit: Kronprinz Friedrich Wilhelm von Hohenzollern, später Kaiser Friedrich III., besuchte 1873 die Cadolzburg (als Ehrengabe wurde ihm der sogenannte Cadolzburger Altar vermacht, der sich heute in Berlin befindet), 1898 stiftete Kaiser Wilhelm II. für die restaurierte Oberkapelle der Burg ein Glasfenster.

Eine neue Folterkammer

Auch die Rolle als bedeutendes Baudenkmal trat um 1900 stärker in das Bewusstsein der Fachzunft. Regierungsbaurat Heinrich Thiersch inspizierte und idealisierte den Bau, der einflussreiche Burgenforscher Bodo Ebhardt verbrachte Monate in der Cadolzburg für genaue Zeichnungen und Vermaßungen. Ein erstes kleines Museum für kirchliche Altertümer wurde gegründet. Und ausgerechnet in der Kapelle entstand das, was man sich um 1900 als typisches Mittelalter in einer Burg vorstellte: eine Folterkammer mit teilweise neu hergestellten Objekten.

Weniger von der baulichen als von der weitreichenden historischen Bedeutung getragen, war gewiss die Entscheidung der Nationalsozialisten, just dort nach 1933 eine HJ-Gebietsführerschule einzurichten. Das Neue Schloss wurde umfunktioniert und mit Speise- und Schlafsälen, Turn- und Geräteraum, Küche und Stuben ausgestattet. Tausende junger Menschen wurden dort im Sinne des faschistischen politischen Systems geprägt.

Als am Ende des Zweiten Weltkrieges die amerikanischen Truppen gen Nürnberg vorrückten, diente die Burg als Stützpunkt einer deutschen Kampftruppe, die am 17. April 1945 die US-Einheit unter Beschuss nahm. Im Rahmen der folgenden Schusswechsel ging die Kernburg in Flammen auf, die über Tage weiter loderten, bevor sie ungelöscht ausgingen. Damit endete vorerst die große Geschichte dieser einst so bedeutenden Burg.

Über Jahrzehnte stand die Ruine wie ein Mahnmal ohne Dach offen. Dabei nahmen die verbliebenen Reste weiter Schaden und gefährdeten zuletzt auch die umliegende Marktsiedlung. Erst mit dem Landtagsbeschluss von 1979 konnte der Wiederaufbau endgültig beginnen. In Etappen realisierte der Freistaat diese Aufgabe. 2007 und 2016 wurde das Alte Schloss baulich so wiederherstellt, wie es heutigen denkmalpflegerischen Ansätzen entspricht. Die aktuell eingebrachte Architektur interpretiert dabei auf moderne Weise alte Motive. Die künftige Nutzung: Im Juni eröffnet die Bayerische Schlösserverwaltung das Museum HerrschaftZeiten! Erlebnis Cadolzburg. (Uta Piereth)

Abbildungen:
Die großzügige Burganlage mit Vorburg und Kernburg auf dem Sandsteinmassiv beeindruckt noch heute – nicht nur aus der Luft. (Foto: BSV)

Das äußere Tor zum Markt hin verweist mit seinen Reliefs auf die Ausbauphase unter den ersten Kurfürsten der Hohenzollern im 15. Jahrhundert. (Foto: BSV)

In der Kernburg sind das „Alte Schloss“ mit dem Ochsenschlot und der Kapellentrakt ab Juni Spielort des neuen Museums „HerrschaftsZeiten! Erlebnis Cadolzburg“. (Foto: BSV)

Die Burg stand nach dem Burgbrand 1945 als Ruine über Jahrzehnte offen. Nach den Flammen setzten Wind und Wetter den baulichen Resten – wie hier im Erkersaal – zu. Erst jüngst wurde – mit Hilfe der Dombauhütte Bamberg – der spätmittelalterliche Kamin dort rekonstruiert. (Foto: BSV)

Service
„HerrschaftsZeiten! Erlebnis Cadolzburg“ heißt es ab 24. Juni 2017 im neuen Museum auf der Cadolzburg. Besucherinnen und Besuchern soll das späte Mittelalter mit innovativen Vermittlungskonzepten spannend und kenntnisreich, spielerisch und auch auf sinnlichem Weg nahegebracht werden. Natürlich erwarten die Besucher auch etliche eindrucksvolle Originale des Mittelalters. Andere Objekte wurden auf der Grundlage aufwändiger Forschungen in historischen Techniken eigens für das Museum angefertigt.
Die Kulturvermittlung der Bayerischen Schlösserverwaltung bietet ein vielfältiges Begleit- und Veranstaltungsprogramm an – für den kleinen Edelmann ebenso wie für den Burgenkenner.
Burg Cadolzburg, 90556 Cadolzburg. April bis September 9-18 Uhr, Oktober bis März 10-16 Uhr; montags geschlossen.
www.burg-cadolzburg.de

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