Unser Bayern

Mit einem Tag Verspätung schwebte Graf Zeppelin mit seiner „fliegenden Zigarre“, wie die Luftschiffe gerne scherzhaft genannt wurden, doch noch über München ein und landete auf dem Oberwiesenfeld. Weitere historische Aufnahmen in der gedruckten Ausgabe von UNSER BAYERN. (Foto: Archiv der Luftschiffbau Zeppelin GmbH)

24.03.2017

Wurst unter wilden Wolken

1909 reiste Graf Zeppelin mit dem LZ 3 nach München – kam aber nach einem Zwangsstopp einen Tag verspätet an

Vor 100 Jahren, am 8. März 1917 starb Graf Ferdinand von Zeppelin. Wenn man seinen Namen hört, denkt man heute sofort an das von ihm konstruierte Luftschiff – man spricht vom Zeppelin, selbst wenn es sich um das Luftschiff eines anderen Konstrukteurs handelt und nur so ähnlich aussieht.

Eigentlich war der 1838 in Konstanz geborene Graf ein General der Kavallerie. Ende des 19. Jahrhunderts beschäftigte er sich mit der Konstruktion von Starrluftschiffen, wie sie exakt hießen. 1895 reichte er seine Erfindung als Patent ein. Im Sommer 1900 war es soweit und es hieß „Leinen los!“ für das erste seiner Luftschiffe. 17 Minuten dauerte die Jungfernfahrt des LZ 1 (Luftschiff Zeppelin 1). Da es in Friedrichshafen gebaut und gestartet war, konnte es nur von den Ufern des Bodensees aus verfolgt werden. Auch wenn die Ausflüge stetig länger wurden – sehr weit vom Bodensee konnte sich das 128 Meter lange Ungetüm nicht wegbewegen.

Im Frühling 1905 begann man mit dem Bau eines zweiten Luftschiffs, des LZ 2. Die Arbeiten dauerten ein gutes halbes Jahr. Nach einem misslungenen Startversuch kam es am 17. Januar 1906 zu seinem ersten – und gleichzeitig einzigen – Aufstieg. Technische Probleme ließen es von der Route abkommen. LZ 2 musste im Allgäu auf hartem Boden landen und wurde dabei derart beschädigt, dass man es abwrackte. Die Rede von Graf Zeppelin als „Narr vom Bodensee“ machte die Runde.

Dieser Fehlschlag ließ die Luftschiffbauer jedoch nicht entmutigt aufgeben, ganz im Gegenteil: Sie lernten aus den Erfahrungen und sannen auf Verbesserung der Antriebstechnik. Kein Jahr nach dem fehlgeschlagenen Versuch mit dem LZ 2 startete LZ 3: Am 9. Oktober 1906 bewies es bei einer zweistündigen Probefahrt, dass es technisch zuverlässig war. Der Durchbruch war geschafft. Am nächsten Tag wagte man sogar eine erneute Fahrt – dieses Mal mit elf Passagieren an Bord (früher sprach man von Zeppelinfahrt, heute von Flug, während der Ballon noch immer „fährt“). Beide Fahrten gingen über den Bodensee in die Schweiz, bis Rorschach.

Nun waren die meisten Skeptiker überzeugt: Der Zeppelin musste ein Erfolg werden! Die öffentliche Meinung änderte sich und der bisher bestenfalls bemitleidete Erfinder fand nun allgemeine Anerkennung. Staatliche Gelder flossen und man begann mit dem LZ 4, der allerdings im Sommer 1908 bei einem Flug über Baden-Württemberg nach der Landung nahe Echterdingen bei Stuttgart von einer Windböe erfasst wurde und dabei großen Schaden erlitt.

Nach diesem Unglück war LZ 3 das einzige flugtaugliche Luftschiff, das, umgebaut und mit stärkeren Motoren ausgestattet, nach und nach weitere Fahrten über dem Bodensee absolvierte. Am 9. November 1908 wurde es als Z I vom Deutschen Reich für einen „namhaften Betrag“, wie es hieß, übernommen. Kaiser Wilhelm II. war von dem Luftschiff derart begeistert, dass er am 10. November 1908 persönlich nach Friedrichshafen reiste und Graf Zeppelin zum größten Deutschen des 20. Jahrhunderts erklärte – nachdem er ihn wenige Jahre zuvor noch als den „Dümmsten aller Süddeutschen“ bezeichnet hatte.

Wenige Monate später, am 1. April 1909 startete das Luftschiff LZ 3 alias Z I zu seiner ersten „Fernfahrt nach München“. Nachdem in der bayerischen Haupt- und Residenzstadt das Telegramm eingetroffen war: „Fahrt nach München für morgen Donnerstag beabsichtigt. Eintreffen gegen 9 Uhr. Graf Zeppelin“, herrschte hektische Betriebsamkeit. Durch Anschläge und Zeitungsnotizen wurde das bevorstehende Ereignis bekannt gemacht. Überall wurde das Luftschiff, das vom Grafen höchst persönlich gesteuert wurde, neugierig erwartet. Das erste Luftschiff über der Stadt: Eine heute kaum mehr vorstellbare Sensation. Die Häuser waren beflaggt; eigene Postkarten wurden gedruckt und die Zeitungen waren voll von Berichten über das Ereignis. Den Münchnern wurde empfohlen, entweder auf die Theresienwiese zu gehen oder auf das Oberwiesenfeld (an der Stelle des heutigen Olympiageländes)... (Cornelia Oelwein)

Lesen Sie den vollständigen Beitrag in der März/April-Ausgabe von UNSER BAYERN (BSZ Nr. 12 vom 24. März 2017)

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