Unser Bayern

Hopfen - das Grüne Gold. (Foto: dpa)

19.09.2014

„Zupfa und net rupfa!“

Im grünen Goldrausch: Vom Hopfen und Hopfenzupfen nördlich und südlich der Donau

Autofahrer kennen die sanft hügelige Ackerlandschaft mit den eingestreuten Gehöften, dunkelgrünen Wäldern und zwiebelgetürmten Kirchen oft nur vom Vorbeifahren. Wer auf der A9 von München nach Nürnberg unterwegs ist, dem fallen spätestens ab Reichertshausen die unzähligen Drahtgerüstanlagen auf den Feldern auf, an denen von April bis August in rasanter Geschwindigkeit Hopfen heranwächst. Die Hallertau, die sich zwischen Isar und Donau, Paar und Laaber erstreckt und teils zu Oberbayern, teils zu Niederbayern gehört, ist Deutschlands Hauptanbaugebiet für Hopfen. Im Spätsommer ist es Zeit, die zapfenartigen Blütenstände der Pflanze, die Hopfendolden, vom Feld zu holen.

„Hopfen und Malz, Gott erhalt‘s": Man weiß, dass Hopfen einer der Hauptbestandteile beim Bierbrauen ist. Weniger bekannt ist, dass die Wildform der ausdauernden Pflanze aus der Familie der Hanfgewächse in unseren Flussauen natürlich vorkommt. Schon früh hatte man herausgefunden, dass die Dolden der weiblichen Pflanzen mit ihren Inhaltsstoffen nützlich sind, um das Bier haltbarer zu machen und es nebenbei auch noch zu würzen. Entsprechend kultivierten die Menschen seit dem Mittelalter Hopfen an sonnigen Hängen für ihren lokalen Bedarf.

Die ältesten Hopfengärten in Bayern sollen Urkunden zufolge im 8. Jahrhundert n.Chr. auf dem Gebiet des Hochstifts Freising gelegen haben. Nachfolgend jedoch spielte der Hopfenbau dort und auch in der benachbarten Hallertau keine besondere Rolle, es blieb jahrhundertelang beim kleinflächigen, verstreuten Anbau für die lokale Produktion von Bier. Wurde mal mehr gebraut, deckten sich die Brauer – ob Klosterbrüder, Adlige oder Bürger – mit Hopfen aus Böhmen oder aus Norddeutschland ein. Ansonsten wurden allerorten Weinstöcke kultiviert, denn anders als das Bier konnte man Wein länger aufbewahren.

Und doch gab es nördlich der Donau Gebiete, in denen sich der Hopfenanbau schon Mitte des 15. Jahrhunderts stark entwickelte. Größere Hopfengärten lagen beispielsweise im heutigen Mittelfranken um die Reichsstadt Nürnberg bei Altdorf, Lauf und Hersbruck, außerdem bei Neustadt a. d. Aisch, im Raum Spalt und im fränkischen Jura. Der Spalter Hopfen war von besonders guter Qualität, so dass der Stadt im Jahr 1538 das weltweit erste Hopfensiegel verliehen wurde, das den Spalter Bauern den „Markenschutz" ihres Produkts sicherte. Im Laufe der Zeit entwickelte sich der Spalter Hopfen zu einem ernstzunehmenden Konkurrenten für den Hopfen aus Böhmen und man schwärmte, dass es „nur Himmel und Hopfen" um das Städtchen gäbe.

Erst im 19. Jahrhundert erlebte der Hopfenanbau in ganz Bayern einen spürbaren Aufschwung – im Zuge einer generellen Erneuerung und Förderung der Landwirtschaft im gerade entstandenen Königreich. Der Erdinger Agrarreformer und Volksaufklärer Simon Rottmanner beispielsweise verfasste 1808 den „Aufruf an meine Landsleute in Baiern zum häufigern Anbau des Hopfens". Darin pries er den Hopfen als Fortschrittspflanze und wies auf den sicheren Gewinn hin, wenn die einheimischen Bierbrauer, die dank der inzwischen gestiegenen Nachfrage nach Bier mehr zu brauen hatten, nur mehr inländischen Hopfen verwendeten. Der klimatisch bedingte Rückgang des Weinanbaus und die Entwicklung der Eisenbahn spielten sicherlich auch eine Rolle, dass der Hopfenanbau nun überall, wo es möglich war, zunahm. Besonders günstig waren die Bedingungen in der Hallertau, an den Hängen des Tertiärhügellandes mit ihren tiefgründigen Lößböden.

Als man Mitte des Jahrhunderts mit dem Verkauf von Hopfen Rekordpreise erzielen konnte, erreichte die Zunahme der Hopfenkultur beinahe „goldrauschhafte" Züge. Der damals ins Leben gerufene Nürnberger Hopfenmarkt entwickelte sich zum führenden Welthandelsplatz für Hopfen. 1892 lag die gesamte Anbaufläche Frankens bei rund 15 000 ha, die der Hallertau bei rund 8200 ha. Zu Beginn des 20. Jahrhunderts avancierte dann die Hallertau zum Hopfenanbaugebiet Nr. 1 in Deutschland. Früh setzte sich dort die Kultur mit Drahtgerüstanlagen durch. 1932 waren bereits 98 Prozent der Flächen damit überzogen. Im Gegensatz dazu hielt sich in Franken, besonders im „Hersbrucker Gebirge", noch lange die arbeitsintensive Stangenkultur. Überhaupt konnten die fränkischen „Hopfagärtla" mit ihren oft arg zersplitterten, winzigen und bergigen Anbauflächen mit der zunehmenden Intensivierung des Hopfenbaus, wie sie in der Hallertau stattfand, nicht mithalten und viele der Anlagen wurden nach und nach aufgegeben.

Wenngleich der Aufstieg der Hallertau als Hopfenanbauregion bedingt durch die Weltkriege, auftretende Hopfenkrankheiten etc. keinesfalls geradlinig und ohne Rückschläge verlief, erreichte das Anbaugebiet sogar am Weltmarkt die führende Position. Heute kommt rund ein Drittel des weltweit verwendeten Hopfens aus der Hallertau. Im Jahr 2013 wurde dort – verteilt auf insgesamt 989 Betriebe in 15 Siegelbezirken – auf 14 086 ha Hopfen angebaut. Im Vergleich dazu betrug 2013 die Hopfenanbaufläche im fränkischen Spalt – verteilt auf 62 Betriebe in zwei Siegelbezirken – gerade mal 350 ha.

Auf vielen früheren Anbauflächen Frankens ist die Hopfenkultur verschwunden und nur die da und dort noch vorhandenen Hopfenbauernhäuser mit ihren langgezogenen Trockengauben im Dach erinnern an vergangene Zeiten. Bemerkenswerterweise gehören die noch verbliebenen Restflächen um Hersbruck, Altdorf etc. im heutigen Landkreis Nürnberger Land – mit anderen Gebieten unter dem Siegelbezirk Hersbruck zusammengefasst – seit geraumer Zeit zum Anbaugebiet der Hallertau.

Der Hopfengarten müsse „jeden Tag seinen Herrn sehen", heißt es. Gemeint sind die vielen Arbeitsschritte, die regelmäßig im Laufe des Jahres erforderlich sind. Die größte Herausforderung für den Hopfenbauer stellt ohne Zweifel die Ernte der Hopfendolden dar, die in der zweiten Augusthälfte beginnt und für mehrere Wochen das Leben der Bauern bestimmt. Es herrscht Zeitdruck: Die reifen Dolden müssen schnell vom Feld gebracht werden, sonst verfärben sie sich und verlieren an Wert... (Petra Raschke)

Lesen Sie den vollständigen Beitrag in der September-Ausgabe von Unser Bayern (BSZ Nr. 38 vomn 19. September 2014)

Abbildungen:

Gebrochenes Satteldach, sechs luftige Trockenböden übereinander: Das Mühlreisighaus bei Spalt ist architektonisch besonders auffallend. Es wurde 1746 fertiggestellt. Heute steht es unter Denkmalschutz. Die Aufnahme stammt aus dem Jahr 1958.    (Foto: dpa)

Zur Hopfenernte wurde vielerorts die Gute Stube zur Zupfstube umfunktioniert – nämlich dort, wo die Bauern ihr „grünes Gold“ noch an Stangen hochzogen. Das Foto stammt aus der Sammlung Friedrich Hetzner im  Fränkischen Freilandmuseum Bad Windsheim.

 

 

 

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