Wirtschaft

Karl-Heinz Krüger ist sich sicher, dass sich der Luftverkehrsmarkt auch wieder dreht und mittelgroße Flughäfen wie der Nürnberger wieder in Aufwind kommen. (Foto: Schweinfurth)

25.10.2013

40 Jahre in der Luftverkehrsbranche

Nürnbergs Flughafenchef geht in den Ruhestand

Er war Flugmessingenieur, baute den Nürnberger Flugdienst mit auf, anschließend etablierte er mit Hans Rudolf Wöhrl die Eurowings und in den vergangenen 12 Jahren führte er die Geschäfte des Nürnberger Flughafens. Die Rede ist von Karl-Heinz Krüger. Der „fränkische Herr der Lüfte“, der sogar selbst die Lizenz zum Fliegen hat, geht jetzt in den Ruhestand, obwohl er offiziell noch zwei Jahre die Geschicke am Nürnberger Airport hätte lenken dürfen. Doch er will die Bahn freimachen, für seinen Nachfolger Michael Hupe, den bisherigen Geschäftsführer des Flughafens Dresden. Dieser soll jetzt für einen Neuanfang sorgen. Denn seit dem Rückzug von Air Berlin ist der Flughafen im Knoblauchsland wirtschaftlich in Schieflage geraten. An die 130 Millionen Euro Schulden lasteten zum Jahresabschluss 2012 auf der Flughafen Nürnberg GmbH (2010 waren es noch 143 Millionen Euro).
Air Berlin hat über sieben Jahre lang sein touristisches Winterdrehkreuz in Nürnberg betrieben. Das bedeutet, Passagiere aus anderen Städten Deutschlands sind in der Frankenmetropole umgestiegen, um anschließend an ihre Urlaubsziele weiterzufliegen. Das bescherte dem Nürnberger Flughafen in der Spitze pro Jahr bis zu 1,5 Millionen Passagiere zusätzlich und Einnahmen von rund 260 Millionen Euro. Aber diese glücklichen Zeiten sind vorbei.
Der Nürnberger Flughafen ist wieder in seiner Realität, die der des Jahres 2002 entspricht, angekommen. Das originäre Fluggastaufkommen am Airport der Noris beträgt 3 Millionen Fluggäste pro Jahr. Damit gehört er zur Klasse der „mittleren Flughäfen“ in Deutschland. Eingezwickt in die Sandwichlage zwischen den beiden internationalen Luftverkehrsdrehkreuzen Frankfurt/Main und München musste der Nürnberger Flughafen schon immer kämpfen. Doch aufgrund der Krise in der Luftfahrt leidet er derzeit besonders. Der Sparzwang bei den Airlines, der Trend zu immer größeren Flugzeugen, die Luftverkehrsabgabe und die Nähe zu den beiden Großflughäfen sind Gift für Nürnberg.
Doch Krüger, der in 40 Jahren Tätigkeit in der Luftverkehrsbranche so einige Zyklen mitgemacht hat, ist für seinen Nachfolger zuversichtlich. „Die Zeiten ändern sich auch wieder. Und dann wird der Regionalflug wiederentdeckt“, sagt er zur Staatszeitung. Bis dahin müsse der Neue am Airport Nürnberg das Entwicklungskonzept (BSZ berichtete) abarbeiten. Dieses sieht neben 32 neuen Flugverbindungen diverse Potenziale im nicht-fliegerischen Bereich (Kongresszentrum am Flughafen in Kooperation mit der NürnbergMesse, Ausweitung des Ladenzeile im Flughafen, Neubau eines weiteren Hotels am Flughafen, etc.). „Inzwischen haben wir das dritte Beraterteam im Haus gehabt“, sagt Krüger. Doch wesentlich neue Erkenntnisse haben die auch nicht gebracht – vergleicht man Krügers Entwicklungsideen mit denen der Gutachter.
Denn an einer Tatsache kommt niemand vorbei, die Branchenkenner Krüger auf den Punkt bringt: „Man braucht immer eine Airline, die bereit ist, ins Risiko zu gehen und eine neue Strecke aufzumachen.“ Und das tun die Fluggesellschaften nur, wenn genügend Fluggäste vorhanden sind.
Etwas enttäuscht ist Krüger von der Politik, die im Aufsichtsrat des Flughafens sitzt. Die erfolgreiche Zeit mit Air Berlin ist ihr sehr gelegen gekommen. Doch die Rückkehr in die Nürnberger Realität hat man Krüger angelastet. Doch der steht immer noch zum Drehkreuz mit Air Berlin: „Jeder andere an meiner Stelle hätte diese betriebswirtschaftliche Chance auch genutzt. Alles andere wäre aus Geschäftsführungssicht sträflicher Leichtsinn gewesen.“
(Ralph Schweinfurth)

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