Wirtschaft

Der vbw Index der bayerischen Wirtschaft. (Grafik: vbw)

15.05.2015

Bayerns Wirtschaft wächst

vbw Index für das Frühjahr 2015

„Die wirtschaftliche Entwicklung in Bayern ist aufwärts gerichtet, die Konjunktur läuft.“ Der Präsident der vbw – Vereinigung der Bayerischen Wirtschaft, Alfred Gaffal, rechnet für 2015 mit einem ordentlichen Wachstum. Allerdings, so Gaffal, würden die entscheidenden Impulse von Sonderfaktoren wie zum Beispiel dem günstigen Ölpreis, der Euroschwäche und den niedrigen Zinsen herrühren. Deshalb sei es auch fraglich, ob diese Aufwärtsbewegung nachhaltig ist. Vor allem aber würden strukturelle Herausforderungen die gute Konjunktur überdecken, bedauerte der vbw-Präsident bei der Vorstellung des vbw Index für das Frühjahr 2015.

Optimistisch in die Zukunft

Die bayerische Wirtschaft ist im Jahr 2014 um 1,8 Prozent gewachsen (deutschlandweit: + 1,6 Prozent). Mit 169 Milliarden Euro erreichte sie zudem einen neuen Exportrekord.
Im Vergleich zur letzten Erhebung im Herbst 2014 stieg der Frühjahres-Index um neun Punkte und notiert jetzt bei 127 Punkten. Das ist aber weniger als im Frühjahr 2014 mit 133 Punkten. Wie im Herbst 2014 liegt der Lageindex Wachstum in der Frühjahreserhebung 2015 bei 129 Punkten. Verbessert hat sich der Prognoseindex Wachstum. Er stieg von 114 Punkten auf 125 Punkte. Der Lageindex Beschäftigung legte um fünf auf 127 Punkte zu, der Prognoseindex Beschäftigung verbesserte sich um 18 auf 126 Punkte. „Die Zahlen zeigen, dass die bayerische Wirtschaft optimistisch in die Zukunft blickt. Insbesondere die Erfolgsgeschichte am Arbeitsmarkt wird sich fortsetzen. Die offenen Stellen und die Pläne der Unternehmen signalisieren ein weiteres Beschäftigungswachstum im Freistaat“, so Gaffal.
Der gefallene Ölpreis entlaste nicht nur die Unternehmen, sondern erhöhe gleichzeitig auch die Kaufkraft der Konsumenten. Vom schwachen Euro kann Bayern laut Gaffal überdurchschnittlich profitieren. Denn auf die Industrie entfallen mehr als 90 Prozent der Exporte.
Der industrielle Wertschöpfungsanteil des Freistaats liegt bei 26,5 Prozent. Außerdem würde die bayerische Wirtschaft überdurchschnittlich viel in Länder außerhalb der Eurozone exportieren. 2014 waren das 112 Milliarden Euro. Das waren 66 Prozent der Gesamtexporte. Besonders gelte das für Exporte in die USA. Bayerns Überseeexporte summieren sich auf 19,7 Milliarden Euro. Das waren knapp zwölf Prozent aller Exporte. „Das bedeutet“, so der vbw-Präsident, „dass der schwache Euro bei uns stärker zum Tragen kommt.“
Von der Weltwirtschaft erwartet Gaffal erneut unterschiedliche Impulse. Wenig Verständnis bringt er für die Entwicklung in Griechenland auf. „Was wir hier derzeit erleben, ist eine Blockade der europäischen Finanzpolitik. Griechenland muss endlich ein konkretes und wirkungsvolles Reformprogramm vorlegen.“ Demgegegenüber freut sich der vbw-Präsident über die in den ersten beiden Monaten um 9,2 Prozent gewachsenen Ausfuhren in die USA.

Politik ist in der Pflicht


Mit Sorgenfalten blickt Gaffal auf die Entwicklung in Russland. Die Exporte dorthin seien massiv eingebrochen, im Januar um 35,6 Prozent und im Februar sogar um 41,2 Prozent. Der vbw-Präsident betonte, dass es politische Notwendigkeiten gibt, die der vbw nicht in Frage stellt, „aber wir dürfen vor allem auf der wirtschaftlichen Ebene nicht alle Drähte durchschneiden“. Die Globalisierung brauche stabile politische Verhältnisse. Dazu gehöre auch Russland. „Dazu brauchen wir Russland. Ohne Russland sind die vielen geopolitischen Krisen nicht zu lösen.“
Für das laufende Jahr rechnet die vbw mit einem Anstieg des Bruttoinlandsprodukts in Bayern in Höhe von gut zwei Prozent. „Allerdings ist es fraglich, ob die konjunkturelle Aufwärtsbewegung nachhaltig ist. Nicht auszuschließen ist, dass der Konjunktur wie im letzten Sommer die Luft ausgeht“, so vbw-Präsident Gaffal.
Für einen langfristigen Aufschwung muss laut vbw deshalb die anhaltende Investitionsschwäche am Wirtschaftsstandort überwunden werden. „Die Unsicherheit ist unverändert hoch. Regulierungen und Kontrollbürokratie belasten die Unternehmen, Energie- und Arbeitskosten steigen weiter an, die geopolitischen Risiken, zum Beispiel in der Ukraine oder im arabischen Raum, sind nicht geringer geworden, und auch die Entwicklung in Griechenland ist unsicherer denn je“, mahnte Gaffal.

Kritik an Kontrollbürokratie

Der vbw Präsident nahm daher besonders die Politik in die Pflicht, denn die gute Konjunktur ist kein Selbstläufer. Sie verdecke nur die Notwendigkeit für strukturelle Reformen. „Wir dürfen uns von den gegenwärtig guten Konjunkturdaten nicht blenden lassen.“ Besonders kritisch sieht Gaffal, wie bereits kurz ausgeführt, die immer größer werdende Kontrollbürokratie, die die Unternehmen und das Wachstum bremst. (Friedrich H. Hettler)

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