Wirtschaft

Energiedorf Mausdorf, ein Ortsteil von Emskirchen: Die Biogasanlage erzeugt Strom und Wärme. Damit werden 20 Häuser ebenso beheizt wie die Weiler Werkzeugmaschinen GmbH und andere Gewerbebetriebe. Im Hintergrund die beiden Windkraftwerke der Reuthwind GmbH. (Foto: Wraneschitz)

13.07.2012

Betriebsanleitung für die Energiewende

Wind-, Solar- und Bioenergie versorgen Mausdorf mit Strom und Wärme

Am Ende setzte Bayerns Landwirtschaftsminister Helmut Brunner (CSU) seine Unterschrift auf einen eingegrabenen Windmühlenflügel am Ortseingang von Mausdorf. Sein Fazit nach über zwei Stunden Information über das „Energiedorf“ von Emskirchen: „Mausdorf wirkt fast wie eine Betriebsanleitung für die Energiewende.“

„Mausdorf hat Energie!“ steht auf einer Reihe Infotafeln im Milchhaus des Emskirchner Ortsteils. Mitten hinein ins Dorf wurde dieser als Niedrigenergiehaus gebaute Dorftreffpunkt gesetzt. 3500 Stunden Eigenleistung haben die Dörfler für den Schlusspunkt der Dorferneuerung aufgewendet.
Relativ spät, erst 2005 haben sich die Mausdorfer und Pirkacher mit der Flurbereinigung anfreunden können. Aber am Ende „haben die Mausdorfer die Chancen erkannt“, die ihnen die auch finanzielle Unterstützung bei der Neuordnung der Fluren und der Dorferneuerung boten, erinnert sich Bürgermeister Harald Kempe (ÖDP). Und danach, ermutigt durch das Amt für Ländliche Entwicklung, haben „die Menschen Mausdorf verändert und mehr eingeweiht, als wir uns je vorstellen konnten“, bilanziert Kempe schmunzelnd.
Helmut Brunner lobt das Dorf über den grünen Klee, nennt „Mausdorf Nobelort mit einer edlen Einstellung. Sie liefern das Beispiel, dem andere nacheifern sollten, wenn möglich in ganz Bayern. Denn das hier ist nicht durchschnittlich, sondern herausragend.“


In Mausdorf gibt es den optimalen Öko-Energiemix

„Das hier“: Das ist vor allem die Vision der Dorfbewohner, einen für Mausdorf optimalen Öko-Energiemix für Wärme und Strom auf die Beine zu stellen. Die Gemeinschaft steht für sie im Vordergrund, betonen alle. So haben „acht Landwirte gemeinsam die Biogasanlage auf die Beine gestellt“, erzählt Uwe Markert, einer der acht.
Zunächst waren es die niedrigen Weizenpreise von 10 Euro je Doppelzentner der Jahre 2003 bis 2005, über Biogas nachzudenken. Doch später setzte sich bei den Bauern die Erkenntnis durch, „das Erneuerbare Energien-Gesetz schafft 20 Jahre Planungssicherheit mit festen Einspeisepreisen für Strom“, so Markert.


Anlage durch Wärmeverkauf besser ausnutzen


Und dann ergab sich noch die Möglichkeit, der Maschinenbaufirma Weiler Wärme zu verkaufen und dadurch die Anlage und die jährlich etwa 16.000 Tonnen Rohstoffe besser auszunützen. Wobei die eine Hälfte des verwendeten Rohstoff-Substrats Gülle und Mist aus den Ställen der Bauern ist, wesentlich mehr als bei anderen Biogasanlagen üblich. Nur die anderen 50 Prozent sind nachwachsende Rohstoffe, also Zwischenfrüchte, Gras- und Maissilage.
Reuthwind ist ebenfalls eine Gemeinschaft von Mausdorfern und Pirkachern. Gemeinsam haben sie zwei Windkraftanlagen für über 7 Millionen Euro auf die Wiesen gestellt. Die Windmühlen produzieren jährlich 8 Millionen Kilowattstunden (kWh) Strom. Hauptsächlich wegen der Wind- und Biokraft, auch wegen einer Reihe von Photovoltaik-Anlagen exportiert Mausdorf 25 mal mehr Strom, als im Dorf verbraucht wird.
Bliebe noch die Bioenergie Mausdorf GmbH. Eine Hackschnitzelheizung stellt neben der Biogasanlage genug Wärme für 20 Wohnhäuser, ein Pferdegestüt und mehrere weitere Betriebe her. Die pro Jahr benötigten 1000 Kubikmeter gehäckseltes Holz liefert die Waldgenossenschaft Mausdorf zu.
Die Wärmelieferung erfolgt über ein Nahwärmenetz von 1370 Metern Länge. Auch das haben die Mausdorfer selbst gebaut, oder wie Minister Brunner sagt, „die Ärmel hochgekrempelt und geschaut, wo man was machen kann“. Womit sie des Ministers Wunsch für den ganzen Freistaat, „Bei der Energieversorgung nicht von anderen abhängig zu sein, weil da die Wertschöpfung im Land bleibt“, schon ziemlich gerecht werden.
Doch „Mausdorf ist nur ein Ortsteil von Emskirchen. Und wir haben noch viele Ortsteile“, und verspricht Harald Kempe, dass die örtliche Energiewende weitergeht. Doch dazu hat er einen Wunsch an Helmut Brunner: Der dürfe „nicht zulassen, dass durch die Bürokratie gebremst und verhindert wird, dass Engagement zustande kommt“, verabschiedet der ÖDP-Bürgermeister den CSU-Minister. Denn die Regelierungswut aus München, Berlin und Brüssel sei kontraproduktiv.
Damit Helmut Brunner sich immer an Mausdorf erinnert, bekommt er noch ein Geschenk, eine „Durchwachsene Silphie“. Diese Energiepflanze kann über zwei Meter hoch wachsen. In Emskirchen liegt Bayerns größtes Anbaugebiet für „die Silphie“. (Heinz Wraneschitz)

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