Wirtschaft

06.08.2010

Cloud Computing: Logistik in der Wolke

Fraunhofer-Forscher halten die IT auf Trab

Mit Cloud Computing und einer Logistics Mall für Lösungsanbieter und -nutzer sorgen Fraunhofer-Forscher dafür, dass die IT mit dem rasanten Entwicklungstempo der Logistik Schritt hält. Ohne die Dienstleistungen des Transportierens und Lagerns läuft nichts in der Wirtschaft. Die Logistik ist mit einem Umsatz von mehr als 200 Milliarden Euro pro Jahr in Deutschland die drittgrößte Branche nach der Automobilindustrie und dem Maschinenbau. Für Industrie und Handel ist sie nicht nur Kosten-, sondern auch Wettbewerbsfaktor. Die Logistik hat sich vom klassischen Dreiklang „Transport, Umschlag und Lagerung“ zu einem wachsenden Dienstleistungsmarkt entwickelt, die nur durch eine individuell gestaltete Informations- und Kommunikationstechnik realisierbar sind.

Doch ausgerechnet die IT ist zur Bremse geworden. Die Realisierungszeit heutiger Logistiksysteme ist im Verhältnis zur Nutzungsdauer zu lang. So haben Geschäftsmodelle und -strategien in Industrie und Handel derzeit einen typischen Lebenszyklus von zwei bis drei Jahren, dann sind sie meist veraltet. Die Modellierung adäquater, logistischer Geschäftsprozesse beansprucht jedoch eine Realisierungszeit von bis zu zehn Monaten, bei einer gleichzeitigen Erneuerung von Hard- und Software sogar bis zu 24 Monaten. „Strategische Investitionen sind vor diesem Hintergrund kaum möglich“, erklärt Ulrich Springer, Abteilungsleiter „IT in der Logistik“ am Dortmunder Fraunhofer-Institut für Software- und Systemtechnik ISST.
Um die IT-Unterstützung logistischer Prozesse für die in der Logistik vorwiegend mittelständischen Unternehmen flexibler zu machen, erforscht das ISST gemeinsam mit dem Dortmunder Fraunhofer-Institut für Materialfluss und Logistik IML sowie der Technischen Universität Dortmund seit 2009 das Thema „Cloud Computing für die Logistik“. Die Industriepartner dieses Fraunhofer- Innovationsclusters sind Logistikkunden, Logistikdienstleister, Logistik-IT-Dienstleister und IT-Infrastruktur-Anbieter.
Beim Cloud Computing befinden sich Anwendungen und Daten eines Unternehmens nicht mehr auf den lokalen Rechnern, sondern in der Wolke, englisch „Cloud“, die als Metapher für das Internet steht. Der Zugriff auf die entfernten Systeme erfolgt über einen Webbrowser. Cloud Computing ermöglicht aber auch IT-Dienstleistern die schnelle Entwicklung und Bereitstellung von Logistik-IT-Diensten ohne Investitionen in die eigene Infrastruktur. So können auch kleinere IT-Dienstleister Logistik-Diensteplattformen als Software-as-a-Service-Angebote realisieren.
Fraunhofer IML und ISST haben dieses Konzept im Rahmen des Innovationsclusters als Logistics Mall umgesetzt. Die Logistics Mall ist ein virtueller Marktplatz, auf dem Logistik-Software „as-a-Service“ angeboten werden kann.
Die Software wird über die Mall zur Verfügung gestellt. Nach Abschluss eines Nutzungsvertrages kann der Kunde mittels eines Internet-Browsers auf seinen eigenen privaten Bereich der Mall zugreifen und die Software anwenden. Die Abrechnung erfolgt nutzungsabhängig über den Betreiber der Mall. »Damit wird Unternehmen ermöglicht, ihre benötigten Logistik-Dienstleistungen bedarfsbezogen zusammen zu stellen und in der Mall zu betreiben«, erläutert Springer.
Bereits Ende 2009, Anfang 2010 hatte eine erste Umfrage zur Akzeptanz der Logistics Mall unter den potenziellen Anwendern stattgefunden. Sie ergab, dass viele dem Thema Cloud Computing in der Logistik weitaus offener gegenüberstehen, als angenommen und das Konzept den Anforderungen des Marktes entspricht. „Der Markt ist reif“, unterstreicht Oliver Wolf, Projektleiter des Innovationsclusters zur Logistics Mall am IML, „das Thema muss nur umgesetzt werden“.
Als Anwendungsszenarien sind unter anderem mobile Logistik und temporäre Qualitätssicherung von Logistik-Dienstleistungen vorgesehen. Bei der temporären Qualitätssicherung werden ambulante Datenerfassungsdienste – zum Beispiel Kameras, RFID-Sensorsysteme – mit Auswertungsdiensten zu einem komplexen Logistikqualitätsmanagement verknüpft. Mobile Logistiklösungen, etwa ein mobiles Lager, sind dadurch gekennzeichnet, dass eine Vielzahl von Diensten zu der Lösung kombiniert werden müssen. Die Bandbreite reicht von der Lagerhalle über Regalsysteme und damit verbundene Kommissioniersysteme unterschiedlichen Automatisierungsgrades bis zum Yard-Management, der Frachthofverwaltung.
Das Projekt ist auf einen Zeitraum von drei Jahren angesetzt und wurde erstmals auf der Fachmesse LogiMAT 2010 Anfang März in Stuttgart vorgestellt. „Bereits im Sommer wollen wir zwei Pilotkunden in die Mall einbinden“, erklärt Wolf. Zunächst sollen Stand-alone-Lösungen mehrerer Anbieter mit Tools zur Zollabwicklung, Gefahrenstoffverwaltung und zur elektronischen Inventur angeboten werden. Im Oktober 2010 werden dann erste Ergebnisse vorgestellt.
Die Arbeiten des Fraunhofer-Innovationsclusters an der Logistics Mall fließen auch in das „EffizienzCluster LogistikRuhr“ ein, das am 26. Januar 2010 unter Federführung des IML den Spitzenclusterwettbewerb der Bundesregierung gewonnen und sich damit für die kommenden fünf Jahre Fördermittel in Höhe von rund 40 Millionen Euro gesichert hat. Im Rahmen des EffizienzClusters entwickelt das ISST beispielsweise zusammen mit Orga Systems, MT AG und Sopera ein „Service Design Studio“, das eine „Cloudisierung“ von Logistik-IT-Diensten ermöglichen wird – eine Funktionalität, die im Rahmen beider Cluster benötigt wird. (BSZ)
Weitere Informationen zum „Fraunhofer-Innovationscluster Logistics Mall – Cloud Computing in der Logistik“ bietet die Website: www.ccl.fraunhofer.de

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