Wirtschaft

Beim „Asien-Pazifik Forum Bayern“ standen die Philippinen als Partnerland im Mittelpunkt. (Foto: Schweinfurth)

07.07.2017

Den Blick auf andere Weltregionen richten

Beim 13. „Asien-Pazifik Forum Bayern“ in Fürth wurden knapp 400 Unternehmen beraten

Je mehr sich Länder wie die USA abschotten, desto stärker muss der stark von Exporten abhängige Freistaat den Blick auf andere Weltregionen richten. Dies wurde beim diesjährigen „Asien-Pazifik Forum Bayern“, das bereits zum 13. Mal stattfand, in der Stadthalle in Fürth mehr als deutlich. Sowohl Bayerns Wirtschaftsstaatssekretär Franz Josef Pschierer (CSU) als auch Dirk von Vopelius, Präsident der IHK Nürnberg für Mittelfranken, betonten dies. „Freihandel lohnt sich wohingegen der Protektionismus keine Gewinner kennt. Es ist daher, gerade für ein exportstarkes Land wie Bayern, wichtig, dass wir zusammen mit unseren ausländischen Partnern in gemeinsame Wertschöpfung, in Wohlstand und Arbeitsplätze investieren“, so Pschierer.

Darum fügt sich auch die neue Idee des IHK-Präsidenten perfekt in diese Ausrichtung auf Freihandel ein: „Der Freistaat unterhält in Kooperation mit den Industrie- und Handelskammern in wichtigen Regionen der Welt Auslandsrepräsentanzen. Wir sollten aber vor allem im asiatischen Raum bayerische Technologie darstellen“, sagte von Vopelius. Diese „Bavarian Business and Technology Centers“ könnten ganz im Sinne der klassischen Leistungsschauen funktionieren. „Nur dass wir dank moderner Medien und Digitalisierung diese Zentren zu sehr günstigen Kosten realisieren können“, so der IHK-Präsident. Die fest im asiatischen Raum verankerten Leistungsschauen könnten dann als Kooperationsplattformen für bayerische Unternehmen fungieren. Wo überall so ein Zentrum hinsoll, konnte von Vopelius aber noch nicht sagen. „Dazu ist die Idee noch zu frisch. Jetzt müssen erst einmal Wirtschafts- und Finanzministerium den Vorschlag bewilligen“, unterstrich der IHK-Präsident.

Rekord für den Export


Wie wichtig der Export für Bayern ist, illustrierte Pschierer an den Zahlen für 2016. Es sei Rekordjahr für die bayerische Exportwirtschaft gewesen. Der Wert der Ausfuhren stieg im Vergleich zu 2015 auf knapp 183 Milliarden Euro, was einer Zunahme um 2,5 Prozent entspricht. Auch die Importe haben mit knapp 166 Milliarden Euro einen Rekordwert erreicht, was gegenüber 2015 einem Plus von 2,8 Prozent entspricht. „Etwa ein Fünftel unserer Ausfuhren gingen vergangenes Jahr nach Asien. Bei den Einfuhren erreichen wir ähnliche Werte – und die Entwicklung in der Region verläuft weiterhin sehr dynamisch“, so der Wirtschaftsstaatssekretär.

Das „Asien-Pazifik-Forum Bayern“ ist Pschierer zufolge gerade für den Mittelstand eine wichtige Veranstaltung: „Hier kann man sich umfassend informieren und erste Kontakte knüpfen. Das ist ein tolles Angebot für unsere Unternehmen.“

Den Rekord von 378 individuelle Beratungsgespräche hat die IHK Nürnberg laut Kammerpräsident von Vopelius im Rahmen des „Asien-Pazifik Forums Bayern“ durchgeführt. 27 Referenten und 26 Aussteller brachten den Unternehmern aus dem gesamten Freistaat den Wirtschaftsraum näher.

Shenzhen als chinesisches "Silicon Valley"


Besonders interessant für die Firmen aus der Metropolregion Nürnberg dürfte das chinesische „Silicon Valley“ rund um die Millionenmetropole Shenzhen sein. Denn mit der Stadt am Perlflussdelta unterhält die Frankenmetropole seit 20 Jahren eine Städtepartnerschaft. Distriktsbürgermeister Ren Yao illustrierte das dynamische Wachstum seiner Stadt, in der bayerische Investoren immer willkommen seien.

Auch die Initiative „One belt – one Road“ von Chinas Staatspräsident Xi Jinping, also die alte Handelsroute Seidenstraße neu aufleben zu lassen, ist laut IHK-Präsident von Vopelius nur zu begrüßen. Von den 900 Projekten mit einem Investitionsvolumen von 900 Milliarden US-Dollar in 60 Ländern könne auch die bayerische Wirtschaft profitieren. Von Vopelius freut sich besonders, dass die „Neue Seidenstraße“ von Chengdu kommend in Nürnberg endet. Denn diese Route ist der seit einiger Zeit bestehende Eisenbahnkorridor für den Warenaustausch zwischen Europa und dem Reich der Mitte.

Geschäftspotenziale auf den Philippinen


Auch das diejährige Partnerland des „Asien-Pazifik Forums Bayern“, die Philippinen, bietet enorme Geschäftspotenziale. Handels- und Industrieminister Ramon Lopez betonte, dass die neue Regierung unter Präsident Rodrigo Roa Duterte intensiv daran arbeite, das Leben der Philippinos zu verbessern und die Armut zu bekämpfen. Auch der derzeit laufende Militäreinsatz gegen die Drogenkartelle sei Teil dieser Strategie. „82 Prozent der Bevölkerung sind für den Antidrogenkrieg“, betonte Lopez. Zwar seien Investoren wegen dieses Vorgehens besorgt und würden viele Fragen stellen. Doch wenn der Einsatz beendet ist, würden die Bedingungen im Land noch besser. Automobilindustrie, Maschinen- und Anlagenbau, chemische Industrie, Nahrungsmittelindustrie sowie alles rund um die Digitalisierung seien Geschäftsfelder für Kooperationen oder Investitionen.

Von Vopelius verdeutlichte auch die wirtschaftlichen Dimensionen des asiatischen Raums. So würden dort drei Milliarden Menschen ein Bruttoinlandsprodukt von 17 Milliarden US-Dollar pro Jahr erwirtschaften. Angesichts dieser Zahlen dürfte der bayerische Exportmotor trotz Brexit und Abschottungstendenzen aus den USA weiterhin rund laufen.
(Ralph Schweinfurth)

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