Wirtschaft

Emilia Müller ist überzeugt , dass die fünf Millionen Einwohner umfassende Donau-Moldau-Region die richtige Antwort des ländlichen Raums auf die Metropolregionen ist. (Foto: Schweinfurth)

12.03.2010

„Die Europaregion wird Mehrwert bringen“

Bayerns Europaministerin erklärt, wie die Donau-Moldau-Region dem ländlichen Raum wirtschaftliche Perspektiven bieten kann

Niederbayern, die Oberpfalz, Oberösterreich, Südböhmen und Westböhmen wollen zwischen den europäischen Metropolregionen München, Nürnberg, Prag und Wien/Bratislava einen trinationalen Zusammenschluss ins Leben rufen. Die so genannte Donau-Moldau-Region soll den ländlichen Raum zwischen den vier Metroregionen stärken. Europaministerin Emilia Müller (CSU) erläutert im Gespräch mit der Staatszeitung die Ziele der Kooperation.
BSZ Derzeit erfahren Sie mit dem Projekt Donau-Moldau-Region auf lokaler Ebene in Ostbayern viel Gegenwind. Haben die Menschen Angst vor so einem neuen Gebilde?
MÜLLER Nicht, wenn wir ganz klar vermitteln: die Europaregion Donau-Moldau mit über 5 Millionen Einwohnern in Niederbayern, der Oberpfalz, Oberösterreich, Südböhmen und Pilsen/Westböhmen ist für die Region eine Riesenchance. Die Erfolge der bestehenden Euregiones haben nämlich gezeigt, dass grenzüberschreitender Kooperation vor Ort die Zukunft gehört. Die Europaregion Donau-Moldau soll jetzt diese Erfolgsgeschichte auf noch breiterem und größerem Fundament fortschreiben und ausbauen. Die Europaregion Donau-Moldau wird echten Mehrwert bringen, etwa in den Bereichen Verkehr, Wirtschaft, Raumplanung, Kultur und Umwelt. Wir wollen eine Europaregion Donau-Moldau auf Augenhöhe mit den umgebenden Metropolregionen. Damit stärken wir in der Oberpfalz und in Niederbayern letztlich die eigene Identität und Identifikation mit der Heimat.
BSZ Somit soll die Donau-Moldau-Region vorrangig eine Chance für die Wirtschaft werden?
MÜLLER Ja, aber nicht nur für die Wirtschaft! Die Menschen in diesem Raum profitieren insgesamt, etwa wenn neue Arbeitsplätze entstehen. Schon jetzt ist auf tschechischer Seite ein enormer Zuzug an die Grenze zu Bayern zu verzeichnen, und viele Menschen aus dem Freistaat arbeiten bereits in Böhmen, auch weil unsere Betriebe dort Niederlassungen haben. Das wollen wir weiter stärken. Die Europaregion Donau-Moldau bietet die Chance, Förderprogramme in verstärktem Umfang grenzüberschreitend zu nutzen.
BSZ Um die Wirtschaft zu fördern, muss dann nicht auch dies- und jenseits der Grenze die Infrastruktur ausgebaut werden?
MÜLLER Das ist ein besonders wichtiger Aspekt für die Zusammenarbeit. Leistungsfähige Schienen- und Straßenverbindungen sind für die stärkere Vernetzung unverzichtbar. Die Europaregion Donau-Moldau ist die richtige Plattform, um ein schlüssiges Gesamtkonzept voranzubringen.
BSZ Wieso gehen Sie eigentlich von einem signifikanten Wirtschaftswachstum gerade in diesem ländlich strukturierten Raum aus?
MÜLLER In der Vernetzung über die Grenzen hinweg steckt noch enormes Potenzial. Nur ein Beispiel: Mit Regensburg haben wir nach München die zweitstärkste Biotech-Region im Freistaat. Die ganze Region als Zentrum für Biotechnologie – hier liegen enorme Wachstumsperspektiven. Oder die zentrale Lage unserer Region in Europa: Hier haben wir rein geografisch einen enormen Vorteil, den wir optimal nutzen müssen, um noch mehr ansiedlungswillige Unternehmen anzuziehen, die von hier aus den europäischen Markt erschließen wollen. So habe ich etwa in den USA mit vielen Unternehmen gesprochen, die sich zentral in Europa ansiedeln wollen, um von dort aus den gesamten Kontinent mit ihren Waren zu versorgen.
BSZ Damit die Donau-Moldau-Region reüssiert, müssen dann nicht noch viel mehr Menschen in Ostbayern Tschechisch lernen?
MÜLLER Da sind wir auf einem guten Weg. In den Schulen entlang der bayerisch-tschechischen Grenze wird Tschechisch als Wahlfach angeboten. Die Europaberufsschule in Weiden ermöglicht grenzüberschreitenden Unterricht. An der Universität Regensburg gibt es mit dem Bohemicum und dem Slovacicum die Keimzelle für ein Elitenetzwerk mit unseren östlichen Nachbarn. Denn die Regensburger Absolventen, die aus Deutschland und anderen Ländern kommen, bleiben ja über ihre gemeinsame Studienzeit hinaus in Kontakt. Das sind wichtige Impulse für das Wirtschaftswachstum in der Donau-Moldau-Region und darüber hinaus.
BSZ Welche Aufgaben müssen denn noch erledigt werden, damit diese große Region zu einem Erfolg wird?
MÜLLER Konkret müssen wir etwa die Systeme der beruflichen Ausbildung annähern. Unserer erfolgreichen dualen beruflichen Ausbildung kommt eine Schlüsselrolle mit Modellcharakter zu. Ganz generell ist für den Erfolg der Europaregion ein starkes Bewusstsein der Menschen für die Notwendigkeit der grenzüberschreitenden Zusammenarbeit unerlässlich.
BSZ Dazu muss aber Kirchturmdenken überwunden werden.
MÜLLER Richtig, denn nur so können Synergien gehoben und daraus nachhaltiger Mehrwert für alle Beteiligten geschaffen werden. Im Wettbewerb mit anderen Regionen haben wir nur gemeinsam die Chance, unser Potenzial voll zu entfalten.

(Interview: Ralph Schweinfurth)

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