Wirtschaft

01.06.2012

Die Kosten sind nicht ohne

Stadtumlandbahn im Großraum Nürnberg hat gewaltige finanzielle Nebenwirkung

Die Stadtumlandbahn (StUB) im Großraum Nürnberg-Erlangen wird seit langer Zeit herbeigesehnt. Doch trotz eines Kosten-Nutzen-Faktors, der Förderfähigkeit verspricht, sind nicht mehr alle betroffenen Kommunalvertreter hellauf begeistert.
1,08 – Diese Zahl stand ganz oben auf dem Rechenwerk der Intraplan Consult GmbH, die die Wirtschaftlichkeit der StUB untersuchte. Jede Zahl größer als 1,0 macht Anträge auf bis zu 80 Prozent Förderung möglich. So steht es im Gemeindeverkehrsfinanzierungsgesetz (GVFG).
Im ersten Moment jubelten alle: „15 Jahre Warten haben sich gelohnt.“ Von Uttenreuth und Herzogenaurach nach Erlangen, und von dort weiter nach Nürnberg und umgekehrt: Bürger aus dem Landkreis Erlangen-Höchstadt könnten per Straßenbahn zum Einkaufen in die Frankenmetropole fahren. Fachkräfte aus Nürnberg brauchen zur Fahrt zur Arbeit bei Schaeffler, Puma oder Adidas in Herzogenaurach kein Auto mehr. Das sind die hellen Seiten des Gutachtens.
Aber es gibt auch dunkle. Darauf stehen die Kosten. Das Gutachterbüro hat allein 280,5 Millionen Euro für Investitionen ermittelt – und das auf „Stand 2006“. Ein Betrag, der bei 80 Prozent Zuschüssen von Bund und Land eigentlich für die Region gemeinsam zu stemmen sein müsste, selbst auf heutigem Kostenniveau. Wenn da nicht als großer Haken im Gutachten stünde: „Nicht GVFG-zuwendungsfähig: 87,3 Millionen Euro.“
Denn das GVFG fordert für neue Bahnen „eigene Bahnkörper“, ansonsten fällt der Zuschuss flach. Was bedeuten könnte: Zwischen Nürnberg und Erlangen und im Landkreis Erlangen-Höchstadt werden die Bahngleise auf neuen Trassen verlegt – mit 80 Prozent Förderung. In der engen Hugenotten-Innenstadt müssten sich Autos und Bahn oft die Straßen teilen. Also gibt es keine Förderung für die neuen Gleise.
Und so ist es kein Wunder, dass Erlangens Oberbürgermeister Siegfried Balleis (CSU) nach anfänglicher Euphorie inzwischen ein wenig auf die StUB-Bremse tritt. Noch im März mahnte der aktuelle Sprecher der Metropolregion Nürnberg „meine Kolleginnen und Kollegen zur Eile“, einen Förderantrag zu stellen. Doch inzwischen will Balleis erst einmal ganz genau wissen, welche Kosten seine Stadt tatsächlich zu schultern hätte.
„Die StUB ist eine schicke Geschichte. Doch 140 Millionen Euro in den ersten zehn Jahren: Das ist fast genauso viel, wie die Stadtschulden zurzeit betragen“, rechnet der OB der Staatszeitung vor. Weshalb „ich nicht facebookmäßig einfach auf ,Gefällt mir’ klicken kann“.
„Erlangen müsste den größten Kostenblock tragen“, bestätigt Frank Jülich vom Nürnberger Verkehrsplanungsamt. Auch deshalb sei die Dynamik in Nürnberg und im Landkreis Erlangen-Höchstadt bei der StUB deutlich größer als in Erlangen.
Ein Sprecher des Landratsamts Erlangen-Höchstadt erwartet gar einen Quantensprung der Schiene gegenüber dem jetzigen Bus. „Eine vernünftige Lösung des Verkehrsproblems ist individuell nicht lösbar.“ Doch auch wenn der Landkreis voll hinter der StUB steht: Balleis’ Bedenken seien nachvollziehbar, heißt es.
Das sieht Stephan Doll vom DGB völlig anders: „Das Projekt ist nicht erst seit gestern bekannt. Ob nicht andere Gründe als die vermeintlich hohen Kosten im Vordergrund stehen?“, fragt er. Als Beispiel nennt Doll das Mietgefälle von Erlangen zu Nürnberg, das Familien oder Studenten zum Umzug nachdenken lassen könne. Doll fordert darum: „Endlich regional und nicht nur lokal denken.“
(Heinz Wraneschitz)

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