Wirtschaft

HRE-Desaster beschäftigt die Gerichte bis heute. (Foto: dpa)

25.09.2014

Drama um die Hypo Real Estate

BSZ erklärt: Das Desaster mit der Immobilienbank Hypo Real Estate belastet den Bund bis heute und macht der Justiz viel Arbeit

Vor sechs Jahren sorgte die Hypo Real Estate für Panik am Finanzplatz Deutschland. Am 28. September 2008 wurde bekannt, dass der Münchner Immobilienfinanzierer mit dem komplizierten Namen ein Riesenproblem hat, das den Finanzplatz Deutschland in den Abgrund stürzen könnte. Hektisch berieten sich die Spitzenmanager großer deutscher Banken bis tief in die Nacht, um das zu verhindern. Mit einem Notfallplan und staatlich abgesicherter Milliardenhilfen verhinderten sie in letzter Minute einen Crash. Die Gerichte beschäftigt das Drama bis heute. Die wichtigsten Fragen und Antworten:

Wurden ehemalige Manager der HRE verurteilt?
Nein. Die Münchner Staatsanwaltschaft hat nach jahrelangen Ermittlungen aber vor wenigen Wochen Anklage gegen den ehemaligen Chef Georg Funke und sieben weitere Ex-Vorstände erhoben. Die Manager sollen in offiziellen Firmenberichten die Lage der Bank geschönt haben. Sollte das Landgericht München die Anklage zulassen, würde es voraussichtlich im kommenden Jahr zu einem Strafprozess kommen. Dann müsste auch Funke erstmals seit dem Drama wieder öffentlich auftreten. Er wurde im Jahr 2008 zu einem der bekanntesten Akteure der Finanzkrise in Deutschland. Nach seinem Abtritt bei der HRE zog er von München nach Mallorca und handelte dort als Makler mit Luxusimmobilien. Er hatte sich stets gegen den Vorwurf gewehrt, für das HRE-Drama verantwortlich gewesen zu sein.

Warum wollen die ehemaligen Aktionäre der HRE Schadenersatz?  
Sie werfen der HRE vor, zu spät auf ihre Probleme durch die Finanzkrise hingewiesen zu haben. Am 15. Januar 2008 hatte der Konzern in einer Pflichtmitteilung massive Belastungen bekanntgegeben und damit die Börse geschockt. Innerhalb eines Tages brach die Aktie um mehr als ein Drittel ein und sackte danach weiter ab. Viele Aktionäre verloren dadurch ein Vermögen. In einem Musterprozess vor dem Oberlandesgericht München fordern die Kläger rund 1,1 Milliarden Euro Entschädigung. Das Verfahren läuft schon seit Monaten und geht nun in die entscheidende Phase. Für den Schadenersatz müssten am Ende die Steuerzahler aufkommen, da die HRE seit einer Notverstaatlichung dem Bund gehört. 

Wie beurteilen die Richter die Vorwürfe?
Der Vorsitzende Richter Guido Kotschy hat den Anlegern Hoffnung gemacht. Nach Einschätzung des Gerichts wusstedas Unternehmen bereits Mitte November 2007 von Belastungen aus derUS-Finanzkrise, informierte die Anleger aber erst in der Mitteilung am 15. Januar  darüber. Für Aktienkäufe in diesem Zeitraum stehen die Chancen auf Schadenersatz gut. Die Kläger fordern zwar auch für spätere Aktienkäufe im Jahr 2008 eine Entschädigung. Dies schließt der Richter aber aus: Die Ad-Hoc-Mitteilung stelle für das Gericht eine Zäsur dar, danach sei das Vertrauen in die "Redlichkeit" der HRE erschüttert gewesen.

Warum haben die Anleger überhaupt Geld in die HRE gesteckt?

Die Hypo Real Estate galt als ein solides Unternehmen. Die Aktie war vor ihrer Krise im Dax notiert, also in der ersten Liga der Börse in Deutschland. Viele Anleger dachten, dass ihr Geld besonders gut angelegt ist, weil die Hypo Real Estate auf die Finanzierung großer Immobilienprojekte weltweit spezialisiert war. Im September 2008 geriet die HRE aber in größte Not, weil ihre irische Tochter Depfa Geld langfristig verliehen und sich extrem kurzfristig refinanziert hatte. Nach der Pleite der US-Investmentbank Lehman Brothers ging diese Rechnung nicht mehr auf und sie kam nicht mehr an Geld: Es fehlten plötzlich 35 Milliarden Euro. Vor wenigen Monaten entschied sich der Bund dafür, die Depfa abzuwickeln. (Daniela Wiegmann, dpa)

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