Wirtschaft

Polens stellvertretende Wirtschaftsministerin, Ilona Antoniszyn-Klik, ist fest davon überzeugt, das ihr Land mit seinen 38 Millionen Konsumenten ein guter Partner für Bayerns Wirtschaft sein kann. (Foto: Schweinfurth)

25.05.2012

Ein interessanter Markt gleich um die Ecke

Polen möchte in drei Jahren Bayerns größter Handelspartner in Mittel- und Osteuropa sein

Wir wollen in drei Jahren Bayerns größter Handelspartner in Mittel- und Osteuropa sein“, sagt Polens stellvertretende Wirtschaftsministerin, Ilona Antoniszyn-Klik zur Staatszeitung. Darum hat sie vor Kurzem ein polnisches Verbindungsbüro in der IHK München eröffnet. „Wir wollen die bayerischen Unternehmen davon überzeugen, dass sie einen zukunftsorienterten Markt quasi vor der Haustür haben.“
38 Millionen Konsumenten in der Republik Polen dürften für die bayerischen Firmen ein attraktiver Absatzmarkt sein, meint Ilona Antoniszyn-Klik. „Wir wollen Partner Bayerns sein und gemeinsam Drittländer wie Weißrussland mit 10 Millionen Verbrauchern und die Ukraine mit 60 Millionen Verbrauchern erschließen.“ Sie verweist darauf, dass bereits jetzt einige deutsche Firmen für den polnischen Markt produzieren. So liefert Siemens beispielsweise Züge für die Warschauer U-Bahn.
Unternehmen aus ganz Bayern, die sich für den polnischen Markt interessieren, können jetzt über das neue Verbindungsbüro in der IHK München sämtliche Informationen und Kontakte erhalten, die sie für ihr potenzielles Engagement in dem großen EU-Land benötigen.
„Man braucht nicht in entfernten Ländern wie China, Korea oder Mexiko nach guten Geschäften suchen. Polen ist praktisch um die Ecke“, betont Ilona Antoniszyn-Klik. In einer kompakten Infobroschüre sind 15 Wachstumsbranchen dargestellt, mit denen Polen in den kommenden Jahren sein wirtschaftliches und damit auch gesellschaftliches Niveau steigern möchte. Gerade in diesen Clustern, die denen im Freistaat sehr ähnlich sind, können nach Ansicht der stellvertretenden Wirtschaftsministerin bayerische Unternehmen zukunftsträchtige Kontakte aufbauen.
Schon heute übersteigt das Volumen der polnischen Investitionen in Deutschland die Marke von 2 Milliarden Euro. Das bayerische-polnische Handelsvolumen betrug 2011 rund 8,4 Milliarden Euro. 4,4 Milliarden Euro davon entfielen auf Waren und Dienstleistungen, die Polen nach Bayern exportierte. Dem steht ein Volumen von 4 Milliarden gegenüber, das von Bayern nach Polen exportiert wurde. „Und wir gehen von einer Steigerungsrate von rund 20 Prozent pro Jahr aus“, umreißt Ilona Antoniszyn-Klik die ehrgeizigen Ziele für den bilateralen Handel zwischen den beiden Ländern.
„Bayern ist für uns das Erfolgsland, das sich in kurzer Zeit zu einer der wirtschaftlich stärksten Regionen in Deutschland entwickelt hat. Davon wollen wir lernen, weil wir einen ähnlichen Weg beschreiten wollen“, so die stellvertretende Wirtschaftsministerin.

Vor allem kleine und mittlere Betriebe sind angesprochen

Für die künftigen Kooperationen von bayerischen und polnischen Unternehmen verweist Ilona Antoniszyn-Klik besonders darauf, dass vor allem kleine und mittlere Betriebe angesprochen sind. Sie können auch über die jeweiligen regionalen Selbstverwaltungen in Polen Kontakte knüpfen. Gerade die auf ihrem Gebiet eingerichteten Sonderwirtschaftszonen könnten gute Entwicklungsmöglichkeiten eröffnen.
Ganz besonders wichtig ist es der stellvertretenden Wirtschaftsministerin darauf hinzuweisen, dass die Zeiten, als Polen noch verlängerte Werkbank für ausländische Unternehmen war, vorbei sind. „Der Staat unterstützt nur Firmenansiedlungen mit entsprechenden Investitionen in Forschung und Entwicklung, um damit hohe Qualität zu garantieren.“ So möchte Polen auch Partnerland der internationalen Computermesse CeBIT 2013 werden.
Von all diesen begrüßenswerten Kooperationsbemühungen werden wohl vor allem gut ausgebildete Bayern und Polen profitieren. Einfache Arbeitnehmer im Freistaat laufen da schon eher Gefahr, dass ihr Unternehmen die Lohnkostenvorteile in Polen nutzen wird. Die Verlagerung eines AEG-Werks von Nürnberg nach Polen im Jahr 2005 mit dem Jobverlust für 1750 Beschäftigte dürfte noch vielen in Erinnerung sein. Und das jüngste Ringen um die Zukunft der Werke des angeschlagenen Automobilherstellers Opel lassen auch nichts Gutes für Deutschland erahnen. Die Produktion in einem polnischen Werk dürfte wohl einfach günstiger sein. Denn bei einem Mindestlohn von derzeit rund 340 Euro im Monat in Polen kann der von den Gewerkschaften hierzulande geforderte Mindestlohn von 8,50 Euro die Stunde (etwa 1360 Euro im Monat) einfach nicht mithalten.
(Ralph Schweinfurth)

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