Wirtschaft

So könnte das Fahrzeug der Zukunft für ältere und gehbehinderte Menschen aussehen. (Foto: BSZ)

17.02.2012

Elektroauto für ältere Menschen

Hochschule Deggendorf und Westböhmische Uni Pilsen arbeiten an Mobilitätsprojekt

Nicht nur im „E-Wald“ mit den Bayerwaldlandkreisen und dem künftigen großen „E-Land“, den Modellregionen für das Auto der Zukunft, das mit Strom fährt, sollen auch die älteren und gehbehinderten Menschen vom technischen Fortschritt profitieren. So will es ein grenzüberschreitendes Mobilitätskonzept, das von Wissenschaftlern und Studenten der Fakultäten Maschinenbau an der Hochschule Deggendorf und der Westböhmischen Universität in Pilsen unter Federführung von Projektleiter Vilem Dostal von der TU Reichenberg (CZ) derzeit erarbeitet wird. „Bis zum heutigen Tag,“ so die Einleitung zum Konzept, „ist es für viele Behinderte und ältere Menschen ein großes Problem, ein passendes Auto zu finden.“
Knapp ein Drittel der EU-Bevölkerung wird in wenigen Jahren älter als 50 Jahre sein. Da ist nicht Jammern über die Überalterung unserer Gesellschaft, besonders in dem von Politikern viel „besungenen“ ländlichen Raum gefragt, sondern hier helfen nur schlüssige Konzepte und praktisches Handeln, um der Situation zu begegnen. Und wenn dies grenzüberschreitend mit Wissenschaftlern und Studenten einer niederbayerischen und westböhmischen Hochschule geschieht, ist es umso besser – denn dies zeigt neue Wege der Zusammenarbeit auf.
Im Rahmen des Projektes wird ein umweltfreundliches und behindertengerechtes Automobil mit mehreren neuen Modulen nach neuesten wissenschaftlichen Erkenntnissen entwickelt. In der Studienphase werden die Bedürfnisse behinderter und älterer Menschen ermittelt, notwendige Ausstattung zugeordnet und ein Lastenheft erstellt. Gemeinsam werden das Antriebskonzept und die Fahrzeugsteuerung definiert und entwickelt.
In einer zweiten Projektphase werden die Fahrzeuggruppen und das Gesamtkonzept skizziert und konstruiert. In einer dritten Stufe wird kooperativ ein Demonstrator gebaut. Die Inhalte werden eng mit der Lehre verzahnt, um optimale Effekte in der praktischen und grenzüberschreitenden Ausbildung des Ingenieurnachwuchses zu erzielen. Das Fahrzeug soll einen Elektromotor mit einer maximalen Leistung von 30 kW bekommen und eine Reichweite von rund 150 Kilometern besitzen.


Auto in Leichtbauweise

Die Höchstgeschwindigkeit wird bei 85 Stundenkilometern liegen. Ein Lithium-Ionen-Batteriepaket sorgt bei einem Gesamtgewicht von etwa 900 Kilogramm für den Antrieb. Die Grundausstattung besteht aus zwei Sitzplätzen oder anstelle eines Sitzes einer Verankerungsmöglichkeit für einen Rollstuhl. Die Sicherheitsstandards entsprechen sowohl europäischen als auch amerikanischen Vorgaben, ein ABS-System und Airbags gehören selbstverständlich dazu.
Neben den Elementen der Leichtbauweise und der Möglichkeit schnellen Ladens der Batterie wird das Fahrzeug nur eine rechte, große und stabile Türe haben, die einen bequemen Ein- und Ausstieg ermöglicht. Bei der Rollstuhl-Version soll die Beförderung des Fahrers von der Straße oder dem Gehweg eine Konstruktionsneuheit werden – Absenkung des ganzen Fahrzeugs, eine Rampe oder ein Beförderungsmechanismus werden untersucht.
Die soziale Komponente des gesamten Projektes wird noch dadurch erweitert, dass geplant ist, die Konstruktion so auszulegen, dass Behindertenbetriebe einen Teil der Fertigung und Montage übernehmen können. Es wird neue technische Möglichkeiten eröffnen, Behinderte im täglichen Leben besser zu integrieren. Die Verwendung von neuen Technologien und Prozessen wird in Anlehnung an die Fertigungsmöglichkeiten der deutschen Automobilindustrie entwickelt. Man darf auf das Projektende im Jahr 2013 gespannt sein.
(Hermann Höcherl)

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