Wirtschaft

Deutschland kann international als Standort mit den geringsten Stromausfällen punkten. Das darf sich nach der Energiewende nicht ändern. (Foto: dpa)

26.06.2015

Energiewende: Die gute Mischung macht’s

Zentrale und dezentrale Stromerzeugungsanlagen sollten von der Politik gleichberechtigt behandelt werden, meint CSU-Umweltpolitiker Josef Göppel

Damit die Energiewende gelingt, muss sie sich in den Köpfen der Menschen vollziehen. Das ist die Überzeugung des CSU-Umweltexperten und Bundestagsmitglieds Josef Göppel. Bei der Podiumsdiskussion „Strommarkt 2.0“ im Energiecampus Nürnberg betonte er: „Wir müssen das schwankende Angebot der Natur als Normalfall und nicht als Störfall begreifen lernen.“ Denn warum sollte es nicht gelingen, eine sichere Stromversorgung auch bei volatiler Erzeugung zu realisieren.
„Die N-ERGIE AG hat rund 45.000 Stromerzeuger in ihrem Gebiet. Wie geht das?“, fragte Göppel rhethorisch. Was der in Nürnberg ansässige Energiekonzern in seinem regionalen Versorgungsgebiet schafft, müsse man laut Göppel auch auf ganz Deutschland übertragen können. „Es geht um leben und leben lassen – zentral und dezentral. Wir sind gut beraten, eine gute Mischung aus Großinvestoren, Bürgern, Handwerkern, Kommunen und anderen als Stromerzeuger zuzulassen“, unterstrich Göppel.

Zentralitätsansinnen aus Brüssel


Seine Ansicht nach könne nur aus der Kombination von zentraler und dezentraler Stromerzeugung die hohe Versorgungssicherheit hierzulande sichergestellt werden. Darum verurteilt der CSU-Experte auch die aktuellen Versuche aus Brüssel, den Eigenverbrauch von Stromerzeugern besteuern zu wollen. Somit müsste jeder Steuern auf den von ihm in der eigenen PV-Anlage auf dem Hausdach erzeugten Strom, den er selbst verbraucht, auch noch Steuern zahlen. „Das ist der Versuch, zur Zentralität beim Strommarkt zurückzukehren“, so Göppel. Doch in diesem Geiste werde die Energiewende nicht gelingen.
Göppels Ausführungen schloss sich im Wesentlichen Professorin Veronika Grimm an. Die Leiterin des Lehrstuhls für Volkswirtschaftslehre (insbesondere Wirtschaftstheorie) der Uni Erlangen-Nürnberg und Mitglied der Expertenkommission der Bundesregierung zum Thema „Stärkung von Investitionen in Deutschland“ forderte die Politik auf, ein Strommarktdesign zu entwickeln, in dem sich zentrale und dezentrale Erzeugungsanlagen sinnvoll kombinieren lassen. So müssten finanzielle Anreize für Investoren geschaffen werden, auch einmal statt nur südausgerichteter auch nur ost- oder nur westausgerichteter Solaranlagen zu bauen. Denn mit diesen Anlagen könnten Verbrauchsspitzen in den Morgen- beziehungsweise Abendstunden abgefedert werden. Dann wäre PV-Strom über den gesamten Tagesverlauf eingebunden und würde entsprechend vergütet werden.

Energieintensive Industrie geht nach Kanada


Diesem Ansatz pflichtete auch Gunnar Braun, Geschäftsführer der Landesgruppe Bayern des Verbands kommunaler Unternehmen bei. Er verdeutlichte aber auch, dass Deutschland im internationalen Vergleich kein guter Energiestandort ist: „Energieintensive Industrie geht nach Kanada, wo Strom aus Wasserkraft günstig zu haben ist.“ Im internationalen Standortwettbewerb könne Deutschland nur durch seine hohe Versorgungssicherheit punkten. „Stromausfälle von unter einer Viertelstunde sind international unschlagbar“, betonte Braun. Deshalb sei es so wichtig, Stromspeicher hierzulande von Steuern und Abgaben zu befreien. Denn Stromspeicher würden zum einen für die Netzstabilisierung und zum anderen zum Zwischenspeichern überschüssigen Stroms gebraucht. Da sei es ein Unding, wenn beim Ein- und Ausspeichern Steuern fällig werden.
Um die Wettbewerbsfähigkeit der Unternehmen war auch Ronald Künneth, Geschäftsführer des Ausschusses Energie und Umwelt der Industrie- und Handelskammer Nürnberg für Mittelfranken besorgt: „Schon Stromausfälle von unter drei Minuten haben wirtschaftliche Folgen.“ Er plädierte für den EU-Strombinnenmarkt, in dem man Lastspitzen über ganz Europa hinweg ausgleichen könne. So lägen im Winter die Lastspitzen in Nordeuropa, weil man wegen der Kälte heizen müsse, und im Sommer in Südeuropa, weil man wegen der Hitze kühlen müsse.

Für gerechte Wertschöpfung im ländlichen Raum sorgen


Abschließend forderte CSU-Energieexperte Göppel den Bund auf, für eine gerechte Wertschöpfung im ländlichen Raum zu sorgen. Denn dort könne die Energie für die Städte erzeugt werden. Dazu müsse aber die denzentrale Erzeugung erwünscht sein. Göppel ist überzeugt, Ökostrom einer noch breiteren Akzeptanz in der Bevölkerung zuführen zu können, wenn man „anlagenscharf“ einen Nachweis hätte, wo der Strom herkommt. Das sei wie beim Metzger, der sagen kann, von welchem Betrieb das jeweilige Schnitzel kommt. „So müssen wir dahinkommen, zu sagen, dieser Strom stammt aus dem Windrad XY aus dem Windpark Wilhermsdorf im Landkreis Fürth“, betonte Göppel. Die Vermarktung dieses regional erzeugten Stroms müsse dann über die jeweiligen Stadt- und Gemeindewerke erfolgen.
(Ralph Schweinfurth)

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